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Ernst Schering Preis 2013 geht an Aids-Forscher Prof. Dr. Frank Kirchhoff

20.11.2012
Die Schering Stiftung in Berlin verleiht den Ernst Schering Preis 2013 an den Virologen Prof. Dr. Frank Kirchhoff, Direktor des Instituts für Molekulare Virologie am Universitätsklinikum Ulm.

Kirchhoff erhält den mit 50.000 Euro dotierten Preis für seine wegweisenden Forschungen zur Entstehung der Immunschwächekrankheit AIDS und insbesondere für seine bahnbrechenden Erkenntnisse zur Evolution des HI-Virus. Seine Untersuchungen zum lentiviralen Nef-Protein, einem zentralen Zellmanipulator des HI-Virus, haben zur Aufklärung der Pathogenese von HIV/AIDS beigetragen. Aktuelle Erkenntnisse zu natürlichen Verstärkern der HIV-Infektion eröffnen neue Ansätze zur Prävention.

Die Preisverleihung findet am 23. September 2013 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin statt.

Frank Kirchhoffs Forschungsinteresse gilt der Frage, wie Primatenlentiviren wie das HI-Virus das Immunsystem manipulieren, Artengrenzen überschreiten und AIDS verursachen. Er konzentriert seine Forschung zum einen auf die Frage, wie HI-Viren die antivirale Immunantwort ausschalten oder unterlaufen können. Er konnte zeigen, dass das von ihm erforschte virale Nef-Protein (negative factor) menschliche Immunzellen auf vielfältige Weise manipuliert und dadurch zur effektiven Ausbreitung und hohen Virulenz von HIV im Menschen beiträgt.

Weiterhin untersucht er, welche natürlichen Faktoren im menschlichen Körper eine Rolle bei der Viruspathogenese und -übertragung spielen und für neuartige therapeutische oder präventive Ansätze optimiert werden können.

Prof. Dr. Reinhard Kurth, Vorsitzender des Stiftungsrats der Schering Stiftung, gratuliert Frank Kirchhoff zur Ehrung und begründet die Wahl der Schering Stiftung: „Frank Kirchhoff ist einer der überragenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der molekularen Virologie. Mit seiner Forschung hat er einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Übertragungen des HI-Virus geleistet und neue Möglichkeiten der Therapie und Prävention aufgezeigt.“

Frank Kirchhoff studierte Biologie an der Universität Göttingen und promovierte von 1988 bis 1991 am Deutschen Primatenzentrum über einen neuen HIV-2-Stamm. Im Anschluss wechselte er als Postdoc (1991-1994) ans New England Primate Research Center der Medizinischen Fakultät der Universität Harvard in Southborough, MA (USA), wo er sich schwerpunktmäßig mit AIDS-Lebendimpfstoffen und der Funktion des lentiviralen Nef-Proteins beschäftigte. 1994 gründete er am Institut für Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg seine eigene Forschungsgruppe. 2001 erhielt er den Ruf als Professor für Virologie an die Universität Ulm, wo er 2009 Direktor des neu gegründeten Instituts für Molekulare Virologie wurde. Kirchhoff erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbeiten, darunter den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Jahr 2009. Er ist u. a. Mitglied der Nationalen Akademie der Naturforscher Leopoldina und des Nationalen AIDS-Beirats.

Die unabhängige und gemeinnützige Schering Stiftung wurde 2002 durch die Schering AG, Berlin, gegründet und dient der Förderung von Wissenschaft und Kultur mit einem besonderen Fokus auf Naturwissenschaften und zeitgenössische Kunst. Darüber hinaus fördert die Stiftung die wissenschaftliche und kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen sowie den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Einen wichtigen Schwerpunkt bildet die Förderung von Projekten in Grenzbereichen, insbesondere an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft.

Der mit 50.000 Euro dotierte Ernst Schering Preis ist einer der renommiertesten deutschen Wissenschaftspreise. Er wurde 1991 von der Schering Forschungsgesellschaft ins Leben gerufen und wird jährlich vergeben. Seit 2003 wird der Preis von der Schering Stiftung verliehen. Ausgezeichnet werden herausragende Leistungen auf internationaler Ebene im Bereich der medizinischen, biologischen und chemischen Grundlagenforschung.

Andrea Bölling | idw
Weitere Informationen:
http://www.scheringstiftung.de/de/presse.html

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