Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebensmittelsicherheit und Tierwohl: Wissenschaftler wollen Pilzrückstände in Weizen reduzieren

19.01.2016

Forscher der Universität Hohenheim arbeiten an neuen Verfahren zur Züchtung pilzresistenter Weizensorten / BMBF fördert internationales Projekt mit 1,6 Mio. Euro

Der Getreidepilz Fusarium gehört zu den wichtigsten Krankheitserregern im Weizenanbau. Neben Ernte- und Qualitätsverlusten führen Fusarien zu Belastungen des Getreides mit giftigen Stoffwechselprodukten (Mykotoxinen), die Gesundheit von Mensch und Tier gefährden. Um diese Gifte langfristig zu reduzieren, arbeiten Prof. Dr. Thomas Miedaner von der Universität Hohenheim und sein Team an der Entwicklung neuer pilzresistenter Weizensorten.

„Wir wollen durch eine Analyse des gesamten Weizengenoms die Regionen für die Resistenz gegen Fusarium dingfest machen“, sagt Prof. Dr. Miedaner. Das Bundesministerium für Forschung und Entwicklung (BMBF) fördert das internationale Projekt mit rund 1,6 Mio. Euro. 362.000 Euro davon entfallen auf die Universität Hohenheim und machen das Projekt zu einem der Schwergewichte der Forschung.

Mykotoxine im Weizen können in einer höheren Dosierung zu einem geschwächten Immunsystem führen und die Fruchtbarkeit verringern. Dies wurde vor allem an Schweinen berichtet. Gleichzeitig reduzieren sie auch den Ernteertrag von Weizen. Für die Produktion von Lebensmitteln gibt es in der EU inzwischen strenge Grenzwerte für einige Mykotoxine.

Auch zur Einhaltung des Tierwohls wurden Orientierungswerte verabschiedet. Deshalb ist es für die Nachhaltigkeit des Weizenanbaus entscheidend, möglichst toxinfreien Weizen zu produzieren. Daran arbeiten Prof. Dr. Miedaner und sein Team.

„Wir wollen im ersten Schritt die Bereiche im Weizengenom erkennen, die für die Fusarienresistenz verantwortlich sind“, sagt Prof. Dr. Miedaner. „Dazu untersuchen wir rund 1.200 Weizensorten auf ihre Resistenz im Feldversuch und analysieren ihr Genom.Wenn wir dabei Zusammenhänge finden, können wir resistente Pflanzen bereits im Labor anhand ihrer DNS erkennen.“

In Zukunft können mit Hilfe dieser „genomischen Selektion“ effektiver resistente Weizensorten gezüchtet werden, was nicht nur für Lebensmittel wichtig ist, sondern auch unseren Nutztieren gut tut. Denn rund die Hälfte des deutschen Weizens landet im Futtertrog.

Weizen muss fast 30 Kriterien erfüllen

Die Herausforderung der Züchtung neuer Weizensorten besteht darin, dass diese neben ihrer Fusarienresistenz noch viele andere Kriterien erfüllen müssen, um sich auf dem hart umkämpften Weizenmarkt zu behaupten: „Dazu zählen beispielsweise die Backqualität und eine frühe Reife, ebenso wird Kurzstrohigkeit erwünscht“, sagt Prof. Dr. Miedaner. Insgesamt müsse ein „guter“ Weizen knapp 30 Kriterien erfüllen.

„In unserem Projekt analysieren wir mit einer neuen chipbasierten Technik das Genom sowohl des Weizens als auch der Fusarien und testen anschließend die Wirkung der gefundenen Gene im Feldversuch.“ Ziel ist es, durch eine Kreuzung die optimale Kombination von Weizen-Genotypen zu finden und zu verstehen was die Fusarium-Pilze so gefährlich macht.

„Wir möchten möglichst viele positive Eigenschaften des Weizens mit der neuen Methode vereinen“, sagt Prof. Dr. Miedaner. Die Feldversuche in Hohenheim sollen im kommenden Juni zur Weizenblüte starten. Die größte Schwierigkeit: Es könnte sein, dass die Pilze (die Fusarien) aggressiver werden, wenn wir hoch resistenten Weizen auf großen Flächen anbauen. „Aber ob das wirklich so ist, genau daran arbeiten wir.“

Hintergrund: Fusarien
Die Pilzgattung Fusarium umfasst über 150 verschiedene Arten. Von Fusarien verursachte Pflanzenschäden sind in den meisten Regionen der Welt bekannt. Die Pilze hinterlassen in den Ähren von Getreide Stoffwechselprodukte, die auf Menschen und Tiere eine giftige Wirkung haben und deshalb auch als Mykotoxine bezeichnet werden. Seit sich der Weizenanbau in den vergangenen 50 Jahren in Europa intensiviert hat und immer mehr Mais angebaut wird, der von den gleichen Fusarien befallen wird, vermehren sich Fusarien stark.

Hintergrund: Forschungsprojekt „Genombasierte Analyse des Pathosystems Weizen/Fusarium für die Entwicklung von gesunden Nahrungs- und Futtermitteln (FusResist)“

Das Projekt „Genombasierte Analyse des Pathosystems Weizen/Fusarium für die Entwicklung von gesunden Nahrungs- und Futtermitteln (FusResist)“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von deutschen und kanadischen Forschungseinrichtungen sowie zwei Pflanzenzüchtern.

In Deutschland sind neben der Universität Hohenheim die folgenden Forschungseinrichtungen beteiligt:
• das Julius Kühn-Institut (JKI), Quedlinburg
• das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzen (IPK)
Ebenso sind die folgenden kanadischen Universitäten und Forschungsinstitute beteiligt:
• Agriculture & Agrifood Canada (AAFC)
• University of Saskatchewan
• University of Manitoba
• University of Guelph
• National Research Council of Canada (NRC)

Das vom Bundesministerium für Forschung und Entwicklung (BMBF) im Rahmen des Bioökonomie-Programms geförderte Projekt läuft seit Juli 2015 und ist auf drei Jahre angelegt. Die Arbeit an der Universität Hohenheim wird mit 362.000 Euro gefördert. Damit zählt das Projekt zu einem der Schwergewichte der Forschung an der Universität.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung
Rund 30,1 Mio. Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2014 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125 000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.
Text: A. Schmid

Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Thomas Miedaner, Universität Hohenheim, Landessaatzuchtanstalt
T 0711 459-22690, E thomas.miedaner@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht German Innovation Award für Rittal VX25 Schaltschranksystem
14.06.2019 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Anwendungsorientierte Kryokonservierung zur regenerativen Behandlung von altersbedingter Makuladegeneration (AMD)
14.06.2019 | Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erfolgreiche Praxiserprobung: Bidirektionale Sensorik optimiert das Laserauftragschweißen

Die Qualität generativ gefertigter Bauteile steht und fällt nicht nur mit dem Fertigungsverfahren, sondern auch mit der Inline-Prozessregelung. Die Prozessregelung sorgt für einen sicheren Beschichtungsprozess, denn Abweichungen von der Soll-Geometrie werden sofort erkannt. Wie gut das mit einer bidirektionalen Sensorik bereits beim Laserauftragschweißen im Zusammenspiel mit einer kommerziellen Optik gelingt, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der LASER World of PHOTONICS 2019 auf dem Messestand A2.431.

Das Fraunhofer ILT entwickelt optische Sensorik seit rund 10 Jahren gezielt für die Fertigungsmesstechnik. Dabei hat sich insbesondere die Sensorik mit der...

Im Focus: Successfully Tested in Praxis: Bidirectional Sensor Technology Optimizes Laser Material Deposition

The quality of additively manufactured components depends not only on the manufacturing process, but also on the inline process control. The process control ensures a reliable coating process because it detects deviations from the target geometry immediately. At LASER World of PHOTONICS 2019, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be demonstrating how well bi-directional sensor technology can already be used for Laser Material Deposition (LMD) in combination with commercial optics at booth A2.431.

Fraunhofer ILT has been developing optical sensor technology specifically for production measurement technology for around 10 years. In particular, its »bd-1«...

Im Focus: Additive Fertigung zur Herstellung von Triebwerkskomponenten für die Luftfahrt

Globalisierung und Klimawandel sind zwei der großen Herausforderungen für die Luftfahrt. Der »European Flightpath 2050 – Europe’s Vision for Aviation« der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation sieht für Europa eine Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit einer angemessenen Mobilität der Fluggäste, Sicherheit und Umweltschutz vor. Dazu müssen sich Design, Fertigung und Systemintegration weiterentwickeln. Einen vielversprechenden Ansatz bietet eine wissenschaftliche Kooperation in Aachen.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und der Lehrstuhl für Digital Additive Production DAP der RWTH Aachen entwickeln zurzeit eine...

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungen

Teilautonome Roboter für die Dekontamination - den Stand der Forschung bei Live-Vorführungen am 25.6. erleben

18.06.2019 | Veranstaltungen

KI meets Training

18.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Universität Jena mit innovativer Lasertechnik auf Photonik-Messe in München vertreten

19.06.2019 | Messenachrichten

Meilenstein für starke Zusammenarbeit: Neuer Standort für Rittal und Eplan in Italien

19.06.2019 | Unternehmensmeldung

Katalyse: Hohe Reaktionsraten auch ohne Edelmetalle

19.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics