Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Exzellente Nachwuchs-Biowissenschaftler mit BIOTECHNICA Studienpreis 2011 ausgezeichnet

12.10.2011
Matthias Zehner vom LIMES-Institut der Universität Bonn erhielt am 12. Oktober den diesjährigen BIOTECHNICA Studienpreis.

Er untersuchte die molekularen Mechanismen der Mannoserezeptor-vermittelten Kreuzpräsentation, die eine wesentliche Rolle in der Immunreaktion gegen Viren oder Tumoren spielt. Weitere Auszeichnungen gingen an Sebastian Gruber von der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an Lena Veit von der Tübingen Graduate School of Neural and Behavioural Sciences.

Der BIOTECHNICA Studienpreis wird vom Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO e. V.) ausgeschrieben. Ziel ist, Nachwuchswissenschaftler im Bereich der Biowissenschaften frühzeitig zu fördern, innovative Potentiale hervorzuheben und die Vielfalt der modernen Biowissenschaften aufzuzeigen. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 5.000 Euro dotiert und wird von Roche, einem weltweit führenden Biotechnologieunternehmen, unterstützt.

Die ausgewählten Arbeiten zeichnen sich durch besonders Exzellenz, ein breites Methodenspektrum und einen hohen Grad von Interdisziplinarität aus. Alle eingereichten Arbeiten waren von ausgesprochen hoher Qualität, was der Jury die Auswahl nicht gerade einfach gemacht hat“, so Prof. Diethard Tautz, Präsident des VBIO. „Andererseits belegt gerade die Leistungsdichte, welches enorme Potential an Wissen, Können und Engagement die biowissenschaftlichen Nachwuchskräfte haben“, so Tautz weiter.

Dr. Ralf Mauritz, Director R&D Roche Applied Science, zeigte sich ebenfalls beeindruckt. „Exzellenter wissenschaftlicher Nachwuchs ist die Basis für neue zukunftsweisende Entdeckungen in Medizin und Biotechnologie“, so Mauritz am Rande der Preisverleihung. „Zentrales Anliegen von Roche ist es, talentierte wissenschaftliche Nachwuchskräfte zu unterstützen und ihnen zusätzliche Möglichkeiten der Qualifikation zu erschließen“, ergänzte er.

Informationen zu den ausgezeichneten Arbeiten

1. Preis (2.500 Euro)
Dipl. Mol. Biomedizin Matthias Zehner,
LIMES-Institut Bonn, Cellular Immunology und University of York, Centre for Immunology and Infection

„Analyse von molekularen Mechanismen der Mannoserezeptor-vermittelten Kreuzpräsentation mittels endosomaler Durchflusszytometrie“

Die Diplomarbeit von Matthias Zehner widmet sich den molekularen Mechanismen der Kreuzpräsentation von Antigenen, und damit einem Vorgang, der eine essentielle Rolle bei der Entstehung einer adaptiven Immunreaktion gegen Viren oder Tumore spielt. Um eine Immunreaktion zu induzieren, werden extrazelluläre Antigene von dendritischen Zellen aufgenommen, aus den Endosomen in das Zytoplasma transportiert, proteasomal abgebaut und anschließend auf MHC I- bzw. II.-Komplexen präsentiert (Kreuzpräsentation).

Auf welcher der MHC-Komplexe die extrazellulären Antigene dabei präsentiert werden, wird vom Mechanismus der Endozytose bestimmt. Beispielsweise werden Antigene, die vom Mannoserezeptor (MR) aufgenommen werden, in eine separate Endosomenpopulation geschleust, von wo sie ausschließlich für die Kreuzpräsentation weiterverarbeitet werden. Die molekularen Mechanismen der über den Mannoserezeptor vermittelten Kreuzpräsentation – insbesondere der bisher ungeklärte Vorgang des Antigen-Exports aus dem endosomalen Kompartiment in das Zytosol - standen im Mittelpunkt der in der Arbeitsgruppe von Prof. Burgdorf am LIMES Institut der Universität Bonn angefertigten Diplomarbeit.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die AAA+ ATPase p97, die die Energie für den Transport von Antigenen durch die Membran des Endosoms in das Zytosol der Zelle bereit stellt.

Um die Rekrutierung der p97 ATPase an die endosomale Membran untersuchen zu können, hat Matthias Zehner eine neue Methode - die endosomale Durchflusszytometrie - etabliert, die eine neuartige Möglichkeit zur genauen Betrachtung von einzelnen Gruppen von Endosomen darstellt. Bei dieser Methode werden Endosomen von der Zellumgebung losgelöst, mit Fluorochrom-gekoppelten Antikörpern gefärbt und anschließend mittels Durchflusszytometrie analysiert.

Matthias Zehner hat damit eine Technik etabliert, die es ermöglicht, künftig die wesentlichen offenen Fragen der Kreuzpräsentation zu untersuchen.

2. Preis (1.500 Euro)
Dipl.-Biol. Sebastian Gruber
LMU München Dep Biologie II, Anthropologie und Humangenetik
„Anthropologie der hochmittelalterlichen Bevölkerung der Burggrafschaft von Dohna (Sachsen)“
Dipl.-Biol. Sebastian Gruber untersuchte in seiner Diplomarbeit das Leben von 19 Personen aus dem Hochmittelalter mit Methoden der historischen Anthropologie. Diese ist als interdisziplinäre Wissenschaft in der Biologie angesiedelt und leistet durch die Analyse sterblicher Überreste des Menschen mit modernsten Labormethoden einen Beitrag zum historischen Wissen.
Gruber untersuchte die Skelette sorgfältig und analysierte Teile ihres Erbgutes. Neben Röntgenbildern wurde auch die Mikrostruktur des Knochens ausgewertet und dessen Atomzusammensetzung massenspektroskopisch bestimmt.

“Man ist, was man isst“ – so lautet ein Ergebnis der Untersuchungen. Sebastian Gruber konnte zeigen, dass die atomare Zusammensetzung des Knochens und der Zähne Rückschlüsse auf die Ernährungsgewohnheiten und Herkunft ermöglichen. Durch eine geschickte Verknüpfung der verwendeten Methoden konnte Sebastian Gruber in seiner Diplomarbeit individuelle Lebenslaufparameter wie Alter, Geschlecht, Größe, Krankheiten, Herkunft, Migration, Ernährung, Verwandtschaft und ethnische Abstammung der hochmittelalterlichen Menschen aus Dohna klären und überzeugend interpretieren. Eine Verwandtschaft der Individuen untereinander konnte zwar nicht bestätigt werden, dafür aber, dass zwei Frauen, die in einem Kopfnischengrab bestattet wurden, möglicherweise aus einer anderen Region stammten. Eine Erklärung für die häufig auftretenden Beinerkrankungen könnte die Lage Dohnas an einer wichtigen Handels-, Pilger- und Heeresstraße am Rande des Osterzgebirges sein. Neben vielen weiteren Erkenntnissen konnte Sebastian Gruber noch zeigen, dass die untersuchten Individuen gut ernährt waren, häufig Fleisch oder tierische Produkte aßen und ihr Trinkwasser vermutlich aus einem Brunnen bezogen.

3. Preis (1.000 Euro)
M.Sc. Neuro- und Verhaltenswissenschaften Lena Veit
Universität Tübingen, Graduate School of Neural and Behavioural Sciences/International Max Planck Research School

"Respiratory Patterning and Forebrain Involvement in Early Song Development"

Zebrafinken sind eines der wichtigsten Tiermodelle für die Untersuchung der neuronalen Grundlagen erlernter Vokalisationen. Der Gesang erwachsener Zebrafinken ist extrem stereotyp und zeitlich präzise, während die Jungvögel in einer Phase des Ausprobierens den Gesang erst üben (Subsong).
Bei erwachsenen Zebrafinken wird jede Silbe des Gesangs während eines eigenen Ausatem-Pulses produziert, und jede Lücke wird für einen schnellen Atemzug genutzt.
Bei jungen Zebrafinken treten besonders lange Ausatem-Pulse auf, die mehrere Silben und auch Perioden ohne Vokalisation enthalten. Die Koordination von Vokalisation und Atmung ist demnach nur sehr unvollständig.
In ihrer Masterarbeit hat Lena Veit untersucht, wie Zebrafinken im Laufe ihrer Individualentwicklung lernen, die Gesangsproduktion mit der Respiration zu koordinieren.
Ihre Ergebnisse zeigen, dass Atem- und vokale Ereignisse beim Gesang erwachsener Zebrafinken so eng miteinander verknüpft sind, dass aus dem Muster von Silben und Lücken im Gesang verlässlich auf zeitliche Eigenschaften der zugrunde liegenden Ein- und Ausatem-Pulse geschlossen werden kann. Im Subsong junger Tiere beschreiben die akustischen Übergänge hingegen nur einen Teil des Verhaltens: Die respiratorischen Ereignisse bleiben weitgehend unsichtbar, so lange lediglich akustische Aufnahmen gemacht werden.

Zusätzlich untersuchte Lena Veit die Rolle des prämotorischen Gesangskerns HVC für die Entwicklung des Atemmusters. Diese Hirnstruktur ist wesentlich für die Kontrolle des erwachsenen Gesangs. Nach Läsionen dieses Gesangszentrums produzieren ausgewachsene Vögel Laute, die denen junger Vögel ähneln und von einem Lernnetzwerk im Gehirn gesteuert werden. Auch auf der Ebene des Atemmusters fand Lena Veit, dass diese Manipulation zu einer scheinbaren Rückentwicklung führt, also zu den langen Atempulsen und der fehlenden Koordination, die für den Gesang junger Vögel charakteristisch erscheinen.

Weitere Informationen zum BIOTECHNICA-Studienpreis 2010 erhalten Sie bei Dr. Kerstin Elbing (Ressort Kommunikation), Geschäftsstelle Berlin des VBIO, Tel. 030-287891918, elbing@vbio.de, http://www.vbio.de

Dr. Kerstin Elbing | idw
Weitere Informationen:
http://www.vbio.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Weltweit einzigartige Femtosekundenlaseranlage eingeweiht
21.06.2018 | Hochschule RheinMain

nachricht Stahl-Innovationspreis 2018: Mikro-Dampfturbine ausgezeichnet
21.06.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics