Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erforschung der Alzheimer Demenz: Frankfurter Forscher erhalten umfangreiche Fördermittel

13.12.2006
Forscher der Frankfurter J.W. Goethe-Universität erhalten Fördermittel in Höhe von insgesamt 80.000 Euro für Projekte zur Erforschung der Alzheimer Demenz

Professor Dr. Thomas Deller, Direktor des Institutes Anatomie I: Klinische Neuroanatomie der Dr. Senkenbergischen Anatomie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, und Dr. Peter Uhlhaas vom Labor für klinische Neurophysiologie und Neuroimaging des Universitätsklinikums Frankfurt erhalten für ihre Forschungsprojekte zur Alzheimer-Krankheit je 40.000 Euro Fördermittel von der Alzheimer Forschung Initiative e.V (AFI).

Diese stellt im elften Jahr ihres Bestehens 317.000 Euro für richtungsweisende Forschungsprojekte an deutschen Universitäten bereit. Im Jahr 2006 wurden bei der AFI 38 Forschungsanträge eingereicht, die von international anerkannten Experten begutachtet wurden. Die fünf besten Projekte wurden mit Fördergeldern ausgestattet.

Die zerstörerische Wirkung der Alzheimer Demenz: Wie verläuft sie, wie erholt sich das Gehirn von ihr?

... mehr zu:
»AFI »Alzheimer »Demenz »Fördermittel

Die Erforschung von degenerativen und regenerativen Prozessen des Nervensystems ist das übergeordnete wissenschaftliche Ziel des Institutes für Klinische Neuroanatomie. Die Arbeitsgruppe von Professor Deller beschäftigt sich mit den molekularen und zellulären Grundlagen neuronaler Heilungsprozesse nach einer Verletzung des Zentralnervensystems. Das Projekt von Professor Deller dient dem Ziel, die Ursachen der Amyloid-induzierten axonalen Sprossung bei der Alzheimer Krankheit zu untersuchen. Es wurde von internationalen Wissenschaftlern und dem wissenschaftlichen Beirat der AFI als herausragend beurteilt und wird für das kommende Jahr mit 40.000 Euro gefördert.

Die Alzheimer Demenz (AD) ist eine chronische, das Gehirn zerstörende Erkrankung. Charakteristisch sind Proteinansammlungen (so genannte ?-Amyloid-Plaques) und das Absterben von Nervenzellen im Gehirn. In der Umgebung dieser ?-Amyloid-Ablagerungen sind die normalen Verbindungen zwischen den Nervenzellen, die durch ein riesiges Netz von Nervenfasern hergestellt werden, unterbrochen. An der Entstehung dieser Störungen des Netzwerkes sind unter anderem krankhafte Wachstumsprozesse von Nervenfasern (Axonsprossung) beteiligt. Da die Verbindungsstörungen zur Entstehung der für die AD typischen Demenzsymptome beitragen, ist es wichtig, die daran beteiligten Prozesse wie zum Beispiel die Amyloid-induzierte axonale Sprossung zu verstehen.

In diesem Projekt will Professor Deller die Reorganisationsprozesse von Nervenfasern im Bereich der Amyloid-Ablagerungen erforschen. Weiterhin sollen bestimmte Substanzen auf ihre Rolle als potenzielle Auslöser der Axonsprossung untersucht werden. Durch Aufklärung des Regulationsmechanismus der axonalen Sprossung will die Forschergruppe Zielmoleküle identifizieren, die für die Entwicklung neuartiger Therapien geeignet sein könnten. Ein Eingriff in die Aussprossungsprozesse in der Umgebung der Amyloidplaques kann möglicherweise Vorarbeit für die Entdeckung wirkungsvoller Behandlungsmöglichkeiten der Demenz leisten.

Defizite im Denken und in der Wahrnehmung: Welche Rolle spielt die Kommunikation zwischen den Hirnregionen?

Die kognitive Neurowissenschaft und ihre Anwendung auf klinische Fragestellungen in der Psychiatrie ist das Hauptforschungsgebiet der Arbeitsgruppe Neurophysiologie und Neuroimaging um Dr. Peter Uhlhaas. Das Projekt von Dr. Uhlhaas mit dem Titel "Neuronale Synchronisation und Wahrnehmungsorganisation bei der Alzheimer-Krankheit" wurde von internationalen Wissenschaftlern und dem wissenschaftlichen Beirat der AFI ebenfalls als herausragend beurteilt und wird für die kommenden zwei Jahre mit 40.000 Euro gefördert.

Die visuelle Wahrnehmung des Menschen erfordert eine präzise Kommunikation im Millisekundenbereich zwischen Nervenzellen verschiedener Hirnregionen. Trotz der Fortschritte beim Verständnis der krankhaften Veränderungen bei der Alzheimer Demenz (AD), sind die Mechanismen im Gehirn, welche die schwerwiegenden Defizite in Kognition und Wahrnehmung bei der AD auslösen, noch nicht gefunden worden. Im Forschungsprojekt von Dr. Uhlhaas soll die Hypothese überprüft werden, ob Defizite in der visuellen Wahrnehmung bei der AD infolge einer gestörten Kommunikation zwischen verschiedenen Bereichen des Gehirns entstehen.

Die Gruppe um Dr. Uhlhaas will die Hirnfunktionen von Patienten mit AD und leichter kognitiver Beeinträchtigung (LKB) mit Hilfe der Magnetoenzephalographie (MEG) untersuchen. Das MEG ist das optimale bildgebende Verfahren zur Beobachtung der Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnregionen innerhalb kurzer Zeiträume. Sie wollen die Hypothese überprüfen, ob bei AD-Patienten beim Betrachten von Bildern mit menschlichen Gesichtern Defizite bei der visuellen Wahrnehmung auftreten, die mit einer verminderten Kommunikation zwischen Hirnregionen zusammenhängen. Die Forscher gehen davon aus, dass durch diese Beobachtungen wichtige Erkenntnisse zur Funktionsweise des Gehirns bei der AD gewonnen werden können. Ziel ist es durch die Untersuchung der Kommunikation im Gehirn von Patienten mit LKB festzustellen, ob die gestörte Interaktion zwischen verschiedenen Hirnregionen ein Kennzeichen für das AD-Risiko ist, das für die frühzeitige Intervention und die Früherkennung von Bedeutung sein könnte.

Die AFI ist ein gemeinnütziger Verein, der sich aus Spendengeldern von Privatpersonen finanziert. Seit 1996 unterstützt die AFI zukunftsträchtige Forschungsvorhaben und stellte insgesamt 3,14 Millionen Euro für 59 Forschungsprojekte bereit. Die AFI ist damit der größte private Förderer von Alzheimer-Forschung in Deutschland.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Thomas Deller
Dr. Senckenbergische Anatomie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 69 00
E-Mail T.Deller@em.uni-frankfurt.de
Internet www.izn.uni-frankfurt.de
Dr. Peter Uhlhaas
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 83782
E-Mail uhlhaas@mpih-frankfurt.mpg.de
Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Berichte zu: AFI Alzheimer Demenz Fördermittel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics