Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG fördert Großprojekt zur Ökosystemforschung an der Universität Jena mit rund 7 Mio. Euro

18.03.2013
Das „Jena-Experiment“ wächst weiter
DFG fördert Großprojekt zur Ökosystemforschung an der Universität Jena mit rund 7 Mio. Euro

Lieschgras, Glatthafer und Knäuelgras, Gänseblümchen, Löwenzahn und Sauerampfer – eine durchschnittliche Wiese hat weit mehr zu bieten als einfach nur „Gras“. Doch welchen Unterschied macht es, ob eine Wiese aus einer oder 60 verschiedenen Pflanzenarten besteht? Welche Auswirkungen hat die Artenvielfalt auf die Stoffkreisläufe und Prozesse innerhalb des Ökosystems? Und was bedeutet der Verlust einzelner Arten für das System Wiese?
Das erforscht seit 2002 ein internationales Team von Botanikern, Zoologen, Biogeochemikern, Bodenkundlern, Physiologen und Genetikern aus der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland auf dem Versuchsfeld der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem „Jena-Experiment“. Die Wiesen dienen dabei als Modellsystem, um allgemeine Prozesse in ökologischen Systemen zu verstehen.

Auf einem ca. zehn Hektar großen Gelände in der Saaleaue wachsen in rund 585 Versuchsparzellen künstlich zusammengestellte Graslandschaften: von der Monokultur mit nur jeweils einer Pflanzenart bis hin zur Wiese aus 60 verschiedenen Gräsern, Kräutern und Leguminosen. Damit ist das „Jena-Experiment“ eines der weltweit größten Biodiversitätsexperimente und das am längsten bestehende in ganz Europa. Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt mitgeteilt hat, wird das Großprojekt der Universität Jena für weitere drei Jahre mit rund sieben Millionen Euro gefördert.

Für die kommende Förderperiode bis 2016 wollen die Jenaer Ökologen und ihre Kooperationspartner die seit 2002 erhaltenen Erkenntnisse in aktuelle Fragestellungen integrieren. „So lässt sich inzwischen sehr genau sagen, welche Ökosystemprozesse von der Artenvielfalt beeinflusst werden“, erläutert Prof. Dr. Nico Eisenhauer von der Uni Jena. „In der nun beginnenden Projektphase wollen wir herausfinden, warum das so ist“, sagt der Professor für Terrestrische Ökologie, der in der kommenden Phase für das Experiment in Jena verantwortlich ist. So liegen beispielsweise vielfältige Daten vor, die den Zusammenhang zwischen Biodiversität und Produktivität des Ökosystems belegen. Diesen Zusammenhang gelte es nun im Detail zu erklären.
Dazu haben die Forscher im „Jena-Experiment“ neue Experimentierflächen angelegt. Auf diesen 3,5 mal 3,5 Meter großen Flächen variiert nicht allein die Vielfalt der Pflanzenarten, sondern es wurden auch die Eigenschaften der Pflanzen berücksichtigt. „Wir haben die Pflanzen anhand ihrer Wachstums- und Entwicklungsdaten etwa danach kombiniert, dass sie sich möglichst gut in der Ressourcenaufnahme und in ihrer zeitlichen Dynamik ergänzen“, so Eisenhauer. Untersuchen wollen die Ökologen in den kommenden Jahren u. a. die Nährstoffkreisläufe und die Interaktionen der Pflanzen- und Tierarten auf und im Boden. Außerdem ist die Synthese aller Daten in einer umfassenden Datenbank vorgesehen. „Die erneute Bewilligung ist ein Beweis der erfolgreichen Arbeit der vergangenen Jahre“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Weisser von der Technischen Universität München, der in der kommenden Phase Sprecher der Forschergruppe ist.

Seit Beginn des „Jena-Experiment“ im Jahr 2002 haben die Ökologen rund 14.000 Variablen gemessen. Rund 80 Prozent der gesammelten Daten sind inzwischen ausgewertet und stehen jetzt der weltweiten Biodiversitätsforschung zur Verfügung. Über 100 wissenschaftliche Publikationen sind seither entstanden, darunter in renommierten Fachmagazinen wie „Nature“, „PNAS“ oder „Ecology“. 23 Nachwuchswissenschaftler haben in dieser Zeit ihre Doktorarbeiten im „Jena Experiment“ angefertigt und abgeschlossen.

Kontakt:
Prof. Dr. Nico Eisenhauer
Institut für Ökologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 159, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949410, 949437
E-Mail: nico.eisenhauer[at]uni-jena.de

Prof. Dr. Wolfgang W. Weisser
Technische Universität München
Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie
Wissenschaftszentrum Weihenstephan
85354 Freising
Tel.: 08161 / 713495
E-Mail: wolfgang.weisser[at]tum.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.the-jena-experiment.de/
http://www.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: Artenvielfalt DFG Eisenhauer Großprojekt Pflanzenart Ökologe Ökologie Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht EU-Millionenförderung für Deep-Learning-Projekt in Leipzig
15.08.2018 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

nachricht Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb
14.08.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics