Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Franklin Medaille für Gerhard Sessler - Erfinder des Elektret-Mikrofons erhält hohe Auszeichnung

15.04.2010
Für seine Entwicklungen und Patente, darunter das bahnbrechende Elektret-Mikrofon, wird Professor Dr. Gerhard M. Sessler mit der Benjamin Franklin Medaille für Elektrotechnik ausgezeichnet.

Gerhard M. Sessler, emeritierter Professor am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Technischen Universität Darmstadt, erhält die Auszeichnung am Donnerstag, den 29. April 2010, vom Franklin Institute in Philadelphia. Zeitgleich wird auch Dr. James E. West, der Mit-Erfinder des Elektret-Mikrofons, mit der Benjamin Franklin Medaille 2010 im Bereich Elektrotechnik ausgezeichnet.

Gerhard Sessler, 1931 in Rosenfeld (Württemberg) geboren, studierte Physik in Freiburg, München und Göttingen. Dort erwarb er 1957 sein Diplom und promovierte 1959. Nach seiner Promotion wechselte er zu den Bell Laboratories in den USA, wo er von 1959 bis 1975 forschte. Dort entwickelte er gemeinsam mit Dr. James E. West im Jahre 1962 das Elektret-Mikrofon. Es ist heute mit 80 bis 90 Prozent aller weltweit hergestellten Mikrofone weit verbreitet. Elektret-Mikrofone sind leistungsstark, klein und billig. Sie werden deshalb in großer Stückzahl (über zwei Milliarden pro Jahr) hergestellt und finden Anwendung in Hörgeräten, Telefonen, Videokameras sowie Rundfunk- und Fernseh-Mikrofonen.

Elektret-Mikrofone sind Kondensator-Mikrofone. Sie bestehen aus einer dünnen, metallisierten Membran, welche vor einer festen Gegenelektrode angebracht ist. Beim konventionellen Kondensator-Mikrofon wird der aus Membran und Gegenelektrode bestehende Kondensator mit einer Gleichspannung polarisiert. Dadurch entsteht bei Bewegung der Membran durch eine Schallwelle eine Ausgangsspannung, die proportional zum Schalldruck ist. Das Mikrofon verwandelt also Schall in ein elektrisches Signal. Beim Elektret-Mikrofon wird die Gleichspannung durch eine permanente Aufladung der Membran oder einer auf der Gegenelektrode sitzenden Kunststoffschicht ersetzt. Als Elektret-Schichten eignen sich besonders Fluorocarbon-Polymere, welche die eingebrachten elektrischen Ladungen über Jahrzehnte speichern und damit dem Elektret-Mikrofon eine große Lebensdauer verleihen.

1975 wurde Gerhard Sessler an die - damals noch - Technische Hochschule Darmstadt auf die Professur Elektroakustik berufen. Sessler und seine Mitarbeiter entwickelten in den 1980er Jahren das erste Silizium-Kondensator-Mikrofon, eine höchst innovative Technologie, die die Produktion von tausenden von Kleinst-Mikrofonen auf einer einzigen Silizium-Scheibe ermöglicht. Silizium-Mikrofone werden heute ca. 400 Millionen Mal pro Jahr verkauft und vor allem in Mobiltelefonen eingesetzt.

Prof. Sessler ist Träger zahlreicher Auszeichnungen wie die George R. Stibitz Trophy 1993, die Helmholtz-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Akustik 1993, die silberne Helmholtz-Rayleigh-Medaille der Acoustical Society of America 1997, den Technologiepreis der Eduard-Rhein-Stiftung 2007 und den VDE-Ehrenring des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik 2008. 1999 wurde Sessler in die National Inventors Hall of Fame der USA aufgenommen. Sessler ist außerdem Ehrendoktor der Weißrussischen Akademie der Wissenschaften, Korrespondierendes Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und außerordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech).

Das 1824 gegründete Franklin Institut ist nach Benjamin Franklin, einem der Gründerväter der USA benannt und widmet sich der Wissenschaftsvermittlung. Bereits seit 1833 vergibt das Institut Preise an herausragenden Forscherpersönlichkeiten. Zu den vom Franklin Institute ausgezeichneten Persönlichkeiten gehören Bell, Pierre und Marie Curie, Diesel, Edison, Bohr, Planck, Einstein und Hawking. Seit 1998 werden die Benjamin Franklin Medaillen verliehen. Jedes Jahr werden Preisträger aus verschiedenen Disziplinen, wie Chemie, Computerwissenschaften, Geowissenschaften, Lebenswissenschaften und Physik ausgewählt. 2010 findet die Verleihung dieser hochrangigen Auszeichnungen am 29. April vor über 800 ausgewählten Gästen im Benjamin Franklin National Memorial in Philadelphia, USA, statt.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Gerhard M. Sessler, E-Mail: sessler@nt.tu-darmstadt.de, Telefon: 06151 16-2869

MI-Nr. az 13/2010, map

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht 1,6 Millionen Euro für den Aufbau einer Forschungsgruppe zu Quantentechnologien
20.08.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht EU-Millionenförderung für Deep-Learning-Projekt in Leipzig
15.08.2018 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Quantenverschränkung erstmals mit Licht von Quasaren bestätigt

20.08.2018 | Physik Astronomie

1,6 Millionen Euro für den Aufbau einer Forschungsgruppe zu Quantentechnologien

20.08.2018 | Förderungen Preise

IHP-Technologie darf in den Weltraum fliegen

20.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics