Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den molekularen Ursachen von Herzinfarkt und Schlaganfall auf der Spur

08.10.2014

Eine unter Leitung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) stehende multidisziplinäre Forschergruppe zur Aufklärung der molekularen Ursachen von Herzinfarkt und Schlaganfall wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 2,5 Millionen Euro gefördert. 900.000 Euro des erfolgreichen Projekts, das seit 2011 läuft und nun für drei weitere Jahre unterstützt wird, gehen ans UKE.

Zur Blutungsstillung nach Verletzungen, zur sogenannten Hämostase, steht dem menschlichen Körper ein fein abgestimmtes System aus Blutplättchen (Thrombozyten) und Gerinnungsfaktoren zur Verfügung, die im Blut zirkulieren.

Fehlt eine dieser Komponenten, kommt es oft zu spontanen schweren Blutungen wie bei der Bluterkrankheit Hämophilie oder auch zum sogenannten von Willebrand-Syndrom.

Hat der Mensch hingegen eine zu hohe Konzentration an Gerinnungsfaktoren oder sind diese besonders aktiv, kann es häufiger zu Gefäßverschlüssen wie Thrombosen oder Embolien kommen.

„Auch wenn bei Herzinfarkten und Schlaganfällen in den meisten Fällen krankhafte Veränderungen an den arteriellen Gefäßen, wie etwa die Arteriosklerose, eine große Rolle spielen, ist für den Verschluss eines Gefäßes letztendlich das System der Hämostase verantwortlich. Aus diesem Grund werden blutverdünnende Medikamente zur Behandlung und Verhinderung weiterer solcher Ereignisse eingesetzt“, sagt Prof. Dr. Reinhard Schneppenheim, Direktor der Klinik und Poliklinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Prof. Schneppenheim ist Sprecher der internationalen, multidisziplinären Forschergruppe.

Ein Schlüsselfaktor in dem System der Hämostase ist der von Willebrand-Faktor. Dieser besteht aus einem sehr langen Eiweißfaden, der in der Blutbahn zunächst wie ein Wollknäuel aufgerollt zirkuliert. Im Falle einer Gefäßverletzung bindet er jedoch sofort an die verletzte Gefäßwand. Einmal gebunden, zerren vor allem in den Arterien die Strömungskräfte des Blutflusses ihn bis auf eine Länge im Millimeterbereich auseinander.

Hierdurch werden seine Bindungsstellen für die Thrombozyten zugänglich und es kommt zur Bildung eines Plättchenpfropfes, welcher die Wunde verschließt und an dem dann die eigentliche Blutgerinnung stattfindet. Schneppenheim: „Der von Willebrand-Faktor ist somit der zentrale Multikomponenten-Kleber für Verletzungen der Blutgefäße.“

Nachteil dieses Superklebers: Er bindet nicht nur an Gefäßverletzungen, sondern spontan auch an entzündete Gefäßwände und an arteriosklerotisch veränderte Gefäße. Dies kann dann Auslöser für Herzinfarkte und Schlaganfälle sein. Ohne den von Willebrand-Faktor finden diese Prozesse entweder gar nicht oder nur sehr eingeschränkt statt. Prof. Schneppenheim: „Damit ist der von Willebrand-Faktor ein wichtiger Zielfaktor zur Vorbeugung und Therapie von Herzinfarkten und Schlaganfällen.“

Mit der jetzt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für weitere drei Jahre geförderten Forschergruppe soll die Funktion des von Willebrand-Faktors bis in die kleinsten molekularen Strukturen weiter aufgeklärt werden. Hierzu tragen wissenschaftlich tätige Ärzte, Physiker, Strukturbiologen und Biochemiker aus Hamburg, Berlin, Jülich, Heidelberg, Mannheim, München, Augsburg, Linz (Österrreich) und Boston (USA) bei. Ein weiterer Teilprojektleiter aus Hamburg ist Dr. Mathias Wilmanns vom European Molecular Biology Laboratory (EMBL) am DESY.

Kontakt:
Prof. Dr. Reinhard Schneppenheim
Klinik und Poliklinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Telefon: (040) 7410-54270
E-Mail: schneppenheim@uke.de

Christine Trowitzsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uke.uni-hamburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Weltweit einzigartige Femtosekundenlaseranlage eingeweiht
21.06.2018 | Hochschule RheinMain

nachricht Stahl-Innovationspreis 2018: Mikro-Dampfturbine ausgezeichnet
21.06.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics