Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stahl fliegt - fast eine Minute lang

28.07.2005


Studierende experimentieren beim Modellflugzeug-Wettbewerb


Unter brennender Sonne an Wiesenhängen in der Nähe des belgischen Henri-Chapelle hieß jetzt die Parole: "Stahl fliegt 2005". Bei diesem studentischen Leichtbauwettbewerb konnten die Teilnehmer beweisen, dass auch Modellflugzeuge aus Stahl erstaunlich lange durch die Luft gleiten können. Das bedeutet in diesem Fall 9,99 Sekunden, diese Zeit hielt sich das Flugzeug von Eckhard Anton während seines längsten gewerteten Versuchs in der Luft. Außerhalb der Wertung stellte er mit 54,5 Sekunden sogar eine neue Rekordzeit auf. Der Aachener Maschinenbaustudent aus der Fachrichtung Luft- und Raumfahrttechnik ließ die an-deren Teams aus Dortmund, Darmstadt und dem Saarland mit einer durchschnitt-lichen Flugdauer von 7,72 Sekunden in die Röhre, oder besser gesagt: in die Luft schauen.

2001 war die Premiere des ungewöhnlichen Wettbewerbs, der seit 2002 überre-gional und interuniversitär angeboten wird. Veranstaltet wird er vom Institut für Bildsame Formgebung gemeinsam mit dem Zentrum Metallische Bauweisen der RWTH, dem Institut für Produktionstechnik und Umformmaschinen der TU Darm-stadt, dem Institut für Umformtechnik und Leichtbau der Universität Dortmund und dem Zentrum für Innovative Produktion der Universität des Saarlands.


"Normalerweise sind Aluminium, Titan und faserverstärkte Kunststoffe die Leich-bauwerkstoffe im Flugzeugbau. Wenn man aber alle technischen Möglichkeiten ausreizt, kann auch Stahl fliegen", erklärt Ingenieur Mario Thome vom Institut für Bildsame Formgebung. Auf die richtige Form und Verarbeitung käme es an. Es waren dann überwiegend Maschinenbauer, die sich der außergewöhnlichen Her-ausforderung stellten und fieberten, wenn ihr Flugzeug Richtung Himmel oder - mangels Fernsteuerung - halt überwiegend Richtung Hang segelte.

Jeder Windstoß wurde kritisch betrachtet, bevor die Studierenden - mit Dilyana Yordanova aus Dortmund als einziger Frau am Start - losliefen, um ihren Flugob-jekten den bestmöglichen Antrieb zu geben. Fast zirkusreif wirkte die Vorstellung eines Darmstädter Teams, deren Flugobjekt aus Ringflügeln bestand. Um es so hoch wie möglich starten zu lassen, kletterte kurzerhand ein Teammitglied auf die Schultern des anderen - immerhin konnten sie sich dank dieser akrobatischen Ein-lage mit einer durchschnittlichen Flugdauer von 5,65 Sekunden den zweiten Platz sichern. Auf den dritten Platz gelangten die Studierenden der Universität des Saarlandes.

Die Formen der Modellflugzeuge waren unterschiedlich und nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Eins hatten die Objekte aber gemeinsam: die für Stahl typische silberne Farbe. "Der Grundbaustoff muss aus Stahl und aus Sub-stanzen sein, die über 70 Prozent Stahl enthalten", erklärte Eckhard Anton. "Hinzu kommt natürlich auch Klebstoff", fügte er lächelnd an. Folien, dünne Bleche, Röhrchen und Drähte wurden so kombiniert und geformt, dass ein günstiges Flugverhalten und damit eine möglichst lange Flugzeit erzielt wurde. Sturzflüge, beschädigte Flugzeuge oder drohende Kollisionen - vorzugsweise mit den Köpfen der Zuschauer - waren allerdings dennoch nicht selten.

Eckhard Anton war schon bei "Stahl fliegt 2004" dabei, als der Wettbewerb in der Nähe von Darmstadt stattfand. Mit ein paar Kommilitonen holte er dort den drit-ten Platz: "Um gewonnene Erfahrungen umzusetzen, mach’ ich noch mal mit." So hatte er nach 25 Arbeitsstunden relativ schnell sein Modellflugzeug konstruiert. Mit Unterstützung des Instituts für Flugdynamik entwarf der 27-Jährige ein so genanntes "Nur-Flügel-Flugzeug", das sich ohne Rumpf und ohne Leitwerk in der Luft hält.

Die Flugdauer ist auch nicht das einzige Kriterium, das den Sieg sichert: Weiterhin fließen Faktoren wie der innovative Lösungsansatz und die Qualität der Doku-mentation in die Bewertung ein. "Kreativität bei der Beschaffung und Verarbei-tung der Materialien wird besonders berücksichtigt", so Thome. Projektplanung, Teamarbeit, Kreativität beim Entwurf und konsequente Umsetzung werden gefordert - wichtige Schlüsselqualifikationen auch für den späteren Beruf. Dies haben die Teilnehmer nachgewiesen, und sie werden dafür Ende des Jahres bei der offiziellen Preisverleihung belohnt. Wie viele Sekunden ihre Flugzeuge tatsächlich in der Luft schwebten, ist dann nicht mehr so ganz wichtig.

Dr. Christof Zierath | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: Luft- und Raumfahrt Modellflugzeug

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics