Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bielefelder Chemiker erhält höchsten EU-Wissenschaftspreis

17.10.2012
Professor Dr. Achim Müller wird mit einem „Advanced Grant 2012“ des Europäischen Forschungsrates geehrt
Professor Dr. Achim Müller von der Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld hat den höchsten Wissenschaftspreis der Europäischen Union erhalten. Er wurde mit einem „ERC Advanced Grant 2012“ des Europäischen Forschungsrates ausgezeichnet. Der Chemiker gehört zu den weltweit führenden Wissenschaftlern in der Nanochemie. Mit 1,2 Millionen Euro Preisgeld fördert der ERC die wissenschaftliche Arbeit des Professors über drei Jahre.

„Wir freuen uns, dass dieser sehr renommierte Preis erstmals an einen Bielefelder Wissenschaftler geht. Wir gratulieren Professor Müller zu diesem fabelhaften Erfolg", sagt Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld.

Das Preisgeld setzt Professor Müller unter anderem für die Forschung an kugelförmigen Nano-Kapseln ein, die mit Poren ausgestattet sind. Durch diese Öffnungen lassen sich Stoffe in die Kapseln einbringen und dadurch zum Beispiel schützen. Müller und sein Team haben herausgefunden, mit welchen Materialien sich die Poren schließen und vor allem unter welchen Bedingungen sie sich wieder stufenweise öffnen und schließen lassen. Das Forschungsteam will jetzt unter anderem verstehen, wie chemische Prozesse in nanostrukturierten Räumen ablaufen. Es wird damit gerechnet, dass ihre Ergebnisse Bedeutung für bestimmte Forschungsbereiche in Chemie, Physik, Biologie und Materialwissenschaft haben. Müller und seine Mitarbeiter sind weltweit die einzigen, die den Innenraum von Nanokapseln mit verschiedenen Funktionen ausstatten können.

Professor Müllers Arbeitsgruppe ist dafür bekannt, dass sie Nano-Moleküle mit ungewöhnlichen und für die Materialwissenschaft interessanten Eigenschaften herstellen kann. Die molekularen Gebilde sind im Vergleich zu gewöhnlichen anorganischen Molekülen riesig. Gewöhnlich haben derartige Moleküle einen Durchmesser von mehreren Zehnteln Nanometern – die Bielefelder „Riesenmoleküle“ messen mehrere Nanometer. Das Besondere an diesen Molekülen: Sie erlauben, bestimmte chemische, auch katalytische Reaktionen durchzuführen, die zuvor nicht möglich waren.

Mit seinen Arbeiten hat Achim Müller nach Meinung der Fachwelt die anorganische Chemie verändert. Für weltweites Aufsehen sorgte der Bielefelder Chemiker mit der Publikation des „Bielefelder Riesenrads“. 1995 hatten er und sein Team das damals größte künstliche Molekül hergestellt. Es besteht aus 154 Metall-Atomen, genauer Molybdän-Atomen, die mit Sauerstoff-Atomen verbunden sind. 1998 überraschte die Arbeitsgruppe die Fachwelt mit der Herstellung des „Nano-Fußballs“. Er wird so genannt, weil sein Aussehen an die aneinandergenähten fünf- und sechseckigen Lederstücke eines Fußballs erinnert. Das kugelförmige Molekül weist mehr als 700 Atome und 20 Öffnungen auf. Später übertraf sich die Arbeitsgruppe noch mit der Herstellung von molekularen Gebilden mit 176, 248 und 368 Molybdän-Atomen. So konstruierten sie 2002 einen „Nano-Igel“, bestehend aus 368 Metallatomen. Bereits zwei Jahre zuvor war es den Bielefelder Forschern gelungen, ein Hybridmolekül zu erzeugen, in dem ein kleineres „metallhaltiges“ Molekül in einen Nanofußball eingeschlossen ist. Inzwischen sind Müller und sein Team sogar in der Lage, gezielt Metallatome zu Nano-Strukturen zusammenzubauen, was als enormer Fortschritt angesehen wird.

Professor Müller ist seit 1977 Professor für anorganische Chemie an der Fakultät für Chemie und veröffentlichte mehr als 900 Artikel in Fachzeitschriften, darunter auch mehrere in „Nature“ und „Science“. Er ist Herausgeber von 14 Büchern, die sich auf völlig verschiedene Arbeitsgebiete beziehen, was die Interdisziplinarität seiner Arbeiten zeigt. Er erhielt den Alfred-Stock-Gedächtnispreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker, den Gay-Lussac-Humboldt-Preis des französischen Forschungsministeriums, die „Centenary Medal“ der Royal Society of Chemistry (London) und zahlreiche weitere Ehrungen. Achim Müller ist Träger von fünf Ehrendoktorwürden und einer Honorarprofessur.

Der Europäische Forschungsrat verleiht den „Advanced Grant“ an exzellente Forscherinnen und Forscher, die in ihrem Forschungsfeld etabliert sind und wissenschaftliche Spitzenleistungen erbracht haben. Der Forschungspreis wird jedes Jahr seit 2008 ausgeschrieben. Die Förderung des European Research Council (ERC) – speziell Advanced Grants – ist überaus gefragt. Mehrere Tausend Forscher bewerben sich jedes Jahr um diese Fördermittel. Die Europäische Union stellt in ihrem siebten Rahmenprogramm dafür insgesamt 7,5 Milliarden Euro zur Verfügung, die auf fünf Jahre verteilt sind.

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Achim Müller, Universität Bielefeld
Fakultät für Chemie/ Anorganische Chemie I
Telefon: 0521 106-6153, Fax: 0521 106-6003
E-Mail: a.mueller@uni-bielefeld.de
Mobil: 0172 5220891

Jörg Heeren | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de/chemie/ac1/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics