Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kräftiger Schub für die Europäische Zebrafisch-Forschung

09.02.2004


Europäische Kommission bewilligt 12 Millionen Euro, um am Zebrafisch modellhaft die Entwicklungsbiologie des Menschen und seine Krankheiten zu untersuchen


Abb. 1: Zebrafische sehen zwar anders aus als Menschen, aber ihre Gene und die Art und Weise, wie sie funktionieren, sind der unseren sehr ähnlich. So ähnlich, dass Zebrafische sehr gut als Modelle für menschliche Krankheiten fungieren können.
Bild: Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie


Abb. 2: Die Durchsichtigkeit der Embryonen und ihre schnelle Entwicklung sind nur zwei der Vorteile des Zebrafisches als Modellorganismus.
Bild: Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie



Ein Konsortium von 15 europäischen Forschungseinrichtungen unter der Leitung des Tübinger Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie erhält im Rahmen des 6. Forschungsrahmenprogramms 2004 bis 2009 von der Europäischen Kommission insgesamt 12 Millionen Euro für die weitere Erforschung des Zebrafischs. Es handelt sich um eine der umfangreichsten Bewilligungen für entwicklungs- und zellbiologische Untersuchungen aus Brüssel, die bisher gewährt wurden. Das Forschungskonsortium mit dem Namen "ZF-MODELS" plant, am Zebrafisch Modelle zur Untersuchung wichtiger menschliche Krankheiten zu etablieren, nach neuen und wirkungsvolleren Angriffspunkten für Wirkstoffe (drug targets) zu suchen und grundlegende Erkenntnisse über die Entwicklung des menschlichen Organismus von der Zeugung bis ins Alter zu gewinnen.

... mehr zu:
»Gen


Der Zebrafisch, ein beliebter Aquarienfisch, eignet sich ideal dazu, die grundlegenden Vorgänge bei unserer Embryonalentwicklung sowie die genetischen Grundlagen menschlicher Krankheiten aufzuklären. In den vergangenen Jahren ist er deshalb zu einem der bedeutendsten Modellorganismen sowohl für Grundlagenforscher als auch für die biotechnologische Industrie geworden. Aufgrund seiner Bedeutung wird derzeit das Genom des Zebrafischs komplett sequenziert.

Angesichts der starken transatlantischen Konkurrenz hat die Europäische Kommission jetzt beschlossen, die europäische Zebrafisch-Forschung maßgeblich zu stärken und das ZF-MODELS-Projekt zu einem Flaggschiff ihres 6. Forschungsrahmenprogramms zu machen. Das so genannte "Integrierte Projekt" (Integrated Project) wird 15 führende europäische Forschungseinrichtungen zusammenbringen (vgl. Liste weiter unten). Über fünf Jahre erhalten diese Institutionen ein Budget von 12,4 Euro, 12 Millionen Euro von der Europäischen Kommission und 400.000 Euro vom Schweizer Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung.

In das ZF-MODELS-Projekt bringen alle beteiligten Partner ihre spezifischen Kompetenzen ein, um auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten - neue Erkenntnisse darüber zu gewinnen, auf welche Weise grundlegende biologische Vorgänge wie Entwicklung, Physiologie und Verhalten genetisch kontrolliert werden und welche Störungen zu menschlichen Krankheiten führen. Die beteiligten Forscher hoffen, dass sie Erkenntnisse für die Entwicklung neuer bzw. verbesserter Therapien liefern können. Geforscht wird unter anderem an weit verbreiteten Krankheiten wie Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen, Augenleiden, Muskeldystrophie und Verhaltensstörungen. Darüber hinaus werden Vorgänge wie die Resistenz gegen Infektionen sowie die Wundheilung untersucht.

Um diese Ziele zu erreichen, setzen die Wissenschaftler neueste wissenschaftliche Methoden ein, die teilweise erst vor kurzem speziell für den Zebrafisch entwickelt wurden. Viele dieser Methoden werden erstmals in sehr großem Maßstab und miteinander vernetzt angewandt, um ein möglichst komplettes Bild über die Entwicklung des Zebrafischs zu erhalten.

Wichtige Aspekte dieser Forschung sind:
  • Die Untersuchung der Mutagenese wird Wissenschaftler aus ganz Europa zusammenbringen, um Zebrafische zu untersuchen, die genetische Mutationen aufweisen. Im Gegensatz zu früheren Mutagenese-Projekten wird der Fokus jedoch darauf liegen, Mutationen zu identifizieren, die sich erst spät in der Entwicklung des erwachsenen Fischs ausprägen und somit wichtige Erkenntnisse über menschliche Krankheiten liefern könnten.

  • Analysen der Aktivität (Expression) von Zehntausenden von Genen auf so genannten Gen-Chips (Microarrays) sollen helfen zu verstehen, wie das komplexe Netzwerk der Genaktivität während der Entwicklung gesteuert wird.

  • Es werden Tausende von Fischen erzeugt, die das grün fluoreszierende Protein GFP unter der Kontrolle Gen-spezifischer Elemente (enhancer) enthalten. Unter UV-Licht werden die Zellen dieser Fische grün leuchten und Aufschluss darüber geben, welche Gene zu welcher Zeit in welchen Geweben aktiv sind.

  • Geplant ist eine Einrichtung, in der auf Anfrage gezielt einzelne Gene in Zebrafischen ausgeschalten werden, um europäische Wissenschaftler mit so genannten knock-out Zebrafischen zu versorgen. Diese Fische dienen den Forschern dazu, die Funktion einzelner Gene zu untersuchen. Dabei konzentriert man sich vor allem auf solche Gene, die nicht im Mutagenese-Projekt gefunden werden können, aber eine wichtige Rolle bei menschlichen Krankheiten spielen.

  • Eine europäische Zebrafisch-Datenbank soll entwickelt werden, die Daten aus den verschiedenen Unterprojekten in einem drei-dimensionalen anatomischen Atlas der Entwicklung des Zebrafisches vereinen wird mit Daten über die Aktivität der Gene zu bestimmten Entwicklungsstadien. Diese Datenbank soll weltweit interessierten Wissenschaftlern über die Website http://www.zf-models.org zugänglich sein.

Die finanzielle Unterstützung des ZF-MODELS-Projektes durch die Europäische Kommission kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. Durch die Integration der wichtigsten europäischen Zebrafisch-Forschungsgruppen in diesem Projekt wird die Wettbewerbsposition der europäischen Zebrafisch-Forschung maßgeblich gestärkt. Das Budget, das dem Projekt jetzt zur Verfügung steht, ermöglicht es jene "kritische Masse" an Expertenwissen und Exzellenz aus vielen Disziplinen zusammen zu bringen, die notwendig ist, um die ehrgeizigen Ziele des Projektes zu verwirklichen.

Das Projekt hat am 1. Januar 2004 offiziell begonnen, der Startschuss erfolgt am 14./15. Februar 2004 mit einer Tagung aller Projektteilnehmer am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen. "ZF-MODELS" wird vom Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen koordiniert. Dr. Robert Geisler ist der Wissenschaftliche Koordinator, Dr. Ralf Dahm der Projekt-Manager und Nobelpreisträgerin Prof. Christiane Nüsslein-Volhard hat den Vorsitz im Exekutivkomitee des Projekts.


Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Ralf Dahm (Projekt-Manager)
Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Tübingen
Tel.: 07071 601-444
Fax: 07071 601-448
E-Mail: ralf.dahm@tuebingen.mpg.de

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2004/pressemitteilung200402091/
http://www.zf-models.org

Weitere Berichte zu: Gen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Preis für Arbeit über autonomes Fahren
11.09.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Mit der Getränkedose hoch hinaus – Minisatellitenwettbewerb vom 17. bis 21. September in Bremen
10.09.2018 | Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

Gesundheitstipps und ein virtueller Tauchgang zu Korallenriffen

20.09.2018 | Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lichtverschmutzung macht Fische mutig

21.09.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Gegen Straßenschmutz im Regenwasser

21.09.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

21.09.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics