Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erinnerte Geschichte bei Serben und Kroaten

24.07.2002


VolkswagenStiftung fördert Mehrgenerationenstudien des Wittener Sozialpsychologen Harald Welzer

Eine bedeutende Summe für ein bedeutendes Projekt: Mit 270.000 Euro fördert die VolkswagenStiftung das Forschungsprojekt "Vergleichende Tradierungsforschung", ein Berlin-Wittener Forschungsvorhaben, an dem Prof. Dr. Harald Welzer vom Studium fundamentale der Universität Witten/Herdecke und Prof. Dr. Holm Sundhaussen von der Freien Universität Berlin gemeinsam arbeiten.
Wie verlaufen Prozesse der Überlieferung von Vergangenheitsvorstellungen in Südosteuropa? Diese zentrale Frage führt das Berlin-Wittener Forscherteam um Welzer und Sundhaussen in den nächsten beiden Jahren nach Serbien und Kroatien. Dort werden die Wissenschaftler je 20 Familien zu Familiengesprächen als auch zu Einzelinterviews bitten. So wollen sie Erkenntnisse darüber sammeln, wie Ereignisse der Vergangenheit, konkret aus der Zeit der nationalsozialistischen Expansion und des Zweiten Weltkriegs, über drei Generationen hinweg weitererzählt, wahrgenommen und gedeutet werden. Dieser sozialpsychologische Ansatz ermöglicht dem Team um Welzer und Sundhaussen gleich dreifache Vergleichsmöglichkeiten: innerfamiliär zwischen den Generationen, binational zwischen Serben und Kroaten, deren Länder im zweiten Weltkrieg höchst unterschiedliche Rollen eingenommen haben - Kroatien als Kriegsverbündeter, Serbien als Kriegsgegner NS-Deutschlands - schließlich international zwischen den beiden Balkan-Ländern und Westeuropa.

... mehr zu:
»Mehrgenerationenstudie

Dabei kann Harald Welzer auf Erkenntnisse zurückgreifen, die er in den vergangenen Jahren bei Mehrgenerationenstudien zur Geschichtserfahrung in West- und Ostdeutschland gesammelt hat. Unter dem Titel "Opa war kein Nazi" sind sie vor wenigen Wochen im Fischer Taschenbuch Verlag erschienen. Welzer fand heraus, dass in Familien ein privates, emotionales Geschichtsbewusstsein weitergegeben und gebildet wird - noch vor dem offiziellen, in Schulen und Medien vermittelten. Die innerfamiliär ausgetauschten Geschichtserfahrungen und -deutungen unterscheiden sich dabei wesentlich von denen aus Schule und Medien: "Kumulative Heroisierung" nennt Welzer die Tendenz "der Kinder- und Enkelgeneration, ihren Eltern und Großeltern antinationalsozialistische Grundhaltungen und Widerstandshaltungen zuzuschreiben." Schließlich geht es, anders als bei öffentlicher Geschichtsvermittlung, auch um Verständnis, um Loyalität innerhalb der Familien.
Mit ihrer Förderung sichert die Volkswagen Stiftung sozusagen das östliche Standbein von Welzers Projekt. Das westliche wird finanziert von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und hat Mehrgenerationenstudien in Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und Großbritannien zum Inhalt.
Kontakt: Prof. Dr. Harald Welzer, Tel: 0201/7204211; E-Mail: welzer@kwi-nrw.de

| idw

Weitere Berichte zu: Mehrgenerationenstudie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics