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Fast elf Millionen Euro für MDC-Genomforschung in den letzten Jahren

31.10.2003


Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin Buch hat vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Zeitraum von 2001 - 2004 rund elf Millionen Euro für die Genomforschung im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) erhalten. 13 der 57 Forschungsgruppen am MDC, und damit über 22 Prozent der Forschungsgruppen, erhielten NGFN-Fördermittel. "Ohne die Unterstützung aus dem Nationalen Genomforschungsnetz gäbe es am MDC keine Genomforschung", machte Prof. Detlev Ganten, MDC-Stiftungsvorstand, am Freitag auf einer Pressekonferenz mit Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn in Berlin anläßlich der Bekanntgabe zur Weiterförderung des NGFN deutlich. Er begrüßte, dass das Ministerium die "erfolgreiche Forschung im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetzes" fortsetzt.



Weiter erläuterte Prof. Ganten die Bereiche des MDC, die durch das NGFN gefördert wurden. Seit mehreren Jahren verfügt das MDC über ein Genkartierungszentrum (Gene Mapping Center), das inzwischen über 50 monogene, auf jeweils einem Gendefekt beruhende Erkrankungen kartiert hat. Erst kürzlich gelang es den Wissenschaftlern dort, einen Zusammenhang zwischen einem wichtigen Gen des Phosphatstoffwechsels und der Arterienverkalkung nachzuweisen. Inzwischen erlauben neueste Chip-Technologien die Bearbeitung von Kartierungsprojekten in wenigen Wochen. "Das bedeutet, dass in Zusammenarbeit mit der Bioinformatik hier eine unschätzbare Expertise für die deutsche Genomforschung entwickelt worden ist. Dank der Förderung durch das NGFN konnte das MDC-Genkartierungszentrum erheblich erweitert werden. Als Leitzentrum koordiniert es die so genannte Nationale Genotypisierungsplattform", sagte Prof. Ganten. Er wies darauf hin, dass eine sehr leistungsfähige Genotypisierung mit genetischen Markern von großer Bedeutung für die Identifizierung krankheitsrelevanter Gene bei komplexen Erkrankungen ist. Damit sei der entscheidende Grundstein für die Erkennung veränderter (mutierter) Gene für Epilepsie, Asthma und Neurodermitis gelegt worden.

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Die Genomforschung erfolgt am MDC in der Herz-Kreislauf- sowie Krebsforschung und in den Neurowissenschaften. Die Wissenschaftler erforschen dabei zum Beispiel die Blutdruckregulation, den Nierenstoffwechsel, die Herzfunktion und den Fettstoffwechsel, weiter die Entstehung von Lymphomen und die Funktion des Immunsystems sowie die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen wie Chorea Huntington, Alzheimer und Parkinson.

Ein auf der Genomforschung aufbauender Bereich ist die Forschung an Proteinen, den Baustoffen und Maschinen des Lebens, deren Bauanleitung in den Genen enthalten ist. In diesem Zusammenhang ermöglichte es die Förderung durch das NGFN beispielsweise der MDC-Forschungsgruppe von Prof. Erich Wanker, "international wegweisende Untersuchungen zu Protein-Protein-Wechselwirkungen" durchzuführen. Sie erfolgten in enger Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe von Prof. Hans Lehrach vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, aus der die Forschungsgruppe von Prof. Wanker hervorgegangen ist. Protein-Protein-Wechselwirkungen sind von großer Bedeutung für das Verständnis biologischer Prozesse und für die Entstehung von Krankheiten.

Prof. Wanker und seine Mitarbeiter konnten im Rahmen des NGFN bisher rund zehn Prozent aller menschlichen Gene bzw. deren Proteine auf Protein-Protein-Interaktionen hin untersuchen. Sie testeten hierfür über 20 Millionen Protein-Paare mit Hilfe von Robotersystemen und fanden dabei 3 380 Protein-Protein-Interaktionen. Mit Hilfe dieser funktionellen Vernetzung von Proteinen wird es bei einer Vielzahl von Erkrankungen erstmals möglich sein, Krankheitsursachen besser zu verstehen und möglicherweise in Zukunft neue medikamentöse Therapien zu entwickeln, die Krankheiten ursächlich bekämpfen.

189 der bisher gefundenen Protein-Protein-Interaktionen stehen zum Beispiel in direktem Zusammenhang mit Chorea Huntington. Das ist eine tödlich verlaufende neurodegenerative Erkrankung, bei der Ablagerungen (Aggregate) des Huntingtin-Proteins zum Absterben von Gehirnzellen führen. Prof. Wanker und seinen Mitarbeitern gelang es zum einen, Proteine zu identifizieren, die mit dem Huntingtin-Protein wechselwirken und dadurch deutlich zur Entstehung dieser gefährlichen Ablagerungen beitragen. Zum anderen konnten die Forscher mittlerweile chemische Substanzen identifizieren, die diesen krankmachenden Aggregations-Prozess bei Chorea Huntington und ähnliche Prozesse bei Alzheimer und Parkinson verhindern bzw. deutlich verlangsamen. "Die Forschungsgruppe hat damit erstmals Perspektiven für eine ursächliche Behandlung dieser Erkrankungen geschaffen", betonte Prof. Ganten. Doch werde es noch viele Jahre dauern, bis möglicherweise eine ursächliche Therapie zur Verfügung stehen wird.

"Aus der Genomforschung sind nicht nur wissenschaftliche Initiativen entstanden, sondern auch direkte wirtschaftliche Anwendungen", sagte Prof. Ganten. Er vertrat die Auffassung, dass ohne die Unterstützung der Genomforschung der Aufschwung in der Biotechnologie in Deutschland nicht möglich gewesen wäre. Er wies darauf hin, dass in Berlin-Buch in den letzten Jahren ein Biotechnologiepark mit etwa 40 Firmen entstanden ist.

Das MDC ist eine von 15 Einrichtungen der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Es wird zu 90 Prozent vom Bund und zu zehn Prozent vom Land Berlin finanziert. Das MDC ist in den Forschungsbereich Gesundheit der Helmholtz-Gemeinschaft eingebunden, an dem insgesamt zehn Helmholtz-Zentren mitwirken. Beteiligt sind daran aber vor allem neben dem MDC das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ, Heidelberg), die Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF, Braunschweig), das GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (Neuherberg).

Barbara Bachtler | idw
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de

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