Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Smart Surfaces" und Auszeichnung durch die Hermann-Schnell-Stiftung

05.08.2005


Mit dem Förderpreis der Dr. Hermann-Schnell-Stiftung wird anlässlich der Jahrestagung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 12. September in Düsseldorf der Chemiker Dr. habil. Helmut Schlaad vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam-Golm ausgezeichnet. Der 38jährige gebürtige Kreuznacher erhält ein Stipendium in Höhe von 6.000 Euro für seine Arbeiten zur kontrollierten Synthese von Blockcopolymeren mit einem Peptidblock und der Analyse der speziellen Selbstorganisation dieser Makromoleküle. Weitere interessante Forschungsarbeiten zu Polymeren werden auf der Tagung in einem Symposium über "Smart Surfaces" vorgestellt.



Blockcopolymere sind Makromoleküle, die blockweise aus zwei oder mehreren Komponenten (Monomersorten) aufgebaut sind. Die Peptidblöcke bestehen aus Aminosäuren, die "synthetischen" Segmente beispielsweise aus Polystyrol oder Polybutadien. Diese Blockcoploymere bilden durch Selbstorganisation interessante Stukturen aus, sogenannte Mesostrukturen, und sie zeigen Amphiphilie, d.h. sie sind gleichermaßen wasserlöslich (hydrophil) wie fettlöslich (lipophil). Abhängig von ihrer chemischen Zusammensetzung bilden sie verschieden strukturierte und verschieden große kugelförmige Mizellen und Vesikel in Lösung aus; es bilden sich Kolloide. Schlaad kann diese Strukturen gezielt herstellen und genau charakterisieren. Seine Forschung hat große Bedeutung vor dem Hintergrund, dass sich die komplexesten Kolloide in der belebten Natur finden. Jede Zelle enthält eine große Zahl von Makromolekülen, die aus hydrophilen und hydrophoben Monomeren aufgebaut sind. Es gilt, die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten aufzuklären, die der Strukturbildung und Selbstorganisation dieser Systeme zugrunde liegen.

... mehr zu:
»GDCh »Pigment »Polymer


Die Auszeichnung Schlaads erfolgt in einem gemeinsamen Symposium der GDCh-Fachgruppen "Makromolekulare Chemie" und "Anstrichstoffe und Pigmente" zu "Smart Surfaces: Polymere in funktionalen Oberflächen". Auf diesem Symposium stellt Dr. Lars Dähne von der Capsulution Nanoscience AG, Berlin, die 2001 aus dem Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung ausgegründet wurde, die Herstellung und Anwendungen funktionalisierter Mikrokapseln aus geladenen Polymeren (Polyelektrolyten) vor. Die semipermeablen (halbdurchlässigen) Mikrokapseln entstehen, indem man Schichten entgegengesetzt geladener Polymerer auf kolloidale Teilchen aufbringt, die man anschließend auflöst. Die Mikrokapseln haben eine Größe von 0,1 bis 10 Mikrometern, sie können mit unterschiedlichen Stoffen befüllt, mit fluoreszenten, katalytischen, magnetischen, photo- und bioaktiven Funktionen versehen und in ihrer Durchlässigkeit variiert werden. Mit ihren speziellen Eigenschaften eignen sie sich für Anwendungen in der Pharmazie, z.B. um den Wirkstoff zum Wirkort zu transportieren, bei Nahrungsmitteln, in Papieren oder Lacken.

Die Entwicklung von verbesserten Lacken ist mit der Polymerforschung eng verknüpft. Professor Dr. Claus D. Eisenbach von der Universität Stuttgart und vom Forschungsinstitut für Pigmente und Lacke, Stuttgart, stellt in Düsseldorf Polymer/Lösungsmittel-Systeme vor, mit denen beim Aufbringen eines Lackes nanoskopisch strukturierte Oberflächen entstehen können. Generell gelingt die kontrollierte Abscheidung von Polymerschichten auf ausgedehnten flachen wie auch auf kleinsten sphärischen Teilchen. So lassen sich auch die Oberflächen von Pigmenten vorteilhaft für die Lackeigenschaften modifizieren.

Die Haftung von organischen Beschichtungen auf Metallen ist für den Korrosionsschutz von größter Bedeutung. Man muss in die molekularen Dimensionen vordringen, um hier zu Verbesserungen, auch hinsichtlich Umweltschutz und Kosten, zu gelangen, wie Professor Dr. Hans-Jürgen Adler von der Technischen Universität Dresden in Düsseldorf aufzeigt. Die neuen Haftschichten, z.B. auf Aluminiumfelgen, sind nur wenige Nanometer dünn. Es gelang auch, leitfähige Polymerschichten fest mit Silicium-, Titan- oder Aluminiumoberflächen zu verbinden.

"Kleine Menge, große Wirkung", das trifft auf das moderne Oberflächen-und Grenzflächendesign zu, wie Dr. Ralf Richter vom Projecthouse Functional Polymers der Degussa AG, Hanau, zu berichten weiß. Auf Basis nanoskaliger Stoffe lassen sich Oberflächenmaterialien aufwerten, z.B. durch kratzfeste Beschichtungen, Antistatik-Ausrüstungen, Antireflex-Schichten oder selbstreinigende Oberflächen. Bei der Herstellung gilt es, die Agglomeration der nanoskaligen Partikel durch Stabilisierung in der Dispersion zu verhindern.

Mit nicht minder interessanten Schichten befasst sich Professor Dr. Hans-Werner Schmidt von der Universität Bayreuth. Die Flüssigkristall-Displays benötigen sogenannte Orientierungsschichten. Hierfür kommen z.B. steifkettige Polyimide in Frage. Auch bei der Entwicklung von Diagnose-Systemen für den Humanbereich spielen high performance Beschichtungen eine große Rolle, beispielsweise bei Biosensoren für die Blutzuckermessung oder bei Verfahren aus der Gendiagnose. Dr. Karl Heinz Hildenbrand von der Bayer Materialscience AG, Krefeld, zeigt in Düsseldorf auf, wie die Oberflächen hier beschaffen sein müssen. Beispiele wären biokompatible Schmelzkleberschichten oder ultradünne Polymerfilme zur Immobilisierung von kurzen DNA-Stücken.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Unter dem Dach der GDCh verfolgen diese Stiftungen typischerweise die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie die Auszeichnung wissenschaftlicher Exzellenz durch die Vergabe von Preisen und Stipendien. Die Dr. Hermann-Schnell-Stiftung erinnert an einen Pionier der technischen Kunststoffe, der das Polycarbonat entdeckte, aus dem beispielsweise die CDs bestehen. Schnell (1916 - 1999) trat nach seinem Studium 1946 in die Bayer AG und war dort, zuletzt als Leiter der Zentralen Forschung, bis zu seiner Pensionierung tätig. Die Stiftung wurde 1997 eingerichtet.

Dr. Renate Hoer | Gesellschaft Deutscher Chemiker
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Berichte zu: GDCh Pigment Polymer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics