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Bundesverdienstkreuz für Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft Hans-Jörg Bullinger

08.12.2003


Mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse wurde der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Hans-Jörg Bullinger ausgezeichnet. Baden-Württembergs Forschungsminister Prof. Peter Frankenberg überreichte ihm am 3. Dezember in Stuttgart die hohe Auszeichnung für seine besonderen Verdienste um Wissenschaft und Forschung in Deutschland.



Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

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Prof. Frankenberg betonte in seiner Würdigung, dass Hans-Jörg Bullinger in Stuttgart den größten deutschen Institutsverbund für Arbeitswissenschaft, Organisation und Technologiemanagement aufgebaut habe, der in einzigartiger Weise unterschiedliche Disziplinen vereint und mit der industriellen Praxis verknüpft. Darüber hinaus habe er die Hochschule mit innovativen Lehrangeboten bereichert. Mit neuen interdisziplinären Lehrinhalten wie dem in Deutschland einmaligen Studiengang »Technologiemanagement« sei es ihm gelungen, die thematischen Restriktionen der bisherigen Ingenieursausbildung an der Universität Stuttgart zu durchbrechen. Die Verdienste von Hans-Jörg Bullinger in der Lehre werden durch die Betreuung von über 1 000 Studien- und Diplomarbeiten, mehr als 30 Promotionen und zwei Habilitationen dokumentiert. Beleg für die überaus erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit ist die Vielzahl und Vielfalt seiner Publikationen. Bullinger verfasste unter anderem Bücher zu den Themen »Mensch - Arbeit - Neue Technologien«, »Arbeitssystem- und Arbeitsmittelgestaltung«, »Fabrik der Zukunft«, »Konstruktions- und Entwicklungsplanung«, »Integrierte Bürosysteme«, »Kosten- und Wirtschaftlichkeitsrechnung für Ingenieure«, »Target Management«, »Dienstleistungen - Innovation für Wachstum und Beschäftigung«, »Office 21«, »Business Communities«, »Wissenspool Innovation« und »Technologiemanagement«. Soeben hat er das Buch »Trendbarometer Technik« herausgegeben.

Markenzeichen von Bullingers Forschungen ist die klare Ausrichtung auf den »Mensch als Maß der Technik«. Bei allen Bestrebungen, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu steigern, stellt er den Menschen in den Mittelpunkt. Frühzeitig hat er die Bedeutung der menschengerechten Arbeitsgestaltung wissenschaftlich untersucht und in die Praxis umgesetzt. Damit hat er einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsqualität in Deutschland geleistet. Hervorzuheben sind die Modelle zur Flexibilisierung der Arbeitszeit sowie zur Entwicklung von Gruppenarbeit.

Mit dem Modell einer lernenden Organisation mit flachen Hierarchien und einem hohen Maß an Selbstverantwortung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat Bullinger einen wichtigen Beitrag zu modernen Organisationsstrukturen für die künftige Wissensgesellschaft geleistet. Bullinger arbeitet sehr eng mit der Wirtschaft, vor allem mit der mittelständischen Industrie, zusammen und unterstützte viele Unternehmen bei der erfolgreichen Teilnahme am globalen Wettbewerb. Sein derzeitiger Schwerpunkt liegt auf einer Innovationsoffensive für Deutschland. Er ist überzeugt, dass wir in Deutschland nur als innovative und kreative Nation überleben können. Der globale Wettbewerb wird über die »Brainpower« der Menschen entschieden. Deren Kreativität und Erfindungsreichtum gilt es zu erschließen und in den Unternehmen und Verwaltungen in die Praxis umzusetzen.

Bullinger geht es darum, Zukunftsvisionen nicht nur aufzuzeigen, sondern tragfähige Realisierungsmöglichkeiten zu entwickeln. Er wirkt als Vordenker und Initiator künftiger gesellschaftlicher Entwicklungen auch konkret bei der Gestaltung gesellschaftlich wichtiger Entscheidungen der Gegenwart mit. So hat er die öffentliche Diskussion der letzten Jahre um die Entwicklung der Industriegesellschaft hin zur Dienstleistungsgesellschaft entscheidend mit geprägt und die Debatte um die alternde Gesellschaft um wichtige Aspekte bereichert. Vordringlichste Aufgabe der Gesellschaft ist für ihn die Lösung des Beschäftigungsproblems. Der Weg dahin führt über Innovationen und damit über den entscheidenen Faktor »Mensch«.

Vom Lehrling bei Daimler-Benz zum Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft

Bullinger wurde am 13. April 1944 in Stuttgart geboren. Nach Volks- und Mittelschule absolvierte er bei der Daimler-Benz AG in Stuttgart-Untertürkheim eine Lehre als Betriebsschlosser und war dort anschließend als Betriebsmechaniker tätig. Danach besuchte er die Technische Oberschule in Stuttgart.

1966 begann er an der Universität Stuttgart ein Maschinenbaustudium. Nach dem Diplom promovierte Hans-Jörg Bullinger im Jahre 1974 mit Auszeichnung zum Dr.-Ing. Nur vier Jahre später, 1978, hatte er die Habilitation erfolgreich abgeschlossen. 1971 begann er als wissenschaftlicher Assistent an dem von Professor Hans-Jürgen Warnecke geleiteten Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb IFF der Universität Stuttgart. Seit 1975 war er außerdem als Leiter der Hauptabteilung Unternehmensplanung am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA tätig.

1980 erfolgte die Berufung zum ordentlichen Professor für Arbeitswissenschaft/Ergonomie an die Universität Hagen. 1981 wurde Bullinger Leiter des neu gegründeten Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart und 1982 ordentlicher Professor für Arbeitswissenschaft an der Universität Stuttgart. 1991 übernahm er außerdem die Leitung des an der Universität Stuttgart neu eingerichteten Instituts für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT, das durch einen Kooperationsvertrag mit dem IAO verbunden ist. Seit Oktober 2002 ist Hans-Jörg Bullinger Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

Franz Miller | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

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