Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unsere genetischen Unterschiede als Behandlungswerkzeuge

16.10.2012
Jacques Fellay erhält den Nationalen Latsis-Preis 2012
Jacques Fellay erforscht das menschliche Erbgut auf der Suche nach genetischen Variationen, welche die Reaktionen des Körpers auf Viren und deren Bekämpfung beeinflussen. Für seine Arbeiten wird dem medizinischen Forscher der Nationale Latsis-Preis 2012 verliehen.

Jacques Fellay ist ein Brückenbauer. Ein Verfechter der translationalen Forschung, einer Disziplin, die Ergebnisse der Grundlagenforschung in die medizinische Praxis einfliessen lässt. Stets an der Grenze zwischen Labor und Klinik vertritt er die Ansicht, dass zur Entdeckung medizinisch anwendbarer Lösungen der Austausch zwischen den zwei Welten unabdingbar ist.

Diese Denkweise wendet Jacques Fellay in seiner Forschung an, die sich an der Schnittstelle zwischen Genomik und Infektionskrankheiten bewegt und für die ihm der Nationale Latsis-Preis 2012 verliehen wird. Die in unseren Genen enthaltenen Informationen können wertvolle Dienste zur Entwicklung neuer Behandlungen leisten.

Unterschiedliche Reaktionen auf Medikamente

Noch zu Beginn dieses Jahrtausends war die Behandlung von HIV-Betroffenen – Personen, die sich mit dem Virus angesteckt haben, das AIDS verursacht – oft mit schweren unerwünschten Nebenwirkungen verbunden. Jacques Fellay, damals Doktorand bei Amalio Telenti in Lausanne, entdeckte die Existenz genetischer Variationen, die die individuelle Antwort auf antiretrovirale Medikamente beeinflussen: Manche Patienten weisen höhere Blutspiegelwerte der Medikamente auf als andere, was das Toxizitätsrisiko erhöht. Die Kenntnis ihres genetischen Profils erlaubt es nun, mögliche schädliche Wirkungen besser vorherzusagen und die Therapie entsprechend anzupassen.

Später, bei einem vierjährigen Aufenthalt an der Duke University in den Vereinigten Staaten, interessierte sich Jacques Fellay für das Erbgut von Menschen, die Träger des Hepatitis-C-Virus sind. Er entdeckte, dass die genetische Beschaffenheit des Patienten einen bedeutenden Einfluss auf den Erfolg antiviraler Behandlungen hat, welche nur in 50 Prozent der Fälle wirksam sind. Heute werden diese genetischen Prädiktoren für die Medikamentenantwort beim Entscheid über die Zweckmässigkeit einer Behandlung berücksichtigt.

Virale Erkrankungen eindämmen
Parallel dazu blieb der HIV im Visier des Arztes. Er identifizierte drei Gene, die es gewissen Patientenpopulationen erlauben, eine bessere Immunkontrolle über die Krankheit auszuüben. Hier könnte es sich um einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Entwicklung eines Impfstoffes handeln.

Seit 2011, als Förderungsprofessor des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und Leiter seines eigenen Labors an der Fakultät der Lebenswissenschaften an der ETH Lausanne, sucht Jacques Fellay unentwegt weiter nach im menschlichen Genom enthaltenen Kräften, die es ermöglichen, viralen Krankheiten entgegen zu wirken. Mit seinem Team beobachtet er Mutationen, die beim HIV entstehen, wenn er durch das Immunsystem bekämpft wird und untersucht genetische Variationen infizierter Menschen, die dafür verantwortlich sein könnten.

Hoffnungsbrücken
Jacques Fellay versucht auch, die unterschiedlichen Reaktionen von Kindern auf die saisonale Grippe oder das respiratorische Synzytial-Virus zu verstehen. Warum haben gewisse Kinder nur einige Tage lang Fieber während andere auf der Intensivstation betreut werden müssen? Vom Potenzial der Genomik für die Zukunft der Medizin überzeugt, errichtet Jacques Fellay weiterhin Hoffnungsbrücken zwischen Wissenschaft und Praxis.

Der mit 100'000 Schweizer Franken dotierte Latsis-Preis ist eine der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen der Schweiz. Im Auftrag der Latsis-Stiftung verleiht der SNF diesen Preis jedes Jahr an junge, maximal 40-jährige Forschende in Anerkennung hervorragender, in der Schweiz durchgeführten wissenschaftlichen Arbeiten.

Die Preisverleihung findet am 10. Januar 2013 im Berner Rathaus statt.

Die Preise der Latsis-Stiftung
Die Latsis Foundation wurde 1975 von der griechischen Familie Latsis in Genf gegründet. Der Nationale Latsis-Preis wird vom Schweizerischen Nationalfonds im Auftrag der Stiftung verliehen. Daneben existieren die mit je 25‘000 Franken dotierten vier Universitären Latsis-Preise (die von den Universitäten Genf und St. Gallen, sowie der ETH Zürich und der ETH Lausanne verliehen werden).
Kontakt
Prof. Jacques Fellay
Institut für Infektiologie – Global Health Institute
Fakultät der Lebenswissenschaften
Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne
CH-1015 Lausanne
Tel.: +41 (0)21 693 18 49
E-Mail: jacques.fellay@epfl.ch

Abteilung Kommunikation | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch/

Weitere Berichte zu: Behandlungswerkzeuge ETH Erbgut Genomik HIV Latsis-Preis SNF Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht ESJET-Drucktechnologie für großflächige Displays ausgezeichnet
11.04.2019 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht BMBF fördert Innovationsraum NewFoodSystems
10.04.2019 | Max Rubner-Institut - Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Explosion on Jupiter-sized star 10 times more powerful than ever seen on our sun

A stellar flare 10 times more powerful than anything seen on our sun has burst from an ultracool star almost the same size as Jupiter

  • Coolest and smallest star to produce a superflare found
  • Star is a tenth of the radius of our Sun
  • Researchers led by University of Warwick could only see...

Im Focus: Neues „Baustein-Konzept“ für die additive Fertigung

Volkswagenstiftung fördert Wissenschaftler aus dem IPF Dresden bei der Erkundung eines innovativen neuen Ansatzes im 3D-Druck

Im Rahmen Ihrer Initiative „Experiment! - Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“
fördert die VolkswagenStiftung ein Projekt, das von Herrn Dr. Julian...

Im Focus: Vergangenheit trifft Zukunft

autartec®-Haus am Fuß der F60 fertiggestellt

Der Hafen des Bergheider Sees beherbergt seinen ersten Bewohner. Das schwimmende autartec®-Haus – entstanden im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung...

Im Focus: Hybrid-Neuronen-Netzwerke mit 3D-Lithografie möglich

Netzwerken aus wenigen Neuronenzellen können gezielt künstliche dreidimensionale Strukturen vorgegeben werden. Sie werden dafür elektronisch verschaltet. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Fehler in neuralen Netzwerken besser zu verstehen und technische Anwendungen mit lebenden Zellen gezielter zu steuern. Dies stellt ein Team aus Forschenden aus Greifswald und Hamburg in einer Publikation in der Fachzeitschrift „Advanced Biosystems“ vor.

Eine der zentralen Fragen der Lebenswissenschaften ist, die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Komplexe Abläufe im Gehirn ermöglichen uns, schnell Muster...

Im Focus: Was geschieht im Körper von ALS-Patienten?

Wissenschaftler der TU Dresden finden Wege, um das Absterben von Nervenzellen zu verringern und erforschen Therapieansätze zur Behandlung von ALS

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nicht selten verläuft ALS nach der Diagnose innerhalb...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Irdischer Schutz für außerirdisches Metall

18.04.2019 | Verfahrenstechnologie

Erster astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions

18.04.2019 | Physik Astronomie

Radioteleskop LOFAR blickt tief in den Blitz

18.04.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics