Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleine Proteine in Prokaryoten: Die Erforschung einer neuen Welt

13.04.2016

CAU-Mikrobiologie koordiniert neues 6 Millionen Euro DFG-Schwerpunktprogramm

Erneuter Erfolg für den Forschungsstandort Schleswig-Holstein: Nach der Bewilligung gleich drei neuer Leibniz-WissenschaftsCampi Mitte März in Kiel ist es nun die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) weitere umfangreiche Förderung zusagt. Zur Einrichtung des neuen Schwerpunktprogramms (SPP) „Kleine Proteine in Prokaryoten, eine unbekannt Welt“ stellt die DFG einem interdisziplinären bundesweiten Forschungskonsortium unter der Leitung der CAU nun rund 6 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre zur Verfügung.


Strukturvorhersage eines kürzlich identifizierten stickstoffregulierenden µ-Proteins des Urbakteriums Methanosarcina mazei.

Prof. Ruth Schmitz-Streit

Schon jetzt stehen drei Forschungsgruppen an den Universitäten Würzburg, Freiburg und Braunschweig aus der Mikrobiologie, Infektionsforschung und Biochemie als führende Projektpartner fest. „Den Auftrag zur Einrichtung eines solchen umfangreichen nationalen Verbundes durch die Uni Kiel sehen wir als weitere Bestätigung unserer exzellenten Forschungsarbeit. Bundesweit wird jetzt anerkannt, dass sich Kiel zu einem herausragenden Wissenschaftsstandort und Impulsgeber entwickelt, und das nicht nur in den Lebenswissenschaften“, bewertet CAU-Vizepräsidentin Professorin Karin Schwarz die Entscheidung der DFG.

Während die Lebensprozesse vielzelliger Organismen seit vielen Jahren intensiv erforscht werden, gibt es auch heute noch beinahe vollständig unbekannte Gebiete in den Lebenswissenschaften. Ein solches neuartiges Forschungsfeld, das die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SPP nun erschließen wollen, konzentriert sich auf die Welt der sogenannten Prokaryoten. Diese Gruppe einzelliger Lebewesen ist durch das Fehlen eines Zellkerns charakterisiert und umfasst Bakterien und Archaeen, auch Urbakterien genannt. Sie kommen in großer Anzahl in den verschiedensten Umgebungen vor und spielen eine wichtige Rolle zum Beispiel für Gesundheit und Umwelt. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht die Rolle neu entdeckter, besonders kleiner Proteine der Prokaryoten, den bisher wenig erforschten sogenannten µ-Proteinen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen die Funktionen und molekularen Mechanismen dieser kleinen Proteine untersuchen, was erst durch die jüngsten Fortschritte in den Analysetechniken möglich geworden ist. „Mit der Erforschung der µ-Proteine betreten wir wissenschaftliches Neuland. Dank der Förderzusage der DFG sind wir nun in der Lage, über die kommenden Jahre die Grundlagen zur Beschreibung und Funktionsanalyse einer völlig neuen Proteinklasse zu schaffen und möglicherweise gänzlich neuartige Prinzipien der Regulation und der Zusammensetzung von Proteinkomplexen zu entschlüsseln“, freut sich Professorin Ruth Schmitz-Streit, Mikrobiologin an der CAU und Leiterin des neuen Schwerpunktprogramms.

Erste Studien weisen darauf hin, dass die neuentdeckten kleinen Proteine möglicherweise für ein breites Spektrum an zellulären Prozessen von der Energiegewinnung bis hin zum Transport verantwortlich sind. Die Forschenden haben sich nun vorgenommen, die bislang weitgehend unbekannte Vielfalt der kleinen prokaryotischen Proteine einschließlich ihres Funktionsumfangs zu entschlüsseln. Dabei erwarten sie, hunderte neuer Proteine in verschiedenen Spezies und neuartige Funktionen zu entdecken. Diese Bestandsaufnahme der Gesamtheit der prokaryotischen Mikroproteine wird dazu beitragen, das Wissen über ihren Beitrag zu regulatorischen und strukturellen Prozessen zu erweitern.

Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es damit, die Klasse der µ-Proteine zu charakterisieren und so grundlegende Prinzipien des prokaryotischen Lebens zu entschlüsseln. Langfristig erhoffen sie sich davon unter anderem neuartige Therapieansätze, zum Beispiel die Entwicklung von alternativen Methoden zur Bekämpfung von mikrobiellen Krankheitserregern. Bis zum Start des wissenschaftlichen Programms im kommenden Jahr gilt es nun, aus den rund 30 designierten teilnehmenden Arbeitsgruppen verschiedener Forschungsinstitutionen bundesweit das thematische Netzwerk des neuen SPP „Kleine Proteine in Prokaryoten, eine unbekannt Welt“ zu formen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet 17 neue Schwerpunktprogramme (SPP) für das Jahr 2017 ein, insgesamt werden damit bundesweit rund 100 dieser Projekte gefördert. Die SPP dienen dazu, wissenschaftliche Grundlagen besonders aktueller oder sich gerade bildender Forschungsgebiete zu untersuchen. Weiterhin verlangt das Modell nach überregionalen Kooperationen von Forschenden und Institutionen als Voraussetzung der Förderung. Von ihren Schwerpunktprogrammen erhofft sich die DFG spürbare Impulse zur Weiterentwicklung der Wissenschaft dank einer gezielten Förderung wichtiger neuer Themen.

Es steht eine Grafik zum Download bereit:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2016/2016-103-1.jpg
Strukturvorhersage eines kürzlich identifizierten stickstoffregulierenden µ-Proteins des Urbakteriums Methanosarcina mazei.
Abbildung: Prof. Ruth Schmitz-Streit

Kontakt:
Prof. Ruth Schmitz-Streit
Molekularbiologie der Mikroorganismen,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-4334
E-Mail: rschmitz@ifam.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Molekularbiologie der Mikroorganismen (AG Schmitz-Streit),
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
http://www.mikrobio.uni-kiel.de/de/ag-schmitz-streit

Schwerpunktprogramme der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG):
http://www.dfg.de/foerderung/programme/koordinierte_programme/schwerpunktprogram...

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: ► presse@uv.uni-kiel.de, Internet: ► www.uni-kiel.de
Twitter: ► www.twitter.com/kieluni, Facebook: ► www.facebook.com/kieluni
Text / Redaktion: Christian Urban


Dr. Boris Pawlowski | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht GFOS-Innovationsaward 2019: Anmeldung ab sofort möglich
13.12.2018 | GFOS mbH

nachricht Röhrchen statt Platten: 2,5 Millionen Euro für Entwicklung neuartiger Elektrolysezelle
13.12.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Rittal heizt ein in Sachen Umweltschutz - Rittal Lackieranlage sorgt für warme Verwaltungsbüros

14.12.2018 | Unternehmensmeldung

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics