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Jörg Vogel ausgezeichnet

30.03.2010
Winzige Ribonukleinsäuren steuern wichtige Zellprozesse - auch in Krankheitserregern. Für seine Forschung zu diesem Thema hat Professor Jörg Vogel von der Universität Würzburg am 28. März den Forschungspreis der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) verliehen bekommen.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis ist für herausragende aktuelle Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Mikrobiologie bestimmt. Professor Axel Brakhage, Präsident der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM), überreichte ihn dem Würzburger Professor bei der Eröffnung der VAAM-Jahrestagung in Hannover.

Die VAAM zeichnet damit zum dritten Mal einen erfolgreichen Nachwuchswissenschaftler aus, der an der Schwelle zum etablierten Lehrstuhlinhaber steht: Seit wenigen Wochen ist der bislang am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin tätige Vogel Leiter des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg.

Begründung des Auswahlkomitees

"Jörg Vogel vertritt sehr prominent das Gebiet der RNA-Forschung in Deutschland", begründete das internationale Auswahlkomitee seine Entscheidung. "Seine völlig neuen Erkenntnisse zur Regulation von bakteriellen Genen durch kleine RNAs während der Infektion sind international anerkannt - und lassen auch in den nächsten Jahren spannende und hochwertige Beiträge des Wissenschaftlers erwarten."

Funktionen der RNA

Als Botenmoleküle bei der Vererbung, als Teil der Proteinbiosynthese in den Ribosomen der Zellen sowie als Erbinformation vieler Viren ist die Ribonukleinsäure (RNA) seit Jahrzehnten bekannt. Manche RNAs haben auch regulatorische Funktionen: Ähnlich wie Enzyme können sie die Genexpression beeinflussen, etwa indem sie sich an bestimmte Stellen der Erbinformation heften und so deren Übersetzung in ein Protein verhindern.

Eine systematische Suche in Bakterien und anderen Organismen hat in den vergangenen Jahren unzählige dieser nicht-kodierenden RNAs zutage gefördert. Mittlerweile sind allein im klassischen Modell-Mikroorganismus Escherichia coli über 100 small RNAs (sRNAs) bekannt. Sie bestehen aus rund 100 Nukleotid-Bausteinen und sind damit vergleichsweise klein. Vermutlich haben sie eine wichtige Funktion bei der Anpassung an Stress-Situationen - etwa wenn Hitze oder Säure auf die Organismen einwirken.

Unerwartet viele sRNAs in Helicobacter

Die Arbeitsgruppe von Jörg Vogel konzentriert sich auf die Suche nach sRNAs in krankheitserregenden Mikroorganismen und versucht, den molekularen Regulationsmechanismen auf den Grund zu gehen. Kürzlich gelang es der Arbeitsgruppe mit Wissenschaftlern aus Leipzig und Frankreich, in Helicobacter pylori, einem Erreger von Magengeschwüren und Magenkrebs, eine unerwartet hohe Zahl von sRNAs nachzuweisen.

Grundlage für diesen Erfolg war ein modernes und weiterentwickeltes Schnell-Sequenzierverfahren, das das gleichzeitige Entziffern von Millionen von RNA-Sequenzen ermöglicht. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten künftig zur besseren Bekämpfung des Magenbakteriums beitragen.

Mit diesem neuen Ansatz analysiert Vogels Team derzeit die RNA der Durchfallerreger Campylobacter jejuni und Salmonella enterica sowie weiterer Bakterien.

Salmonellen schützen sich mit sRNAs

Wie kleine RNA-Moleküle in Salmonellen wirken, hat Vogel vor einigen Jahren gezeigt. Sie sorgen dafür, dass sich die Zellhülle dieser Durchfallerreger den wechselnden äußeren Bedingungen anpasst - etwa dem sauren Magen oder dem sauerstoffarmen und salzreichen Darm. So schalten sie die Synthese von Membranproteinen ab, sobald sich geschädigte Hüllproteine anhäufen.

"Da solche sRNAs in wenigen Sekunden hergestellt werden, kann diese Schutzreaktion mit enorm hoher Geschwindigkeit ablaufen", beschreibt Vogel den Vorteil gegenüber den in Auf- und Abbau langsameren Regulationsenzymen.

"Der VAAM-Preis hebt die Bedeutung der sRNA-Regulation hervor - das hat Signalwirkung im In- und Ausland", freut sich Vogel über die Auszeichnung. Sein nächstes Ziel ist es, jeden Lebensschritt einzelner sRNAs zu verfolgen, um deren Regulationswirkung hoch aufgelöst in Zeit und Raum aufzuklären.

Werdegang von Jörg Vogel

Jörg Vogel (42) studierte Biochemie an der Humboldt-Universität zu Berlin und am Imperial College in London. Nach seiner Promotion (Prof. Thomas Börner, HU Berlin) war er als Postdoc in Uppsala (Schweden) und als EMBO-Fellow in Jerusalem (Israel) tätig. Von 2004 bis 2010 leitete er eine selbstständige Nachwuchsgruppe am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin.

Seit Dezember 2009 ist Jörg Vogel Leiter des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg und damit Nachfolger von Professor Jörg Hacker, der von 2008 bis 2010 Präsident des Robert Koch-Instituts war und heute Präsident der Leopoldina-Akademie ist.

Über 30 Originalarbeiten zu diesem Themenbereich hat Vogel mittlerweile publiziert, unter anderem in so namhaften Zeitschriften wie Nature, Genes & Development und PLoS Biology sowie - ganz wichtig für ihn - in Molecular Microbiology.

Informationen über die VAAM

Die VAAM (Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie) feiert in diesem Jahr ihr 25jähriges Jubiläum. Sie vertritt rund 3300 mikrobiologisch orientierte Wissenschaftler aus Forschung und Industrie. Die Bandbreite der Forschung reicht von Bakterien und Pilzen in Lebensmitteln und Gewässern über Krankheitserreger bis hin zu Genomanalysen und industrieller Nutzung von Mikroorganismen und ihren Enzymen.

Ihre jährliche Frühjahrstagung veranstaltet die VAAM dieses Jahr vom 28. bis 31. März zusammen mit der DGHM (Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie) in Hannover.

Weitere Informationen

VAAM-Geschäftsstelle, T (069) 66 05 67 20, info@vaam.de

Prof. Dr. Jörg Vogel, Institut für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg, T (0931) 31-82575, joerg.vogel@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de/

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