Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jungius-Förderpreise 2012 für bahnbrechende Arbeiten in Demografie und Mikroelektronik vergeben

06.07.2012
An der Universität Rostock wurden am Freitag (06.07.2012) die Joachim-Jungius-Förderpreise 2012 für herausragende wissenschaftliche Leistungen des akademischen Nachwuchses vergeben.

In diesem Jahr gingen sie an Dr.rer.pol.Christina Bohk für ihre mit summa cum laude verteidigte Doktorarbeit zu einem neuartigen dynamischen Bevölkerungsprognosemodell und an Dr.-Ing. Claas Cornelius, der seine Promotion zum Thema Network-on-Chips ebenfalls mit summa cum laude abschloss.

Die Preise sind mit jeweils 2.000 Euro dotiert und werden jährlich von der Gesellschaft der Freunde der Universität Rostock (GFUR) e.V. vergeben. Die Preise wurden vom Rektor der Universität Rostock, Prof. Dr. Wolfgang Schareck, in einem Festakt in der Universitätskirche übergeben.

Aus den Begründungen der Jury:
Dr. rer. pol. Christina Bohk: Entwicklung, Implementierung und Anwendung eines neuartigen probabilistischen Bevölkerungsprognosemodells.
Die Weltbevölkerung wächst seit mehr als hundert Jahren mit hoher Geschwindigkeit. Erkenntnisse und Annahmen der Demografie werden für Wirtschaft, Soziales, Ökosysteme, Welternährung und globale Ressourcen immer wichtiger. Gefragt sind vor allem demografische Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung. Das bisher verfügbare prognostische Instrumentarium wird in der Fachwelt als mangelhaft und nicht mehr zeitgemäß angesehen.
Frau Bohk stellt sich der Aufgabe, die Prognostik weiterzuentwickeln und eine Alternative zu den deterministischen Modellen zu entwerfen, die der Dynamik der Bevölkerungsentwicklung nicht gerecht werden. Diese können zwar unter Umständen sehr genau, aber auch völlig falsch sein, wenn sich die gewählten Ausgangsdaten für die untersuchten Ereignisse als unzutreffend erweisen.

Das von Frau Dr. Bohk entwickelte wahrscheinlichkeitstheoretische Modell für die Bevölkerungsprognose Probabilistic Population Projection Model (PPPM) berücksichtigt die Unsicherheiten, mit denen Aussagen über die Zukunft behaftet sind. Diese werden mit Wahrscheinlichkeitsaussagen quantifiziert. Das PPPM kann daher mehr, als die Bevölkerung homogen zu modellieren. Vielmehr ist es möglich, dass beliebig viele Gruppen und Untergruppen der Bevölkerung gleichzeitig im Modell erscheinen und in der Abfolge von Generationen behandelt werden. Damit ist das Modell der dynamischen Lebenswirklichkeit sehr nahe.
Das PPPM existiert nicht nur in der Theorie, sondern wurde von Frau Dr. Bohk in eine Software implementiert, die der Dissertation beiliegt. Zu ihrer Erprobung wurde die Software für eine Modellierung im Bereich der Bevölkerung in Deutschland angewendet. Die Gutachter bewerten die Dissertation, die Erkenntnisse und Ansätze aus der Soziologie, der mathematischen Statistik und der Betriebswirtschaft integriert, als einen exzellenten Beitrag zur demografischen Forschung. Die von ihr entwickelte Software zur Bevölkerungsprognose hat sie als Open Source Software im Internet verfügbar gemacht. Als Monografie ist die Dissertation jetzt Buchhandel erschienen. Frau Dr. Bohk wurde bereits mit einem „Allianz-Nachwuchspreis“ für Demografie ausgezeichnet. Ihre Arbeit stärkt in der Universität Rostock die Profillinie „Altern des Individuums und der Gesellschaft“, in deren Rahmen Frau Bohk als Expertin für Bevölkerungsprognose gefragt ist.

Dr.-Ing. Claas Cornelius: Design of complex integrated systems based on networks-on chip – Trading off performance, power and reliability
Der bisherige kontinuierliche Leistungszuwachs der digitalen Elektronik ist im Wesentlichen von der Weiterentwicklung der Mikroprozessoren abhängig. Nach dem Moore’schen Gesetz verdoppelt sich innerhalb von etwa 18 Monaten die Anzahl von Schaltelementen bzw. von Integrationseinheiten je Chip. Inzwischen sind Vielkernprozessoren entstanden, bei denen sich Dutzende von Prozessorenkernen und mehrere 100 Millionen Transistorbauelemente auf nur einem einzelnen Chip befinden. Dieser bisherige Pfad einer lediglich quantitativen Aufrüstung der Chips führt jedoch an physikalische, technische und finanzielle Grenzen und ist wenig zukunftstauglich.
Die Mikroelektronik steht daher vor der Herausforderung, eine größere Geschwindigkeit des Datentransfers als bisher zu gewährleisten, dabei

Energie zu sparen und eine hohe Robustheit zu garantieren. Dr. Claas Cornelius fand im Verlaufe der vierjährigen Bearbeitung des Themas in den sogenannten NoC (Networks on Chips) eine ganz neue Generation von Chips, auf denen die Idee des Datentransportes im Internet im Miniaturformat verwirklicht wird. Seine Ergebnisse sind originell und zukunftsweisend. Sie gestatten hinsichtlich Geschwindigkeit und Energieverbrauch eine Verbesserung von 25 Prozent gegenüber dem Stand der Technik. Die Leistung konnte sogar um 30 Prozent gesteigert werden. Es gelang Herrn Dr. Cornelius in einem Simulationsmodell überzeugend nachzuweisen, dass diese signifikanten Fortschritte bei der Gestaltung und Nutzung von NoC sehr gut praktisch anwendbar sind. Einige seiner Vorschläge sind inzwischen auch von der Industrie aufgegriffen worden.

Die Dissertation von Herrn Cornelius liefert auf dem Gebiet nanoelektrischer Systeme einen erheblichen Erkenntnisgewinn, in dem sie auf das NoC als entscheidenden Designansatz orientiert. Die in englischer Sprache verfasste Dissertation ist in jeder Hinsicht beispielhaft. Die Ergebnisse werden konsequent verwertet und finden international in der Wissenschaft wie in der Industrie deutliche Beachtung (bisher 30 Publikationen). Die Forschungsarbeiten werden mit selbst eingeworbenen Drittmitteln fortgeführt.

Kontakt:
Universität Rostock
Presse+Kommunikation
Dr. Ulrich Vetter
Fon: +49 (0)381 498 1013
Mail: ulrich.vetter@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Klimafreundliche Energie aus Abwärme
20.12.2019 | Technische Universität München

nachricht Der DPG-Technologietransferpreis 2020 geht an Orcan Energy für die Nutzung von Abwärme für die CO2-freie Stromerzeugung
16.12.2019 | Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Im Focus: Charakterisierung von thermischen Schnittstellen für modulare Satelliten

Das Fraunhofer IFAM in Dresden hat ein neues Projekt zur thermischen Charakterisierung von Kupfer/CNT basierten Scheiben für den Einsatz in thermalen Schnittstellen von modularen Satelliten gestartet. Gefördert wird das Projekt „ThermTEST“ für 18 Monate vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Zwischen den Einzelmodulen von modularen Satelliten werden zur Kopplung eine Vielzahl von Schnittstellen benötigt, die nach ihrer Funktion eingeteilt werden...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

10.000-mal schnellere Berechnungen möglich

20.02.2020 | Physik Astronomie

Darmkrebs: Erhöhte Lebenserwartung dank individueller Therapien

20.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Krebsstammzellen nachverfolgen

20.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics