Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hohe Auszeichnung für Würzburger Zuckerforscher

17.07.2012
Jürgen Seibel, Professor am Institut für Organische Chemie der Universität Würzburg, wird mit dem DuPont Young Professor Award ausgezeichnet. Der Preis geht an Wissenschaftler, die wegweisende Forschungsbeiträge auf innovativen Gebieten der Naturwissenschaften und der Medizin leisten.

Seit dem Jahr 1967 vergibt die DuPont-Stiftung alljährlich den Young-Professor-Award. Das Unternehmen DuPont will damit den Kontakt zu den Hochschulen fördern sowie die universitäre Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses unterstützen. Die Preisträger erhalten 75.000 Dollar für ihre Forschungsarbeiten in den kommenden drei Jahren. Darüber hinaus werden sie zu Vortragreisen in die USA eingeladen.

Jürgen Seibel ist in diesem Jahr der einzige Europäer, der den Young-Professor-Award erhält – neben acht Wissenschaftlern aus den USA. Nach Gabriele Sadowski ist er der zweite Deutsche überhaupt, der diese prestigeträchtige Auszeichnung verliehen bekommt.

Werdegang von Jürgen Seibel

Jürgen Seibel, geboren 1971 in Eschwege, studierte Chemie an der Universität Göttingen. Sein Studium schloss er im April 2000 mit der Dissertation (summa cum laude) am Institut für Organische Chemie ab. Von 2000 bis 2002 forschte er an der University Oxford, dann wechselte er an die Technische Universität Braunschweig und gründete eine Forschergruppe. 2006 habilitierte Seibel in Bioorganischer Chemie.

2007 ging er ans Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, ebenfalls in Braunschweig. 2008 wurde er von der Dechema (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie) mit dem Jochen-Block-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2009 wurde er als Chemie-Professor an die Julius-Maximilians Universität Würzburg berufen. Dort forscht und lehrt er am Institut für Organische Chemie.

Zu den Hauptarbeitsgebieten von Jürgen Seibel gehören die Entwicklung chemischer und enzymatischer Synthesen, Biokatalyse, Protein Engineering, Drug Delivery und Glycosciences.

Hintergrund der Forschung

Jürgen Seibel befasst sich schwerpunktmäßig mit Zuckermolekülen: Sein Team spürt biologisch wichtige Zuckerverbindungen auf, baut sie im Labor nach und untersucht ihre Funktionen. Diese Arbeit könnte zu neuartigen Medikamenten führen, weil Zuckermoleküle bei vielen Krankheiten eine Rolle spielen – zum Beispiel bei Krebs, Malaria oder Virusinfektionen wie Vogelgrippe und HIV.

Um die Funktion dieser Zucker genau zu untersuchen, muss man sie allerdings auch künstlich im Labor herstellen können. „Und das ist die Crux an der ganzen Geschichte“, sagt Seibel. Denn diese bestehen meist aus langen, oft verzweigten Ketten aneinandergereihter Zuckermoleküle. „Diese Moleküle haben in der Regel sechs Stellen, die von der Reaktivität her fast gleich sind“, erklärt der Forscher. Möchte man zwei Zuckermoleküle an einer ganz bestimmten Stelle miteinander koppeln, muss man also die anderen Möglichkeiten zuerst blockieren. „Sie sind deshalb mehr damit beschäftigt, die anderen Stellen zu schützen, als die Zuckermoleküle zu übertragen“, sagt Seibel.

Um die mühsame Zuckersynthese effizienter und wirtschaftlicher zu machen, wollte sich Seibel die Werkzeuge zunutze machen, mit denen auch die Natur Zucker herstellt – nämlich Enzyme. „So richtig gut hat das aber nicht funktioniert“, erzählt der Forscher. Also bediente er sich der Gentechnik, um die Enzyme zu verändern und optimal an ihre Aufgabe anzupassen – mit Erfolg. „Für uns ist das so eine Art Werkzeugkasten. Wir können damit nicht nur einen Zucker machen, sondern sehr viele verschiedenartige.“

Zucker als Angriffsziel für Krebstherapie

Seibel interessiert sich besonders für Zuckerstrukturen, die bei Krankheiten eine Rolle spielen. Zum Beispiel gibt es Tumorzellen, auf deren Oberfläche ganz bestimmte Zucker sitzen. „Und man sucht ja immer nach etwas Besonderem bei Tumorzellen, damit man dagegen vorgehen kann“, sagt er. Seine Arbeitsgruppe versucht nun, diese Zucker herzustellen, um sie als Grundlage für einen Impfstoff gegen Krebs zu nutzen.

Auch der Mechanismus, mit dem Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien ihre Wirtszellen erkennen, fällt in das Feld der Zuckerchemie. „Das ist beim Vogelgrippevirus zum Beispiel ganz interessant“, erzählt der Forscher. Denn das ist für Menschen nur deshalb nicht richtig infektiös, weil es eine bestimmte Zuckerstruktur der humanen Zellen nicht erkennt. „Unser Ziel ist es, Zuckerstrukturen zu isolieren und zu imitieren, die solche Bindungen steuern“, sagt Seibel. Damit ließen sich, so die Hoffnung, die Andockmanöver von Krankheitserregern vielleicht eines Tages blockieren.

Der DuPont Young Professor Award

Der DuPont Young Professor Award wird von der DuPont-Stiftung vergeben. Die Stiftung will damit in erster Linie herausragende Forschungsleistungen ehren, wissenschaftliche Talente fördern und bedeutende naturwissenschaftliche Projekte unterstützen sowie langfristige Beziehungen zu den Preisträgern aufbauen. Im Fokus der Fördertätigkeiten stehen die Naturwissenschaften und die Lebenswissenschaften. Seit seiner Einführung vor 45 Jahren haben weltweit 557 junge Professoren aus Biologie, Chemie und Medizin aus den Vereinigten Staaten, Europa, Asien, Südamerika, Kanada und Afrika mehr als 49 Millionen Dollar als Preisgeld für ihre Forschungsarbeiten erhalten.

Kontakt

Prof. Dr. Jürgen Seibel, T: (0931) 31- 85326,
E-Mail: seibel@chemie.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Höchster deutscher Forschungspreis geht nach Freiburg
05.12.2019 | Universitätsklinikum Freiburg

nachricht Deutschlands gesündeste Arbeitgeber 2019 stehen fest
04.12.2019 | Corporate Health Initiative

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RNA-Modifikation - Umbau unter Druck

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Der Versteppung vorbeugen

06.12.2019 | Geowissenschaften

Verstopfung in Abwehrzellen löst Entzündung aus

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics