Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drei begehrte ERC Consolidator Grants gehen an die Universität Zürich

28.01.2014
Drei Forscherinnen und Forscher der Universität Zürich werden mit je einem ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrates ausgezeichnet.

Mit der 2012 eingeführten Preiskategorie sollen vielversprechende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Möglichkeit erhalten, exzellente Forschungsteams aufzubauen und zu etablieren. Drei Projekte der Universität Zürich aus der Sprachwissenschaft, der Krebsforschung und der Slavistik werden mit je bis zu 2,5 Millionen Franken unterstützt.

Mit einem starken Team in Europa innovative und unabhängige Forschung betreiben: Dieser Ansporn liegt der neuen Förderlinie des Europäischen Forschungsrates zu Grunde. Neben den ERC Starting Grants und ERC Advanced Grants wurden in Brüssel nun die ERC Consolidator Grants an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben, die das Potenzial haben, ein exzellentes Forschungsteam aufzubauen oder die die Arbeit ihrer bereits erfolgreichen Forschergruppe konsolidieren wollen.

Von zwölf Bewerberinnen und Bewerbern der Universität Zürich haben drei den Zuschlag für eine bis zu fünf Jahre dauernde Unterstützung erhalten. Die Zürcher Projekte sind in der Psycholinguistik in den Sprachwissenschaften, in der Molekularen Krebsforschung und am Slavischen Seminar angesiedelt und werden mit insgesamt rund 7,3 Millionen Schweizer Franken unterstützt.

Unbekannte kognitive Mechanismen des Spracherwerbs untersuchen

Das ERC-Projekt von Sabine Stoll vom Psycholinguistischen Laboratorium hat zum Ziel, die kognitiven Mechanismen, die dem Sprachlernen bei Kindern zugrunde liegen, aufzudecken. Derzeit ist weitgehend unbekannt, welche kognitiven Mechanismen es Neugeborenen erlauben, jede beliebige der derzeit rund 7000 gesprochenen Sprachen zu lernen. Diese Fähigkeit impliziert eine extreme Flexibilität des menschlichen Gehirns, welche unsere Spezies von allen anderen unterscheidet. Die Mechanismen sollen anhand von Sprachen mit maximal divergierender Grammatik untersucht werden, um Rückschlüsse auf potentiell universelle kognitive Mechanismen des Spracherwerbs zu ziehen. Für dieses Vorhaben hat Sabine Stoll ein grosses internationales Netzwerk von Spracherwerbs-Forschenden aufgebaut, in welchem der Spracherwerb von zehn Sprachen – Russisch, Japanisch, Türkisch, Cree, Slavey, Inuktitut, Chintang, Yukatekisch, Indonesisch und Sesotho – untersucht wird. Dabei wird die Spontansprache untersucht und die Sprache der Kinder und ihrer Interaktionspartner analysiert. Im Fokus steht auch eine bedrohte athabaskische Sprache einer «First Nation»-Gruppe aus Kanada, die zu den komplexesten Sprachen der Welt zählt und somit eine besondere Herausforderung für den Spracherwerb und dessen Erforschung darstellt.

Das Projekt «Acquistion processes in maximally diverse languages: Min(d)ing the ambient language» wird mit einer Summe von knapp 2,5 Millionen Schweizer Franken gefördert.

Die Replikation der DNA und die Tumorbildung besser verstehen

Das Kopieren des Erbinformationsträgers DNA – die sogenannte Replikation – während der Zellteilung ist ein zentraler Vorgang, der auch Gefahren birgt. Die fehlerhafte Replikation des Chromosomensatzes kann zu genomischer Instabilität führen und damit eine spätere Tumorentwicklung begünstigen. Aufgrund dieser Erkenntnisse greifen die meisten Krebsmedikamente in die DNA-Replikation ein; wie genau chemotherapeutische Substanzen wirken, ist zu grossen Teilen noch nicht bekannt. Die Gruppe von Massimo Lopes, Professor am Institut für Molekulare Krebsforschung, hat eine einzigartige Kombination von molekularbiologischen Methoden und Analysen von einzelnen Molekülen entwickelt, mit der die DNA-Synthese auf struktureller und molekularer Ebene charakterisiert werden kann. Mittels dieser Methoden sollen im Rahmen des ERC-Projektes verschiedene Aspekte von DNA-Replikations-Stress beleuchtet werden – zum Beispiel die Beeinflussung der DNA-Replikation durch sogenannte Onkogene, die unter gewissen Voraussetzungen gesunde Zellen zu Tumorzellen transformieren. Ebenfalls werden die Wirkung von Krebsmedikamenten und ihr Einfluss auf die DNA-Replikation untersucht sowie die zellulären Faktoren, welche ihrerseits die Giftigkeit der Chemotherapeutika auslösen.

Das Projekt «DNA Replication Stress in Cancer» wird mit rund 2,3 Millionen Schweizer Franken unterstützt.

Performance Art in Osteuropa unter den verschiedenen Diktaturen

Auf der Landkarte der westlichen Kunst- und Theaterforschung ist die osteuropäische Performance Art – Aktionen, Happenings, Performances – noch immer ein weisser Fleck. In ihrem Forschungsprojekt will Sylvia Sasse, Professorin am Slavischen Seminar, deshalb zum einen die Entstehung und Entwicklung von Performance Art in Osteuropa untersuchen, zum anderen staatliche Gegenaktionen, die Unterwanderung von Happenings durch Agenten und die geheimdienstlichen Dokumentationen von Performance Art in den Blick nehmen. Ziel ist es herauszuarbeiten, wie die osteuropäische Performance Art sich unter den Bedingungen von unterschiedlichen restriktiven Diktaturen entwickeln konnte und wie die eingeschränkten Arbeitsbedingungen sie künstlerisch produktiv gemacht hat. Im Fokus von Sylvia Sasse sind die Wechselbeziehungen zwischen den osteuropäischen Ländern, ebenfalls zwischen Ost und West, aber auch zwischen künstlerischer Aktion und politischem Aktivismus im Untergrund. Als Abschluss des Projektes werden eine internationale Konferenz und Ausstellung die osteuropäische Performance Art einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Fördersumme für das Projekt «Performance-Art in Eastern Europa (1950-1990): History and Theory» beträgt beinahe 2,5 Millionen Franken.

ERC Consolidator Grants

Mit einem ERC Consolidator Grant gefördert werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Nationalitäten ab sieben bis zu zwölf Jahren nach der Promotion, welche bereits einen wissenschaftlichen Erfolg nachweisen können. Insgesamt wurden nun 312 Grants in der Höhe von insgesamt 575 Millionen Euro an Forschende von 33 Nationalitäten gesprochen. In der Schweiz werden 22 Projekte unterstützt.

Bettina Jakob | idw
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch
http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/2014/drei-begehrte-erc-consolidator-grants-gehen-an-die-universitaet-zuerich.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Einstieg in die Nanowelt
22.06.2020 | Hochschule Aalen

nachricht Techniker Krankenkasse, EuPD Research und Handelsblatt starten Bewerbung für die Sonderpreise "Gesunde Hochschule" im Rahmen des Corporate Health Award 2020
22.05.2020 | Corporate Health Initiative

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein neuer Weg zur superschnellen Bewegung von Flussschläuchen in Supraleitern entdeckt

Ein internationales Team von Wissenschaftern aus Österreich, Deutschland und der Ukraine hat ein neues supraleitendes System gefunden, in dem sich magnetische Flussquanten mit Geschwindigkeiten von 10-15 km/s bewegen können. Dies erschließt Untersuchungen der reichen Physik nichtlinearer kollektiver Systeme und macht einen Nb-C-Supraleiter zu einem idealen Materialkandidaten für Einzelphotonen-Detektoren. Die Ergebnisse sind in Nature Communications veröffentlicht.

Supraleitung ist ein physikalisches Phänomen, das bei niedrigen Temperaturen in vielen Materialien auftritt und das sich durch einen verschwindenden...

Im Focus: Elektronen auf der Überholspur

Solarzellen auf Basis von Perowskitverbindungen könnten bald die Stromgewinnung aus Sonnenlicht noch effizienter und günstiger machen. Bereits heute übersteigt die Labor-Effizienz dieser Perowskit-Solarzellen die der bekannten Silizium-Solarzellen. Ein internationales Team um Stefan Weber vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz hat mikroskopische Strukturen in Perowskit-Kristallen gefunden, die den Ladungstransport in der Solarzelle lenken können. Eine geschickte Ausrichtung dieser „Elektronen-Autobahnen“ könnte Perowskit-Solarzellen noch leistungsfähiger machen.

Solarzellen wandeln das Licht der Sonne in elektrischen Strom um. Dabei wird die Energie des Lichts von den Elektronen des Materials im Inneren der Zelle...

Im Focus: Electrons in the fast lane

Solar cells based on perovskite compounds could soon make electricity generation from sunlight even more efficient and cheaper. The laboratory efficiency of these perovskite solar cells already exceeds that of the well-known silicon solar cells. An international team led by Stefan Weber from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz has found microscopic structures in perovskite crystals that can guide the charge transport in the solar cell. Clever alignment of these "electron highways" could make perovskite solar cells even more powerful.

Solar cells convert sunlight into electricity. During this process, the electrons of the material inside the cell absorb the energy of the light....

Im Focus: Das leichteste elektromagnetische Abschirmmaterial der Welt

Empa-Forschern ist es gelungen, Aerogele für die Mikroelektronik nutzbar zu machen: Aerogele auf Basis von Zellulose-Nanofasern können elektromagnetische Strahlung in weiten Frequenzbereichen wirksam abschirmen – und sind bezüglich Gewicht konkurrenzlos.

Elektromotoren und elektronische Geräte erzeugen elektromagnetische Felder, die bisweilen abgeschirmt werden müssen, um benachbarte Elektronikbauteile oder die...

Im Focus: The lightest electromagnetic shielding material in the world

Empa researchers have succeeded in applying aerogels to microelectronics: Aerogels based on cellulose nanofibers can effectively shield electromagnetic radiation over a wide frequency range – and they are unrivalled in terms of weight.

Electric motors and electronic devices generate electromagnetic fields that sometimes have to be shielded in order not to affect neighboring electronic...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz QuApps zeigt Status Quo der Quantentechnologie

02.07.2020 | Veranstaltungen

Virtuelles Meeting mit dem BMBF: Medizintechnik trifft IT auf der DMEA sparks 2020

17.06.2020 | Veranstaltungen

Digital auf allen Kanälen: Lernplattformen, Learning Design, Künstliche Intelligenz in der betrieblichen Weiterbildung, Chatbots im B2B

17.06.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der sechste Sinn der Tiere: Ein Frühwarnsystem für Erdbeben?

03.07.2020 | Biowissenschaften Chemie

Effizient, günstig und ästhetisch: 
Forscherteam baut Elektroden aus Laubblättern

03.07.2020 | Energie und Elektrotechnik

Ein neuer Weg zur superschnellen Bewegung von Flussschläuchen in Supraleitern entdeckt

03.07.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics