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Joseph-von-Fraunhofer-Sonderpreis 2002 für Berliner Forscher

23.10.2002


Dara Fatehi-Varkani vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) Berlin sowie vier Ingenieure aus zwei weiteren Fraunhofer-Instituten sind die Gewinner des diesjährigen Sonderpreises der Fraunhofer-Gesellschaft für herausragende wissenschaftliche Leistungen. Für ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zum Thema "Sicherheit der Radtechnik im Schienenverkehr" erhalten die Preisträger den mit 20 000 Euro dotierten Preis am 23. Oktober 2002 auf dem "Fest der Forschung" der Fraunhofer-Gesellschaft in Stuttgart-Ludwigsburg.

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Fatehi hat geschafft, was viele für unmöglich hielten: Im Auftrag des Werkzeugmaschinenherstellers Hegenscheidt-MFD GmbH entwickelte er ein Messsystem, das die Radgeometrie von Schienenfahrzeugen optisch ermittelt. Aus Sicherheitsgründen müssen insbesondere die Räder von Hochgeschwindigkeitszügen wie dem ICE regelmäßig inspiziert werden. Fatehi’s Prüfsystem arbeitet berührungslos, vollautomatisch und bei jedem Wetter. Mittlerweile wurde es weltweit neunmal installiert, neben Deutschland auch in den USA, Russland und Korea.

Das neue System, das Fatehi von 1998 bis 2001 am Fraunhofer IPK entwickelt hat, spart kostbare Zeit und Personal. Bisher kontrollierten Technikerteams die Räder des ICE auf sichtbare Schäden und erfassten Durchmesser sowie Laufflächenprofile. Nach bestimmten Laufzeiten wurden die Radsätze komplett ausgebaut, ihre Profile erneuert und mit Ultraschalltechnik auf Materialfehler untersucht. Die optische Inspektion von ICE Rädern dagegen dauert nur wenige Sekunden und wird automatisch ausgelöst, wenn der Zug über eine in das Gleis integrierte Messstation rollt. Laser projizieren ein Linienmuster auf die Laufflächen der Räder. Kameras erfassen diese Muster und leiten sie an ein Auswertungssystem weiter, das aus den Bilddaten die Profile der Laufflächen sowie den Durchmesser der Räder errechnet.


Diese Daten geben Auskunft über den Verschleiß der Radsätze und eventuelle Sicherheitsrisiken. Schienenschäden und Weichenstörungen können so vermieden und der Fahrkomfort für Reisende gewährleistet werden. Darüber hinaus erhöht das neue Prüfsystem die Verfügbarkeit von Zügen im modernen Hochgeschwindigkeitsverkehr und sichert die Mobilität der Bahnkunden. "Unser System liefert sehr schnell sehr genaue Ergebnisse und das, ohne den normalen Fahrbetrieb zu unterbrechen", erklärt Fatehi. Die kontinuierliche Wartung der Züge wird damit wesentlich erleichtert.

Technisch machbare und ingenieurwissenschaftlich sinnvolle Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme zu finden, ist Fatehi’s Credo als Wissenschaftler und Forscher. Dabei interessiert ihn vor allem die Anwendbarkeit seiner Entwicklungen. "Eine gute Idee allein reicht nicht, sie muss auch realisierbar und von Nutzen sein", so Fatehi. Das System für die optische Radgeometrievermessung wird bereits von Amtrak in Washington D.C./USA, der Deutschen Bahn in Frankfurt am Main, München und Hamburg sowie der Berliner S-Bahn eingesetzt. Zurzeit entwickelt Fatehi weitere Verfahren, um die Genauigkeit der Prüfsysteme zu erhöhen und neue Anwendungsbereiche zu erschließen.

Zur Person

Dara Fatehi-Varkani wurde 1948 im Iran geboren und kam vor 37 Jahren nach Deutschland. Nach seinem Studium der Elektrotechnik an der Fachhochschule Konstanz und der Technischen Universität Berlin war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb der TU Berlin tätig. Seit 1983 arbeitet Fatehi am Fraunhofer IPK im Bereich Sicherheits- und Prüftechnik. Für seine FuE-Arbeiten auf dem Gebiet der Optischen Radgeometrievermessung von Schienenfahrzeugen im Überfahrbetrieb erhält er zusammen mit vier Ingenieuren aus zwei weiteren Fraunhofer-Instituten am

23. Oktober 2002 den Joseph-von-Fraunhofer-Sonderpreis.

Joseph-von-Fraunhofer-Preis

Seit 1978 verleiht die Fraunhofer-Gesellschaft alljährlich Preise für herausragende wissenschaftliche Leistungen ihrer Mitarbeiter, die anwendungsnahe Probleme lösen. Mehr als 200 Forscherinnen und Forscher haben diesen Preis inzwischen gewonnen. In diesem Jahr werden drei reguläre Preise mit jeweils 10 000 Euro vergeben; der Sonderpreis ist mit 20 000 Euro dotiert.

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:
Dipl.-Ing. Dara Fatehi-Varkani
Telefon: +49 (0)30 / 39006-198
Telefax: +49 (0)30 / 3917517
Email: fatehi@ipk.fhg.de

| Fraunhofer IPK

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