Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was unser Gehirn so flexibel macht - Bernstein Preis 2012 für Tim Vogels

12.09.2012
Am 12. September vergab das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den diesjährigen Bernstein Preis für Computational Neuroscience.

Mit bis zu 1,25 Millionen Euro ist er einer der bestdotierten Nachwuchspreise weltweit. Der Preis ermöglicht hervorragenden Nachwuchsforschern den Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe an einer deutschen Forschungseinrichtung.

Der diesjährige Preisträger Tim Vogels wird seine Arbeitsgruppe an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Bernstein Zentrum Berlin etablieren. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Jahrestagung des Bernstein Netzwerks Computational Neuroscience in München statt.

Wie ist es möglich, dass wir uns bei der kontinuierlichen Reizüberflutung, der wir oft ausgesetzt sind, ganz flexibel den jeweils relevanten Informationen zuwenden und alles andere ausblenden können? Man stelle sich nur ein großes Orchester mit fast hundert Musikern vor. Inmitten eines Stückes können wir dabei ganz gezielt unsere Aufmerksamkeit auf die Tuba zu lenken, ohne uns vom virtuosen Solo des ersten Geigers ablenken zu lassen. Einen Augenblick später schon lauschen wir dann der Oboe.

Diese Flexibilität, und die Mechanismen, die ihr im Gehirn zugrunde liegen, sind der Gegenstand von Tim Vogels’ Forschung. Sein Handwerkszeug sind theoretische Modelle. Mit ihrer Hilfe kann er im Computer neuronale Netzwerke simulieren und als virtuelle „Versuchskaninchen“ verwenden, um neue Hypothesen auszuformulieren, die dann auch testbare Vorhersagen für neurobiologische Experimente liefern. Ihn interessieren dabei sowohl langsame Veränderungen, wie sie typischerweise mit Lernprozessen einhergehen, als auch ganz kurzfristigen Änderungen, die uns beispielsweise einen schnellen Wechsel unseres Aufmerksamkeits-Fokus erlauben.

Vogels’ bisherige Forschungsarbeiten haben bereits die Grundlagen zur Untersuchung dieser Fragen gelegt: Dank Vogels’ und anderen Modellen weiß man heute, dass die neuronalen Netze im Gehirn vor allem durch eine genau abgestimmte Mischung von Reizung und Hemmung in einer sensiblen Balance gehalten werden. Vogels glaubt, dass darin der Schlüssel zu den flexiblen Umschaltmechanismen des Gehirns liegt. „Ich stelle mir vor, dass Reiz und Hemmung miteinander wie Gast und Türsteher interagieren“, so Vogels. „Die Qualitäten von beiden entscheiden, welcher Gast, also welcher Umweltreiz, durchgelassen wird und welcher nicht. Aber auch andere Details können eine Rolle spielen, im übertragenen Sinne etwa, ob das Etablissement schon voll ist, oder mit wie vielen Freunden der Gast da ist.“

Diese und andere Fragen wird Vogels nun in Berlin in Kooperation mit den dortigen Wissenschaftlern des Bernstein Zentrums und der Humboldt-Universität, insbesondere Michael Brecht, Henning Sprekeler, Richard Kempter und Susanne Schreiber, weiter verfolgen.

Tim Vogels hat zunächst an der TU Berlin Physik studiert. Nach dem Vordiplom bot ihm ein Fulbright-Stipendium die Chance, sein Studium an der Brandeis-Universität in Boston, USA, fortzuführen. Dort promovierte er 2007 im Labor von Larry Abbott, einem Pionier der Computational Neuroscience und Autor eines der meistgelesenen Lehrbücher zu diesem Thema. Nach einem Postdoc-Aufenthalt an der Columbia University bei Rafael Yuste ist er seit 2010 als Marie Curie Reintegration Fellow im Labor von Wulfram Gerstner an der Ecole Polytechnique Federale de Lausanne (EPFL), Schweiz, tätig.

Der Bernstein Preis ist Teil des vom BMBF im Jahre 2004 ins Leben gerufenen Nationalen Bernstein Netzwerks Computational Neuroscience. Ziel der Förderinitiative war es, die neue Forschungsdisziplin in Deutschland nachhaltig zu etablieren. Inzwischen hat sich das Netzwerk mit Hilfe der BMB-Förderung zu einem der größten Forschungsnetze im Bereich der Computational Neuroscience weltweit entwickelt. Namensgeber des Netzwerks ist der deutsche Physiologe Julius Bernstein (1835-1917).
Kontakt:

Tim Vogels
Laboratoire de Calcul Neuromimétique
École Polytechnique Fédérale, Station 15
1015 Lausanne
Schweiz
Tel: +41 21 693 5265
Email: tim.vogels@epfl.ch

Dr. Simone Cardoso de Oliveira | idw
Weitere Informationen:
http://www.epfl.ch
http://www.bccn-berlin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics