Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leibniz-Forscher Eberhard Fuchs erhält den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes

23.10.2002


Göttinger Primaten-Forscher beweist: Gehirnzellen wachsen doch nach - Wirkungsweise von Antidepressiva aufgeklärt - vielversprechende Ansätze für neue antidepressive Medikamente.


Die feierliche Preisverleihung findet auf der Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft am 28.11.2002 in Berlin statt.

Der Preis steht in einer Reihe mit den Wissenschaftspreisen, die der Stifterverband auf Vorschlag der großen Wissenschaftsorganisationen in unterschiedlichen Kategorien verleiht. Der Stifterverband hat den Wissenschaftspreis vor fünf Jahren initiiert, um Forscher öffentlich auszuzeichnen, die über ihre exzellente Forschung hinaus besonders zukunftsweisende Arbeitsweisen anwenden oder Wirkungen erzielen. Die Leibniz-Gemeinschaft wurde Anfang dieses Jahres in die Reihe der vorschlagenden Organisationen aufgenommen und erhält den Preis in diesem Jahr erstmals.


"Die Leibniz-Gemeinschaft steht für uns in einer Reihe mit den großen deutschen Wissenschaftsorganisationen und die Auswahl des ersten Preisträgers bestätigt, dass hier exzellente zukunftsweisende Forschungsarbeit geleistet wird", sagte Dr. Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes, anlässlich der Auswahl von Eberhard Fuchs durch die Jury.

Die Zuerkennung des Preises sei eine große Anerkennung für die Leibniz-Gemeinschaft und ihre Wissenschaftler, betonte Henkel. Und Preisträger Fuchs freute sich: "Den Preis sehe ich als Anerkennung der Arbeit eines interdisziplinären Forscherteams."

"Die Grundlagenforschung von Professor Fuchs ist nicht nur hervorragend, sondern sie hat auch direkten Nutzen in der Praxis. Deswegen haben wir ihn dem Stifterverband als Preisträger vorgeschlagen", begründete Hans-Olaf Henkel, der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, die Auswahl von Fuchs.

Prof. Dr. Eberhard Fuchs erhält den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes in der Kategorie "Gesellschaft braucht Wissenschaft". Der Preis wurde in Zusammenarbeit mit der Leibniz-Gemeinschaft entwickelt und geht jeweils an einen Forscher aus ihren Reihen. Fuchs erforscht mit seiner Arbeitsgruppe am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen, einer Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft, die Spuren, die Stress im Gehirn hinterlässt. Er konnte in Tierexperimenten erstmals erklären, worauf die lindernde Wirkung der gängigen Medikamente gegen Depressionen beruht. Daraus ergeben sich vielversprechende Ansätze für die Entwicklung neuer antidepressiver Medikamente und damit bessere Behandlungsmöglichkeiten für die rund zehn Prozent der Bevölkerung, die im Lauf ihres Lebens depressive Erkrankungen erleiden.

Gehirnzellen wachsen doch nach

Fuchs und andere Wissenschaftler konnten in den vergangenen Jahren zeigen, dass sich auch im erwachsenen Gehirn ständig neue Nervenzellen bilden. Das steht im Widerspruch zu der traditionellen Lehrmeinung, nach der das erwachsene Gehirn höherer Wirbeltiere (einschließlich des Menschen) keine regenerativen Fähigkeiten besitzt. Aber die Göttinger Experimente an Tupaias (Spitzhörnchen, die den Primaten sehr ähneln) brachten an den Tag, dass sich insbesondere im so genannten Gyrus dentatus ständig neue Nervenzellen bilden. Weitergehende Untersuchungen zeigten, dass unter Stress die Neubildungsrate der Nervenzellen in dieser Region des Gehirns deutlich abnimmt. Die Fachleute sprechen von einer eingeschränkten Plastizität des Gehirns. "Damit wurde zum ersten Mal nachgewiesen, dass psychosozialer Stress klare morphologische Veränderungen in einem Hirngebiet induziert, das eine wichtige Rolle bei Lern- und Gedächtnisvorgängen spielt", erklärt Fuchs das überraschende Ergebnis.

Wirkungsweise von Antidepressiva aufgeklärt - Chancen für bessere Medikamente

Antidepressiva wie das Medikament Tianeptine (StablonÒ) stellen diese Plastizität teilweise wieder her. Darauf beruht eine ihrer Wirkungen, wie Fuchs und seine Gruppe unlängst in weiteren Untersuchungen an Tupaias herausfanden. Die Neubildungsrate von Nervenzellen steigt wieder an, der Hirnstoffwechsel normalisiert sich. Diese Experimente machen erstmals klar, wie die eingesetzten Medikamente wirken. Das öffnet neue Perspektiven für die Entwicklung besserer Psychopharmaka und damit eine gezieltere Behandlung der Betroffenen.

Zur Person Eberhard Fuchs

Eberhard Fuchs geboren 1947 und aufgewachsen in München - dort auch studiert (Biologie und Chemie) - nach dem Staatsexamen Beginn der Promotionsarbeit bei Prof. Autrum über sozialen Stress bei Tupai. 1975 begann eine nordwärts gerichtete Wanderbewegung. Sie führte zunächst für knappe sieben Jahre an die neugegründete Universität Bayreuth. Von dort ging es weiter nach Göttingen an das im Aufbau befindliche Deutsche Primatenzentrum. Hier arbeitete er zunächst in der Abteilung Reproduktionsbiologie und seit 1990 in der Abteilung Neurobiologie.

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft entwickelt Förderprogramme und unterstützt Initiativen, die exemplarisch zur Lösung von strukturellen Problemen in Hochschule und Wissenschaft beitragen. Der Stifterverband versteht sich dabei als unkonventionelle Ideenschmiede und als Moderator in einem überbürokratisierten Wissenschaftssystem, das kontinuierlich neue Freiräume und kritische Anstöße braucht. Die besondere Rolle des Stifterverbandes im deutschen Wissenschaftssystem besteht in seiner Networkerfunktion zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz

Der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz gehören das Deutsche Primatenzentrum und 78 weitere außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung an. Das Spektrum der Leibniz-Institute ist breit gefächert und reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute beschäftigen rund 12.000 Mitarbeiter und haben einen Gesamtetat von 820 Millionen Euro. Sie arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär und sind von überregionaler Bedeutung. Da sie Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse betreiben, werden sie von Bund und Ländern gemeinsam gefördert.

Prof. Dr. Eberhard Fuchs
Telefon: 0551/38 51 130
Fax: 0551/38 51 307
E-Mail: efuchs@gwdg.de

Dr. Frank Stäudner
Telefon: 030/20604942
E-Mail: staudner@wgl.de

Dr. Angela Lindner
Telefon: 0201/8401158
Email: a.lindner@stifterverband.de

Dr. Frank Stäudner | idw
Weitere Informationen:
http://www.wgl.de
http://www.dpz.gwdg.de
http://www.stifterverband.org

Weitere Berichte zu: Nervenzelle Stifterverband Wissenschaftspreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Autonomes Fahren mit Blockchain: Bayreuther Studierende siegen im internationalen MOBI-Wettbewerb
18.02.2019 | Universität Bayreuth

nachricht 350.000 Euro für Forschung zu Genom-Editierung
11.02.2019 | Universität Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Materialdesign in 3D: vom Molekül bis zur Makrostruktur

Mit additiven Verfahren wie dem 3D-Druck lässt sich nahezu jede beliebige Struktur umsetzen – sogar im Nanobereich. Diese können, je nach verwendeter „Tinte“, die unterschiedlichsten Funktionen erfüllen: von hybriden optischen Chips bis zu Biogerüsten für Zellgewebe. Im gemeinsamen Exzellenzcluster „3D Matter Made to Order” wollen Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Heidelberg die dreidimensionale additive Fertigung auf die nächste Stufe heben: Ziel ist die Entwicklung neuer Technologien, die einen flexiblen, digitalen Druck ermöglichen, der mit Tischgeräten Strukturen von der molekularen bis zur makroskopischen Ebene umsetzen kann.

„Der 3D-Druck bietet gerade im Mikro- und Nanobereich enorme Möglichkeiten. Die Herausforderungen, um diese zu erschließen, sind jedoch ebenso gewaltig“, sagt...

Im Focus: Diamanten, die besten Freunde der Quantenwissenschaft - Quantenzustand in Diamanten gemessen

Mithilfe von Kunstdiamanten gelang einem internationalen Forscherteam ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Hightech-Anwendung von Quantentechnologie: Erstmals konnten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen den Quantenzustand eines einzelnen Qubits in Diamanten elektrisch zu messen. Ein Qubit gilt als die Grundeinheit der Quanteninformation. Die Ergebnisse der Studie, die von der Universität Ulm koordiniert wurde, erschienen jüngst in der renommierten Fachzeitschrift Science.

Die Quantentechnologie gilt als die Technologie der Zukunft. Die wesentlichen Bausteine für Quantengeräte sind Qubits, die viel mehr Informationen verarbeiten...

Im Focus: Wasser ist homogener als gedacht

Um die bekannten Anomalien in Wasser zu erklären, gehen manche Forscher davon aus, dass Wasser auch bei Umgebungsbedingungen aus einer Mischung von zwei Phasen besteht. Neue röntgenspektroskopische Analysen an BESSY II, der ESRF und der Swiss Light Source zeigen jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Bei Raumtemperatur und normalem Druck bilden die Wassermoleküle ein fluktuierendes Netz mit durchschnittlich je 1,74 ± 2.1% Donator- und Akzeptor-Wasserstoffbrückenbindungen pro Molekül, die eine tetrahedrische Koordination zwischen nächsten Nachbarn ermöglichen.

Wasser ist das „Element“ des Lebens, die meisten biologischen Prozesse sind auf Wasser angewiesen. Dennoch gibt Wasser noch immer Rätsel auf. So dehnt es sich...

Im Focus: Licht von der Rolle – hybride OLED ermöglicht innovative funktionale Lichtoberflächen

Bislang wurden OLEDS ausschließlich als neue Beleuchtungstechnologie für den Einsatz in Leuchten und Lampen verwendet. Dabei bietet die organische Technologie viel mehr: Als Lichtoberfläche, die sich mit den unterschiedlichsten Materialien kombinieren lässt, kann sie Funktionalität und Design unzähliger Produkte verändern und revolutionieren. Beispielhaft für die vielen Anwendungsmöglichkeiten präsentiert das Fraunhofer FEP gemeinsam mit der EMDE development of light GmbH im Rahmen des EU-Projektes PI-SCALE auf der Münchner LOPEC (19. bis 21. März 2019), erstmals in Textildesign integrierte hybride OLEDs.

Als Anbieter von Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen auf dem Gebiet der organischen Elektronik setzt sich das Fraunhofer FEP schon lange mit der...

Im Focus: Light from a roll – hybrid OLED creates innovative and functional luminous surfaces

Up to now, OLEDs have been used exclusively as a novel lighting technology for use in luminaires and lamps. However, flexible organic technology can offer much more: as an active lighting surface, it can be combined with a wide variety of materials, not just to modify but to revolutionize the functionality and design of countless existing products. To exemplify this, the Fraunhofer FEP together with the company EMDE development of light GmbH will be presenting hybrid flexible OLEDs integrated into textile designs within the EU-funded project PI-SCALE for the first time at LOPEC (March 19-21, 2019 in Munich, Germany) as examples of some of the many possible applications.

The Fraunhofer FEP, a provider of research and development services in the field of organic electronics, has long been involved in the development of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Unendliche Weiten: Geophysiker nehmen den Weltraum ins Visier

21.02.2019 | Veranstaltungen

Tagung rund um zuverlässige Verbindungen

20.02.2019 | Veranstaltungen

LastMileLogistics Conference in Frankfurt befasst sich mit Lieferkonzepten für Ballungsräume

19.02.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Materialdesign in 3D: vom Molekül bis zur Makrostruktur

21.02.2019 | Verfahrenstechnologie

Neue Mechanismen der Regulation von Nervenstammzellen

21.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Fledermäusen auf der Spur: Miniatur-Sensoren entschlüsseln Mutter-Kind-Beziehung

21.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics