Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leibniz-Forscherin Anna Wobus erhält den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes

14.11.2003


Dr. Anna Wobus (Bild: IPK)


Stammzellen normalisieren Blutzuckerspiegel bei Mäusen - 50.000 Euro für Grundlagenforschung mit Anwendungsbezug - langjährige exzellente Forschung mit Stammzellen gewürdigt


Dr. Anna Wobus erhält den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes in der Kategorie "Gesellschaft braucht Wissenschaft". Der Preis wurde in Zusammenarbeit mit der Leibniz-Gemeinschaft entwickelt und geht jeweils an einen Forscher aus ihren Reihen. Stifterverbands-Präsident Arend Oetker überreicht die Auszeichnung am 19. November auf der Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft. Wobus forscht seit 23 Jahren an embryonalen Stammzellen von Mäusen. Das sind Zellen, die noch nicht auf ihre spätere Aufgabe im Körper festgelegt sind und sich zu unterschiedlichen Gewebezellen wie Leber- oder Muskelzellen entwickeln können. Die am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung im sachsen-anhaltinischen Gatersleben tätige Privatdozentin ist eine der angesehensten deutschen Expertinnen auf diesem Gebiet.

"Anna Wobus ist nicht nur eine hervorragende Wissenschaftlerin, sondern hat für ihr Forschungsgebiet stets engagiert öffentlich Position bezogen. Deswegen haben wir sie dem Stifterverband als Preisträgerin vorgeschlagen", begründete Hans-Olaf Henkel, der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, die Auswahl von Wobus. "Die Jury hat eine sehr überzeugende Wahl getroffen, denn Frau Wobus ist nicht nur eine hervorragende Wissenschaftlerin, sondern sie arbeitet zugleich auf einem gesellschaftlich sensiblen Feld", sagte Dr. Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes, anlässlich der Auswahl von Anna Wobus durch die Jury.


Der Preis steht in einer Reihe mit den Wissenschaftspreisen, die der Stifterverband auf Vorschlag der großen Wissenschaftsorganisationen in unterschiedlichen Kategorien verleiht. Der Stifterverband hat den Wissenschaftspreis vor sechs Jahren initiiert, um Forscher öffentlich auszuzeichnen, die über ihre exzellente Forschung hinaus besonders zukunftsweisende Arbeitsweisen anwenden oder Wirkungen erzielen. Wobus ist die zweite Preisträgerin der Leibniz-Gemeinschaft.

Maus-Stammzellen produzieren Insulin

Maßgeblich für die Entscheidung der Jury war eine Veröffentlichung in der US-amerikanischen Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS, Blyszczuk et al., 100:998-1003, 2003). Darin berichtet Wobus über einen bedeutenden Fortschritt auf dem Weg zur Behandlung der Zuckerkrankheit (Diabetes) mit Stammzellen. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Firma DeveloGen in Göttingen gelang es der Arbeitsgruppe von Anna Wobus, embryonale Stammzellen der Maus so zu programmieren, dass sie Insulin, das Blutzucker regulierende Hormon, produzieren. Nach Übertragung der Zellen in Versuchstiere normalisierte sich der Blutzuckerspiegel der zuckerkranken Mäuse.

Wobus warnt allerdings vor übertriebenen Hoffnungen auf eine baldige Behandlung menschlicher Leiden mit Stammzellen. "Um mit Stammzellen heilen zu können, muss man wissen, wie man die Stammzellen in reiner Form gewinnt, wie man sie effektiv vermehrt und daraus den gewünschten Zelltyp entwickelt, und wie man verhindert, dass sie später in krankhafter Form wuchern." All diese Fragen seien heute noch weitgehend offen, so Wobus.

Die im Vogtland geborene und in der DDR aufgewachsene Forscherin arbeitet seit 23 Jahren in Gatersleben. Der kleine Ort ist vor allem durch das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung bekannt. Hier gibt es eine berühmte Kulturpflanzenbank mit mehr als 150.000 Pflanzenmustern, und mittlerweile entwickelt sich rund um die Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft ein Standort der grünen Biotechnologie. Die Forschung der Arbeitsgruppe von Anna Wobus ist in diesem Rahmen ein wenig exotisch, aber sehr erfolgreich. Nach dem Studium in Greifswald kam sie 1969 als wissenschaftliche Mitarbeiterin nach Gatersleben in die Abteilung für Zytogenetik, der Wissenschaft, die sich mit den Strukturen der Vererbung in den Zellen befasst. Sie begann an kultivierten Säugerzellen zu erforschen, welche genetischen Veränderungen chemische Mutagene in Zellen auslösen, und entwickelte zytogenetische Testsysteme für die Mutationsforschung. Aus diesen Arbeiten entstand Ende der siebziger Jahre eine neue Forschungsrichtung am Institut, die Entwicklungsbiologie. Verwendet wurden dabei embryonale Stammzellen, die damals noch aus Tumoren von Keimzellen isoliert wurden. Der nächste Schritt war dann in den frühen achtziger Jahren die direkte Gewinnung von embryonalen Stammzellen aus Mäuseembryonen. In dieser Zeit interessierte sich kaum jemand für Zellen, die in Kultur zu spezialisierten Zellen heranwuchsen. Gerade für den Menschen gab es damals keine Visionen. "Ein Nischenthema - so habe ich es bis 1998 empfunden," erklärt Anna Wobus. 1998 wurden in den USA die ersten embryonalen Stammzellen aus menschlichen Embryonen in Kultur etabliert. Damit wurde das Thema hochinteressant.

Neben ihrer eigenen wissenschaftlichen Arbeit koordiniert Anna Wobus das Schwerpunktprogramm 1109 der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Thema "Embryonale und somatische Stammzellen" und ist Mitglied verschiedener Ethikkommissionen. Sie hat sich klar gegen das reproduktive Klonen ausgesprochen, befürwortet jedoch die kontrollierte Forschung an embryonalen Stammzellen des Menschen.

Kontakt: Dr. Anna M. Wobus, Telefon: 039482-5256, Fax : -5481, email: wobusam@ipk-gatersleben.de

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft entwickelt Förderprogramme und unterstützt Initiativen, die exemplarisch zur Lösung von strukturellen Problemen in Hochschule und Wissenschaft beitragen. Näheres unter www.stifterverband.org.

Der Leibniz-Gemeinschaft gehören das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung und 79 weitere außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung mit 12.400 Mitarbeitern und einem Gesamtetat von 950 Millionen Euro an.

Dr. Frank Stäudner | idw
Weitere Informationen:
http://www.leibniz-gemeinschaft.de
http://www.stifterverband.org
http://www.ipk-gatersleben.de

Weitere Berichte zu: Stammzelle Stifterverband Wissenschaftspreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Künstliche Intelligenz erobert die Fahrzeugentwicklung
21.09.2018 | Technische Universität Berlin

nachricht Preis für Arbeit über autonomes Fahren
11.09.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics