Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäischer Forschungspreis 2003 für Wissenschaftler im Kompetenznetz Rheuma

08.07.2003


Prämierte Arbeiten gelten als Meilensteine in Diagnose und Therapie von Morbus Bechterew



Zu den quälenden Schmerzen kommt die jahrelange Ungewissheit: Menschen, die an ankylosierenden Spondylitis (auch: Morbus Bechterew) leiden, haben meist eine Odyssee durch die Praxen verschiedenster Ärzte hinter sich, bis sie erfahren, woran sie wirklich leiden. Und noch immer gibt es für diese Erkrankung keine Heilung. Einem Forscherteam des Kompetenznetzes Rheuma um die Rheumatologen Joachim Sieper vom Berliner Universitätsklinikum Benjamin Franklin und Jürgen Braun vom Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne, ist es jedoch jüngst gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem sich die Erkrankung heute früher und zuverlässiger als bisher erkennen lässt. Vor allem aber haben die Forscher kürzlich eine Therapie gefunden, mit der sich erstmals nicht nur die Schmerzen lindern, sondern auch die zerstörerischen Entzündungsvorgänge zurückdrängen lassen. Für ihre Arbeiten wurden sie jetzt mit dem Forschungspreis 2003 des Verbandes der europäischen Rheumaforschungsgesellschaften EULAR (European League against Rheumatism) ausgezeichnet. Der Preis, der mit 30.000 Euro dotiert ist, wird seit drei Jahren für herausragende, institutsübergreifende Kooperationen verliehen und geht stets an das gesamte Team.



Die ankylosierende Spondylitis ist eine chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung. Die häufig recht jungen Patienten leiden unter zum Teil erheblichen Rückenschmerzen, die vorwiegend durch die Entzündung bedingt sind. Mit der Zeit können sich viele der Betroffenen immer schlechter bewegen. Denn irgendwann greift Krankheit auch die Knochen an: Teile davon werden zerstört, Wirbelkörper verknöchern untereinander - im schlimmsten Fall so stark, dass die Wirbelsäule in extrem gekrümmter Form versteift. Doch obwohl die Krankheit nicht besonders selten ist - schätzungsweise eine halbe Million Menschen in Deutschland leiden daran - wird sie selbst von Mediziner oft verkannt. Die Folge sind Fehldiagnosen, die mitunter fatale Fehltherapien bis hin zu nutzlosen Bandscheibenoperationen nach sich ziehen.

Gemeinsam mit Radiologen des Universitätsklinikums konnte das Team um Braun und Sieper in den vergangenen Jahren eine Art ’Checkliste’ von verschiedenen klinischen Werten und Befunden entwickeln, mit der sich die Krankheit heute mit einer Zuverlässigkeit von 95 Prozent diagnostizieren lässt. Zentraler Bestandteil dieses Algorithmus’ ist eine spezifische Kernspintomografie, mit der sich der für die Krankheit typische entzündliche Rückenschmerz bereits in einem frühen Stadium sichtbar machen lässt. Hinzu kommen weitere Indikatoren wie etwa der genetische Marker HLA-B27 oder eine Entzündung der Regenbogenhaut im Auge.

Allerdings gab es bisher für die Patienten im Wesentlichen nur zwei rein symptomatische Behandlungsmöglichkeiten: 1. Schmerzbeseitigung durch so genannte nicht-steroidale Antiphlogistika und 2. Krankengymnastik, um der Versteifung und Verkrümmung der Wirbelsäule entgegenzuwirken.

In einer klinischen Studie konnten die Forscher um Sieper und Braun nun zeigen, dass sich die Krankheitsaktivität mit neuen biologischen Medika-menten aus der Gruppe der Tumor-Nekrose-alpha-Blocker drastisch reduzieren lässt. "Mehr als 80 Prozent der Behandelten zeigten nach dreimonatiger Therapie eine klinische Besserung. Bei mehr als der Hälfte der Patienten hat sich die Krankheitsaktivität sogar um über die Hälfte reduziert", berichtet Jürgen Braun. TNF-alpha ist ein körpereigener Botenstoff, der bei einigen chronisch-entzündlichen Erkrankungen eine maßgebliche Rolle spielt. TNF-alpha-Blocker sind Medikamente, die diesen Botenstoff gezielt hemmen und unschädlich machen.

Die Studie wurde in Berlin geplant und verdankt ihre zügige und erfolgreiche Umsetzung auch der gelungenen Vernetzung rheumato-logischer Institutionen im Kompetenznetz Rheuma. Insgesamt acht Kliniken aus ganz Deutschland brachten Patienten in die Studie ein. Beteiligt waren auch Forscher des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums in Berlin. Schon jetzt gilt die Studie als Meilenstein in der Behandlung dieser zum Teil mit schwerer Behinderung einhergehenden Wirbelsäulenentzündung. In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher nun klären, ob sich die Krankheit mit Hilfe von TNF-alpha-Blockern auch langfristig stoppen lässt. Mit ersten Ergebnissen rechnen sie in zwei bis drei Jahren.

Das Kompetenznetz Rheuma ist ein bundesweiter Zusammenschluss der rheumatologischen Kliniken und Praxen mit den wichtigsten Forschungs-einrichtungen in Deutschland. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert dieses Netzwerk, damit neue Erkenntnisse aus den Laboren möglichst rasch Patienten zugute kommen können.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. med. Jochen Sieper
Leiter der Abteilung Rheumatologie am
Universitätsklinkum Benjamin Franklin
Freie Universität zu Berlin
Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin
Tel: 030 - 8445 4547
Fax: 030 - 8445 4582
E-Mail: hjsieper@zedat.fu-berlin.de

Dr. Cornelia Rufenach | idw
Weitere Informationen:
http://www.rheumanet.org
http://www.eular.org

Weitere Berichte zu: Forschungspreis Spondylitis Wirbelsäule

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Innovativ durch Forschung
22.07.2020 | time4you GmbH

nachricht Sicherheitsspezialist dormakaba mit dem Goldenen PROTECTOR Award ausgezeichnet
21.07.2020 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics