Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Unterstützung für die europäische und deutsche HIV-Forschung

26.07.2006
Zentrale Kryobank finanziert durch die Bill & Melinda Gates-Stiftung geht nach Deutschland

Ein internationales Konsortium, koordiniert durch das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT), erhielt den Zuschlag der Bill & Melinda Gates-Stiftung im Rahmen neuer internationaler Anstrengungen in Hinblick auf die beschleunigte Entwicklung eines HIV-Impfstoffes eine der modernsten globalen HIV-Kryobanken zu entwickeln und zu installieren. Das Konsortium erhält weiterhin eine Kofinanzierung durch die Fraunhofer-Gesellschaft und das Wirtschaftsministerium des Saarlandes.

Im Juni 2004 riefen die G8-Staaten auf ihrem Weltwirtschaftgipfel in Sea Island (Georgia, USA) zu einer globalen Initiative auf, die der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Humane Immundefizienzvirus (HIV), des Erregers der Immunschwächekrankheit AIDS, dienen soll. Diese globale Initiative für einen HIV-Impfstoff (Collaboration for AIDS Vaccine Discovery - CAVD) hat Strategiepläne ausgearbeitet, die unter anderem den Aufbau koordinierter globaler Entwicklungszentren (einschließlich des Fraunhofer IBMT Konsortiums) für einen HIV-Impfstoff zum Ziel haben. Diese Aktivitäten werden jetzt durch ein von der Bill & Melinda Gates-Stiftung ausgeschriebenes Programm finanziell unterstützt.

Die Bill & Melinda Gates-Stiftung ist die weltweit größte private Stiftung und fördert Programme zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten, insbesondere Tuberkulose, HIV und Malaria. Das Evaluationsverfahren wählt Projekte aus, die sich durch besondere Anwendungsnähe und einen globalen medizinischen Nutzen, insbesondere für Entwicklungsländer, auszeichnen.

Diese globale Aktivität gilt als ein wichtiger Baustein bei der Entwicklung eines HIV-Impfstoffs. In diesem Programm erhielt nun das internationale Konsortium unter Koordination des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik (IBMT) den Zuschlag mit der Aufgabe der Entwicklung und Installation einer der modernsten globalen HIV-Kryobanken (Global HIV Vaccine Research Cryobank - GHRC). Partner in dem Projekt sind namhafte Einrichtungen aus Europa und den USA: Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf, National Institute for Biological Standards and Control (NIBSC) in London, San Raffaele Scientific Institute (DIBIT) in Mailand, Universität Lund, Universität des Saarlandes sowie Universität von Washington und National Institutes of Health (NIH). Dem Konsortium steht in dem zunächst für drei Jahre angelegten Projekt ein Budget von etwas mehr als neun Millionen Dollar zur Verfügung, davon 7,5 Millionen US$ Zuwendung von der Gates-Stiftung und weiterhin deutsche Kofinanzierungen durch die Fraunhofer-Gesellschaft mit rund 1,2 Millionen US$ und durch das Wirtschaftsministerium des Saarlandes mit 600.000 US$.

Das Projekt geht auf langjährige Vorarbeiten zurück, einerseits die Arbeiten des WHO-UNAIDS-koordinierten HIV-Netzwerkes und andererseits die Entwicklungen der Fraunhofer-Gesellschaft im Bereich der Kryotechnologien.

Das HI-Virus stellt nach wie vor ein ungelöstes Problem dar. Ein Impfstoff existiert trotz jahrzehntelanger Forschung immer noch nicht. Dies liegt unter anderem an der ausgeprägten Anpassungsfähigkeit dieser Viren, deren Wandlungsfähigkeit mittlerweile zur Verbreitung zahlreicher Virusvarianten auf der Welt geführt hat, und ihrer Vermehrung gerade in den Zellen des Immunsystems der Infizierten. Ein unabdingbares Instrument für die Forschung und Impfstoffentwicklung stellen deshalb Virensammlungen dar.

Diese immer wertvoller und umfangreicher werdenden Virensammlungen sind zurzeit stark dezentral verteilt und technologisch unzureichend standardisiert. Der Vorstoß des internationalen Konsortiums ist es nun, in kürzester Zeit eine zentrale HIV-Bank in Form einer beispielgebenden, modernen Kryobank zu konzipieren und zu errichten. In dieser HIV-Bank sollen Viren und Zellen des Immunsystems sowie andere daraus abgeleitete Reagenzien bei Temperaturen des flüssigen Stickstoffs perfekt konserviert werden und sind jederzeit abrufbar.

Charakteristisch für die Fraunhofer-Technologieplattform ist beispielsweise, dass die biologischen Proben in kleinsten geschlossenen Substraten abgelegt werden, die die Entnahme einzelner Probenteile bei tiefsten Temperaturen erlauben. Der Vorteil dieser im Rahmen von Mikrosystemtechnik- und Nanobiotechnologie-Projekten des BMBF entwickelten Verfahren ist, dass der Rest der wertvollen Probe kalt und damit sicher aufbewahrt bleibt. Ein weiteres Glied in der Kette der Kryobank-Entwicklungen bilden tieftemperaturtaugliche elektronische Speicherchips, die fest mit der Probe verbunden sind. Sie lassen sich auch noch bei -180 °C, also in einer eiskalten Kryowelt wie sie vergleichsweise auf dem Planeten Neptun anzutreffen wäre, lesen und beschreiben. Auch das eine Entwicklung, die nicht nur für Kryobanken, sondern auch für die Raumfahrt bedeutungsvoll ist. In den Kryotanks liegen damit unverwechselbar mit jeder Probe verbunden noch einmal die Informationen der zentralen Datenbank portionsweise dezentral vor. Eine falsch abgelegte Probe würde z.B. durch die permanente Kommunikation der zentralen Datenbank mit den tiefkalten Chips in den 2 m hohen Kryobehältern automatisch erkannt und korrigiert werden. Diese Technologie setzt Standards nicht nur für die HIV-Ablage. Sie ist zugleich ein Kernelement des gerade beginnenden Zellbankings im Zusammenhang mit Stammzellen und deren Nutzung für die Regenerative Medizin. Die Fraunhofer-Forscher haben derzeit weltweit in diesem Feld der zukünftigen Biotechnologie und Medizin die Nase vorn.

Die vom saarländischen Wirtschaftsministerium unterstützte und seit zwei Jahren im Erprobungslauf befindliche Kryoforschungs- und Demonstrationsbank des Fraunhofer IBMT in Sulzbach (Saar) mit industrieller Skalierung und Automatisierungspotenzial hat die Anwendungsnähe der Forschung eindrucksvoll belegt. Unter der Koordination des Fraunhofer IBMT, dem Direktor Prof. Dr. G. R. Fuhr und dem Virologen und Immunologen Priv.-Doz. Dr. H. von Briesen in enger Zusammenarbeit mit den 7 internationalen Partnern, insbesondere aber auch der Universität des Saarlandes(Prof. Dr. A. Meyerhans) wird in Kürze mit der Installation der HIV-Kryobank und der Erfassung sowie Konservierung von Proben begonnen.

In dem Projekt wird jedoch nicht nur eine einzigartige Virenbank aufgebaut, vielmehr ist geplant, daneben unterschiedlichste für die Impfstoffforschung benötigte und daraus entwickelte Reagenzien in der Bank abzulegen, die für eine umfassende virologische und immunologische Charakterisierung zur Verfügung stehen und die Basis für die weitere Entwicklung von Impfstoffen und auch neuer Therapien darstellen. Auf die Proben und daraus gewonnenen wichtigen biologischen Primärdaten für die Bioinformatik können dann Wissenschaftler aus aller Welt zugreifen.

Ihr Ansprechpartner:

Prof. Dr. Günter R. Fuhr
Direktor
Fraunhofer IBMT
Telefon 06894/980-100
Telefax 06894/980-110
Email: guenter.fuhr@ibmt.fraunhofer.de

Annette Maurer | idw
Weitere Informationen:
http://www.ibmt.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: HIV HIV-Impfstoff HIV-Kryobank Impfstoff Konsortium Kryobank US$

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics