Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ERC Advanced Grants: Drei Auszeichnungen für die geisteswissenschaftliche Forschung

09.09.2013
Gleich drei geisteswissenschaftliche Forschungsprojekte der Universität Hamburg hat der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) neu in seine Förderlinie „ERC Advanced Grant“ aufgenommen.

Alle bewilligten Forschungsvorhaben wurden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Asien-Afrika-Instituts eingereicht. Über fünf Jahre bekommen die ausgezeichneten Forscherinnen und Forscher insgesamt knapp 7,5 Millionen Euro. Damit gingen in den vergangenen Jahren insgesamt 18 Grants des Europäischen Forschungsrates an Mitglieder der Universität Hamburg – sechs davon an das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind Prof. Dr. Alessandro Bausi (Äthiopistik), Prof. Dr. Stefan Heidemann (Islamwissenschaft) und PD Dr. Eva Wilden (Tamilistik).

Universitätspräsident Professor Dr. Dieter Lenzen sagte zu den Erfolgen: „Ich gratuliere Frau Dr. Wilden, Herrn Prof. Dr. Bausi und Herrn Prof. Dr. Heidemann ganz herzlich zu dieser besonderen Ehrung. Die ERC-Grants würdigen ihre herausragende Arbeit in ihren jeweiligen Forschungsgebieten. Für die Universität Hamburg, die Fakultät für Geisteswissenschaften und insbesondere die Asien-Afrika-Wissenschaften bedeutet die dreifache Bewilligung eine außergewöhnliche Wertschätzung der durchgeführten Forschung sowie der vorhandenen Rahmenbedingungen für wissenschaftliches Arbeiten. Dieser Bereich ist dem Präsidium der Universität ein großes Anliegen und zeichnet unsere Hochschule deutschlandweit aus.“

Der 2007 eingerichtete European Research Council setzt sich für eine Förderung der grundlagenorientierten Forschung ein. Der „ERC Advanced Grant“ ist eine personenbezogene Förderung, die sich an bereits etablierte Forscherinnen und Forscher wendet und ihre bisherige wissenschaftliche Leistung anerkennt, indem sie ihre innovativen Forschungsprojekte großzügig unterstützt. Pro Projekt werden bis zu 2,5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Unter bestimmten Umständen, etwa bei der Anschaffung von Großgeräten, können es bis zu 3,5 Mio. Euro sein.

Die Preisträgerinnen und Preisträger:

Prof. Dr. Alessandro Bausi erhält den ERC Advanced Grant für das Projekt „TraCES – From Translation to Creation: Changes in Ethiopic Style and Lexicon from Late Antiquity to the Middle Ages”. Bausi ist seit 2009 Professor für Äthiopistik an der Universität Hamburg und Leiter des Hiob-Ludolf-Zentrums für Äthiopistik. Er ist zudem an einem Projekt im Sonderforschungsbereich 950 „Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa“ beteiligt und Chair des durch die European Science Foundation geförderten Netzwerk-Projekts „COMSt – Comparative Oriental Manuscript Studies“. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der äthiopischen Philologie und Literatur sowie der Manuskriptforschung. In dem vom ERC mit rund 2,5 Millionen Euro geförderten Projekt wird es darum gehen, die schriftliche Überlieferung der klassischen Sprache Ge‘ez zu untersuchen, die bis ins 19. Jahrhundert die Hauptschriftsprache in Äthiopien und Eritrea war. Im Fokus der Forschung von Professor Bausi und seinem Team stehen die Geschichte und die Entwicklung der Sprache und Literatur einer afrikanischen schriftlichen Kultur des christlichen Orients von der Spätantike bis ins Mittelalter. Analysiert werden Stil, Phraseologie und Wortschatz (Lexicon). Das Projekt wird für fünf Jahre gefördert und startet im kommenden Jahr.

Prof. Dr. Stefan Heidemann hat den Grant für das Forschungsvorhaben „The Early Islamic Empire at Work – The View from the Regions Toward the Centre“ bewilligt bekommen. Der Professor für Islamwissenschaft lehrt seit 2011 an der Universität Hamburg und beschäftigt sich in seinen Forschungen mit Perioden wirtschaftlicher und kultureller Veränderung im Vorderen Orient von der islamischen Spätantike bis zur frühen Neuzeit. In seinem über fünf Jahre mit knapp 2,5 Millionen Euro geförderten Projekt, das 2014 beginnen wird, geht es Heidemann und seinem Team um die Untersuchung der politischen und wirtschaftlichen Prozesse im Islamischen Reich (660-940 n. Chr.), das sich damals vom Atlantik bis zum Hindukusch erstreckte. Es ist der erste systematische Versuch, anhand von fünf Schlüsselregionen – Khurasan (Nordost-Iran), Fars (Südwest-Iran), Jazira (Nord-Mesopotamien), Bilad al-Sham (Syrien) und Ifriqiya (Nordafrika) – das Funktionieren des gesamten Reichs zu untersuchen. Bisher waren stets die zentrale Regierung, das sogenannte Kalifat, und dessen Herrschaft über die Provinzen Ausgangspunkt der Forschung. Nun stehen die Regionen selbst im Mittelpunkt sowie ihr Beitrag zum Islamischen Gesamtreich. Die Hypothese ist, dass das Kalifat eher die Rolle eines ausgleichenden Moderators regionaler Interessen hatte und so seine Macht behaupten konnte.

PD Dr. Eva Wilden (École Française d’Extrême-Orient, EFEO) wird mit dem dritten ERC-Grant ausgezeichnet. Für das über fünf Jahre bewilligte Projekt „NETamil: Going from Hand to Hand – Networks of Intellectual Exchange in the Tamil Learned Traditions“ wird sie eine halbe Stelle an der Universität Hamburg bekommen, wo sie bereits mit einem Projekt im Sonderforschungsbereich Manuskriptforschung beteiligt ist. Ein Teil des ERC-Projekts wird zudem im Zentrum der EFEO in Pondicherry (Südindien) stattfinden. Von den 2,5 Millionen Euro gehen daher 1,5 Millionen an die Universität Hamburg und eine Million nach Pondicherry. Wilden erforscht die in Südindien und auf Sri Lanka verbreitete Sprache Tamil – im Besonderen die Ideengeschichte der Literatur des klassischen Tamil. Im Mittelpunkt des Projekts, das voraussichtlich im März 2014 beginnen wird, stehen die Digitalisierung und Aufarbeitung der verbliebenen, akut gefährdeten Manuskripte der tamilischen literarischen und gelehrten Traditionen des ersten Jahrtausends. Neben der Bewahrung, Katalogisierung und kritischen Einordnung in den historischen Kontext (Edition) sollen Überlieferungsgeschichte und Strategien der Wissensvermittlung rekonstruiert werden.

Für Rückfragen:
Prof. Dr. Alessandro Bausi
Äthiopistik
Asien-Afrika-Institut
Tel.: 040.42838-4870/9074
E-Mai: alessandro.bausi@uni-hamburg.de
Prof. Dr. Stefan Heidemann
Islamwissenschaft
Asien-Afrika-Institut
Tel. (mobil): 001.347 537 2535
E-Mail: stefan.heidemann@uni-hamburg.de
PD Dr. Eva Wilden
Sonderforschungsbereich Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa
Asien-Afrika-Institut
Tel.: 040.42838-6963
E-Mail: wilden.eva@gmail.com

Birgit Kruse | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hamburg.de/presse/pressemitteilungen/2013/pm51.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics