Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochdotierte US-Stipendien für deutsche Klimaforscher

21.11.2002


Für den Bremer Klimaforscher Dr. Helge Arz und seinen Potsdamer Kollegen Prof. Stefan Rahmstorf findet die Bescherung bereits vor dem Weihnachtsfest statt: Von der amerikanischen Gary Comer-Stiftung erhalten die beiden Wissenschaftler in diesen Tagen Forschungsstipendien in Höhe von je 300.000 Dollar.

... mehr zu:
»Stipendium

Mit der großzügigen Unterstützung werden Arz und Rahmstorf in den kommenden drei Jahren die Dynamik plötzlicher Klimaumschwünge untersuchen. Ein hoch aktuelles Thema, wie die Diskussion um schwindende antarktische Schelfeise oder um das mögliche Versiegen des Nordatlantikstroms zeigt.

Die Idee, solche Stipendien zu vergeben, kam dem amerikanischen Multimillionär Gary Comer, nachdem er mit seiner 50-Meter-Yacht überraschend die legendäre Nordwest-Passage durchsegelt hatte. Normalerweise ist dieser Seeweg zwischen Grönland und Alaska von Packeis blockiert, und die Durchfahrt ist bislang nur wenigen Schiffen gelungen, zumeist Eisbrechern. Comer fragte sich besorgt, ob sein Seglerglück den Auswirkungen der jüngsten Klimaerwärmung zu verdanken sei. In Gesprächen mit renommierten amerikanischen Klimaforschern entwickelte der begeisterte Segler die Idee, mit Geldern seiner "Comer Foundation" die Erforschung rascher Klimawechsel und ihre möglicherweise bedrohlichen Folgen nachhaltig zu fördern.


Für zwei der zehn vergebenen Stipendien fiel die Wahl dabei auf deutsche Forscher: Stefan Rahmstorf und Helge Arz, deren Arbeiten auf diesem Gebiet damit erneut internationale Anerkennung finden. Die den beiden Wissenschaftlern jetzt zugesprochenen Stipendien werden in drei Projekte fließen:

  • Stefan Rahmstorf, Professor für Physik der Ozeane am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, möchte zum einen die Stabilität klimarelevanter Meeresströmungen im Südpolarmeer untersuchen. Er vermutet, dass sich diese auch auf das Klima auf der Nordhalbkugel auswirken. Im Brennpunkt steht dabei ein wichtiges Puzzleteil des globalen Klimageschehens: das eiskalte antarktische Bodenwasser; es sinkt vom Eisrand des sechsten Kontinents in die Tiefen vor allem des Atlantiks ab und breitet sich dort nordwärts bis weit jenseits des Äquators aus.

  • Klimamodelle kommen auch im zweiten Projekt Rahmstorfs zum Einsatz. Dabei geht es um die Stabilität antarktischer Schelfeise. Schelfeis befindet sich an der Nahtstelle zwischen dem Kontinentaleis und dem Ozean. In der Klimageschichte ist es immer wieder zu Instabilitäten der Eismassen gekommen. Die Mechanismen dieser Instabilitäten besser zu verstehen ist wichtig, weil befürchtet wird, dass durch die Erderwärmung große Teile des antarktischen Schelfeises aufbrechen könnten.

  • Helge Arz vom DFG-Forschungszentrum Ozeanränder an der Universität Bremen war an mehreren Expeditionen mit dem Forschungsschiff "Meteor" beteiligt, die in tropische und subtropische Breiten führten. Ihm geht es darum, rasche Klimawechsel, die sich während und nach der letzten Kaltzeit abspielten, nachzuzeichnen. Diese Umschwünge sind in den Ablagerungen am Meeresboden archiviert. Der Bremer Meeresforscher möchte mehr darüber erfahren, welche Rolle der tropische Ozean und die darüber liegende Atmosphäre im globalen Klimageschen spielten. Reagierten die Tropen lediglich auf plötzliche Klimaveränderungen in der Arktis oder lösten sie diese maßgeblich mit aus. Und vor allem: welche Lehren sind aus diesem Wechselspiel zwischen tropischen und polaren Breiten für unsere Klimazukunft zu ziehen?

"Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir jetzt in der Lage sind, Mitarbeiter einzustellen, mit denen wir diesen Fragen auf den Grund gehen werden", sagt Dr. Helge Arz. Und Stefan Rahmstorf ergänzt: "Dies umso mehr als es durchaus ungewöhnlich ist, dass so hoch dotierte amerikanische Stipendien nach Europa vergeben werden.

Dies ist eine gemeinsame Pressemitteilung des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und des DFG-Forschungszentrums Ozeanränder Bremen.

Informationen:

Albert Gerdes
MARUM / DFG Forschungszentrum
Tel. 0421 - 218-7761
Mail: agerdes@marum.de

Albert Gerdes | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de
http://www.pik-potsdam.de/~stefan
http://www.rcom-bremen.de/page.php?PageID=181

Weitere Berichte zu: Stipendium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics