Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Programmierbare Biochips mit Nanopumpen

11.06.2002


Für seine Arbeit an der Schnittstelle zwischen Physik und Biologie wurde der neu nach Augsburg berufene Physiker Achim Wixforth im Rahmen des Bayerischen Innovationspreises 2002 ausgezeichnet.


Am 6. Juni hat er vom Bayerischen Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (links) einen Innovations-Anerkennungspreis erhalten: der neue Inhaber des Augsburger Lehrstuhls für Experimentalphysik I, Prof. Dr. Achim Wixforth. - Foto: Faces by Frank



Der zu Beginn dieses Sommersemesters an die Universität Augsburg berufene Experimentalphysiker Prof. Dr. Achim Wixforth ist im Rahmen des Bayerischen Innovationspreises 2002 mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung gilt dem unter Federführung Wixforths am Center for NanoScience (CeNS) der LMU München und in der von ihm mitbegründeten Advalytix AG entwickelten "ArrayBooster". Kern dieses Analysegerätes für Genschnelltest ist ein von Wixforth erfundener progammierbarer Biochip, auf dem mittels integrierter Nanopumpen Reagenzien und Probenmaterial elektronisch gesteuert zur Reaktion gebracht werden können.



Am 6. Juni hat er vom Bayerischen Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (links) einen Innovations-Anerkennungspreis erhalten: der neue Inhaber des Augsburger Lehrstuhls für Experimentalphysik I, Prof. Dr. Achim Wixforth. - Foto: Faces by Frank
Spätestens seit die Entschlüsselung des menschlichen Genoms mit großem Medienecho verkündet wurde, ist die Bedeutung der Genforschung für die Zukunft der medizinischen Diagnostik und Therapie auch über die Fachwelt hinaus bekannt. Immer tiefer stößt die Pharmaforschung auf die molekularbiologische Ebene vor. Aus dem Verständnis der Vorgänge im Zellinnern hoffen die Wissenschaftler, neue Wirkstoffe zur Bekämpfung von Krankheiten ableiten zu können. Auch den Alltag in Arztpraxis und Krankenhaus werden die Erkenntnisse aus den Genlabors verändern: Gentests werden Krankheitserreger schneller und genauer aufspüren können, das Erbgut der Patienten wird Unverträglichkeiten von Medikamenten verraten. Dieser Trend könnte sogar eine weitgehend individualisierte Medizin mit maßgeschneiderten Medikamenten hervorbringen, die effektiver wirken und besser verträglich sind.


GRUNDLAGE FÜR ROBUSTE UND SCHNELL ARBEITENDE ANALYSEGERÄTE

Damit solche Visionen Wirklichkeit werden, brauchen die Forscher entsprechende Werkzeuge: präzise Laborgeräte, die mit wertvollem Probenmaterial in winzigen Mengen umgehen können - kleine robuste Analysegeräte für den Schnelltest am Krankenbett. Die programmierbaren Biochips, die Achim Wixforth erfunden hat, geben dieser Entwicklung wichtige neue Impulse. Die Chips enthalten Nanopumpen, die Reagenzien und Probenmaterial auf dem Chip elektronisch gesteuert zur Reaktion bringen. Integrierte Sensoren ermöglichen die gleichzeitige Analyse. Diese Chips werden mit denselben Methoden hergestellt, die sich in der Fertigung elektronischer Bauelemente bewährt haben. Sie sind dadurch in großer Stückzahl kostengünstig herzustellen.

VOM HANDY-CHIP ZUR NANOPUMPE

Die Technik, mit der diese neue Generation von Biochips funktioniert, ist schon heute weit verbreitet. In jedem Mobiltelefon finden sich Bauelemente, die mit so genannten Oberflächenwellen arbeiten. Wixforth erkannte, dass sich das Prinzip auch zweckentfremden lässt: Aus den Handy-Chips wurden Nanopumpen, die ohne bewegliche Teile robust und wartungsfrei arbeiten und so Biologie und Elektronik verbinden.

AM CeNS ERDACHT, IN DER ADVALYTIX AG ZUR MARKTREIFE GEBRACHT

Nach ersten erfolgreichen Versuchen mit seiner Idee am Center for NanoScience an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität, wagte Achim Wixforth im November 2000 mit ehemaligen Doktoranden die Gründung der Advalytix AG. Auch Infineon Technologies erkannte das Marktpotential, das hinter der Idee steckte, und stieg als strategischer Investor in das junge Unternehmen ein. In nur 18 Monaten gelang es der heute 30 Mitarbeiter zählenden Advalytix AG, ein erstes Produkt zur Marktreife zu entwickeln: Der "ArrayBooster" verbessert dank der eingebauten Nanopumpen die Analyse-Ergebnisse von Genchips.

WACHSENDE ZAHL VON ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN

Advalytix ist fest in ein enges Netz von Industriekooperationen und von Forschungsprojekten eingebunden, die aus Bundes- und Landesmitteln gefördert werden. Im Rahmen dieser Kooperation werden stetig mehr Anwendungsmöglichkeiten dieser neuen Technologie erkennbar. Sie reichen von der Proteinforschung über die Suche nach Tumorspuren in Gewebeproben bis zur Diagnose von Infektionskrankheiten.

ZUM EINSTAND IN AUGSBURG

Mit dem Bayerischen Innovationspreis werden Unternehmen, Einzelpersonen, Wissenschaftler, Teams und Unternehmensgründer für herausragende und praxisorientierte innovative Leistungen ausgezeichnet, die sich auch auf die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen in Bayern auswirken. Wixforth bringt die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung, die ihm am 6. Juni 2002 von Wissenschaftsminister Zehetmair überreicht wurde, sozusagen zum Einstand nach Augsburg mit. Erst seit Ende April dieses Jahres nämlich ist er als Nachfolger von Prof. Dr. Konrad Samwer (jetzt Göttingen) Inhaber des Lehrstuhls für Experimentalphysik I am Institut für Physik der Universität Augsburg, wo er das neue Forschungsfeld an der Schnittstelle von Biologie und Physik weiter vorantreiben will.

ACHIM WIXFORTH: IN HAMBURG PROMOVIERT, AN DER LMU HABILITIERT

1956 in Bielefeld geboren, schloss Wixforth 1984 sein Physikstudium an der Universität Hamburg mit dem Diplom ab, blieb dann als Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Physik der Universität Hamburg und promovierte dort 1987 mit einer Dissertation über "Wechselwirkung von akustischen Oberflächenwellen mit einem zweidimensionalen Elektronensystem". Seine Zeit als Hochschulassistent in Hamburg (1987-1990) war von einem einjährigen Aufenthalt als "Research Assistant Engineer" am Materials Department der University of California, Santa Barbara, unterbrochen. Im Mai 1990 wechselte er als wissenschaftlicher Assistent an die Sektion Physik der LMU München, an der 1994 die Habilitation bei Prof. Dr. Jörg Kotthaus und die Erteilung der Lehrbefugnis für das Fachgebiet Experimentalphysik folgten. 1998 bekam Wixforth von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft den Walter-Schottky-Preis für Festkörperforschung verliehen. Zwei Jahre später gründete er gemeinsam mit Doktoranden die Advalytix AG, eine der erfolgreichen Start-Up Gründungen, die aus dem Center for NanoScience der LMU hervorgegangen sind, dessen Mitglied Wixforth ist. Als er im Oktober 2001 den Ruf auf den Augsburger Lehrstuhl erhielt, war er außerplanmäßiger Professor an der LMU München.

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:

Prof. Dr. Achim Wixforth, Lehrstuhl für Experimentalphysik I, Universität Augsburg, 86135 Augsburg, Telefon: 0821/598-3327, Telefax: -3225, e-mail: achim.wixforth@physik.uni-augsburg.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.advalytix.de

Weitere Berichte zu: Biochip Experimentalphysik LMU Nanopumpe Physik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Wie ein infizierter Knochen besser heilt
16.10.2019 | Klinikum der Ruhr-Universität Bochum - Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH

nachricht Sensorschleuse Argus von dormakaba mit ICONIC Award 2019 ausgezeichnet
15.10.2019 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Freiburger Forschenden gelingt die erste Synthese eines kationischen Tetraederclusters in Lösung

Hauptgruppenatome kommen oft in kleinen Clustern vor, die neutral, negativ oder positiv geladen sein können. Das bekannteste neutrale sogenannte Tetraedercluster ist der weiße Phosphor (P4), aber darüber hinaus sind weitere Tetraeder als Substanz isolierbar. Es handelt sich um Moleküle aus vier Atomen, deren räumliche Anordnung einem Tetraeder aus gleichseitigen Dreiecken entspricht. Bisher waren neben mindestens sechs neutralen Versionen wie As4 oder AsP3 eine Vielzahl von negativ geladenen Tetraedern wie In2Sb22– bekannt, jedoch keine kationischen, also positiv geladenen Varianten.

Ein Team um Prof. Dr. Ingo Krossing vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Freiburg ist es gelungen, diese positiv geladenen...

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Atombilder zeigen ungewöhnlich viele Nachbarn für einige Sauerstoffatome

21.10.2019 | Physik Astronomie

Bioprinting: Lebende Zellen im 3D-Drucker

21.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Freiburger Forschenden gelingt die erste Synthese eines kationischen Tetraederclusters in Lösung

21.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics