Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einem neuen, effektiven Fertigungsverfahren auf der Spur

23.01.2017

Forscher der FAU werden mit 4,7 Millionen Euro gefördert

Freude an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat den Sonderforschungsbereich SFB/Transregio 73 verlängert – damit werden die Wissenschaftler in den kommenden vier Jahren mit rund 4,7 Millionen Euro gefördert. Ihr Ziel in der neuen Phase ist es, die Produktionsverfahren der Blechmassivumformung für die Anwendung in der Industrie weiter zu entwickeln.

Im SFB/Transregio 73 „Umformtechnische Herstellung von komplexen Funktionsbauteilen mit Nebenformelementen aus Feinblechen – Blechmassivumformung" haben die Forscher die Verfahren der Blech- und der Massivumformung zu einer neuen effektiven Herstellungsmethode zusammengeführt. Bei der Blechumformung entsteht ein Bauteil aus einem ebenen vorgefertigten Blechstück, bei der Massivumformung ist das Ausgangsmaterial dreidimensional. Fast alle produzierenden Industriebranchen wenden diese Techniken an, zum Beispiel formen Unternehmen damit Autotüren oder Flugzeugflügel.

Zwei Verfahrensarten wirken jetzt effektiv zusammen

Beim neuen kombinierten Verfahren der Blechmassivumformung setzen die SFB-Forscher aus verschiedenen Ingenieursdisziplinen auf innovative Ideen. Sie erarbeiten Lösungswege unter anderem aus Sicht der Fertigungs- sowie der Messtechnik, der Mechanik, der Zerspanungstechnik oder der Werkstoffwissenschaften. Denn die Ingenieure müssen verschiedene Abläufe in den Griff bekommen: Wenn sie für ein Bauteil einen Körper aus millimeterdünnem Blech formen, entstehen verdickte und ausgedünnte Bereiche. Dabei ist eine Herausforderung, dass keine Risse oder Löcher entstehen dürfen. Eine Verbesserung – und ganz neu – ist vor allem, dass sie die Bauteile aus Halbzeugen herstellen, die sie selbst vorgefertigt und dabei die Blechdicke stellenweise angepasst haben.

Unter Laborbedingungen funktioniert die neue Methode bereits gut, doch bis auch in der industriellen Produktion alles reibungslos läuft, müssen die Wissenschaftler noch einige Probleme lösen. Sie wollen unter anderem noch Schwankungen im Ablauf des Prozesses untersuchen, die sie im Labor feststellten. So können Temperaturänderungen, Werkzeugverschleiß oder die Art des Schmierstoffs das Produktionsergebnis beeinflussen. Wenn zum Beispiel Blech auf einem Werkzeug aufliegt, hat es nur punktuell Kontakt, der wiederum von Druck und Abmessungen abhängig ist. Die Forscher untersuchen nun, wie sie diesen Kontakt mit einem Schmierstoff oder einer Beschichtung zwischen Blech und Werkzeug oder einer Kombination aus beidem verbessern, aber auch den Werkzeugverschleiß verringern können.

Eine weitere Herausforderung ist es, eine Fertigung in großer Stückzahl zu bewältigen, was in der Grundlagenforschung nicht möglich ist. Dafür brauchen die Wissenschaftler geeignete Industriepartner. In der neuen SFB-Phase arbeiten Ingenieure aus Universität und Industrie hierbei zusammen. So können sie bei der Weiterentwicklung der Blechmassivumformung die industriellen Bedingungen berücksichtigen und erforschen.

Reges Interesse aus der Industrie

Der gesamte SFB hat das Ziel, Bauteile aus Blech so herzustellen, dass sie für noch vielfältigere Zwecke und komplexere Anwendungen einsetzbar sind. In der ersten Phase konnten die Forscher nachweisen, dass das neue Verfahren grundsätzlich machbar ist. In der zweiten Phase übertrugen sie die Methode auf Halbzeuge und zeigten damit, dass sie in der Praxis anwendbar ist. In der dritten Phase wollen die Wissenschaftler die Blechmassivumformung für die Anwendung in der industriellen Fertigung fit machen. Sie eignet sich besonders zur Herstellung von Getriebebauteilen, Sitzverstellvorrichtungen oder Schließelementen für Fahrzeuge. Interessenten aus der Industrie gibt es bereits.

Es geht den Forschern aber auch darum, neue flexiblere Fertigungsprozesse zu entwickeln, mit denen Unternehmen wesentlich wirtschaftlicher produzieren können. „Wir haben es geschafft, die Blech- mit der Massivumformung zusammenzuführen und ein Produktionsverfahren mit viel größerer Anwendungsvielfalt zu entwickeln“, erklärt Prof. Dr. Marion Merklein, die den Lehrstuhl für Fertigungstechnologie leitet und zugleich Sprecherin des SFB ist. Daneben sind an der FAU die Lehrstühle für Technische Mechanik, für Konstruktionstechnik sowie für Fertigungsmesstechnik beteiligt. Etwa die Hälfte der SFB-Forscher arbeitet an der FAU.

Kooperationspartner der FAU sind die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover und die Technische Universität Dortmund. Insgesamt 10,5 Millionen Euro fließen bis 2021 an die drei Einrichtungen, davon rund 4,7 Millionen Euro an die FAU. Eingerichtet wurde der standortübergreifende SFB/Transregio 73 im Jahr 2009.

Ansprechpartnerin für Medien:
Prof. Dr. Marion Merklein
Tel.: 09131/85-27140
marion.merklein@fau.de

Dr. Susanne Langer | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fau.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht EU-Millionenförderung für Deep-Learning-Projekt in Leipzig
15.08.2018 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

nachricht Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb
14.08.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics