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Auszeichnung für Krebsmittel aus der Eibe

30.03.2001


Verleihung der Inhoffen-Medaille und der Förderpreise

Der französische Wissenschaftler Professor Dr. Pierre Potier wird am 30. März 2001, 15 Uhr, für seine herausragenden Arbeiten zur Bekämpfung von Krebs mit der Inhoffen-Medaille ausgezeichnet. Auf seinen Forschungen basieren mehrere Medikamente gegen Tumore in Brust, Lunge oder Blase. So ist es dem Direktor des Institut de Chimie des Substances Naturelles in Gif sur Yvette bei Paris gelungen, den Wirkstoff Taxol auf umweltverträgliche Weise halbsynthetisch herzustellen. Die Substanz wurde zunächst aus der Rinde der pazifischen Eibe gewonnen. Die Bäume mussten für die Produktion des Medikaments gefällt werden. Als Alternative entdeckte Pierre Potier eine chemische Vorstufe von Taxol in den Blättern der europäischen Eibe. Bei der Untersuchung dieser Substanz konnte er ein weiteres hochwirksames Krebsmittel isolieren und bis zur klinischen Anwendung weiter entwickeln.

Potier, der am 22. August 1934 in Paris geboren wurde, studierte in seiner Geburtsstadt Pharmazie und Physik. Sein wissenschaftliche Interesse galt stets der Biochemie. Die von der Technischen Universität (TU) Braunschweig und dem Förderverein der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) gestiftete und mit 5000 Mark dotierte Auszeichnung würdigt besonders Potiers fächerübergreifendes Denken: Es zeigt beispielhaft, wie Erkenntnisse aus der Chemie den Lebenswissenschaften zugänglich gemacht werden können.

Im Rahmen der Preisverleihung zeichnet der Förderverein der GBF zudem herausragende Doktorarbeiten aus: Preisträger in diesem Jahr sind Dr. Oliver Pabst und Dr. Stefan Hüttelmaier. Die mit 4.000 Mark dotierten Förderpreise unterstreichen die gute Zusammenarbeit der TU Braunschweig und der GBF bei der akademischen Ausbildung in den Biowissenschaften.

Mit Genen, die für die Entwicklung während der Embryonalphase verantwortlich sind, hat sich Dr. Oliver Pabst in seiner Doktorarbeit auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt seiner Untersuchungen am Institut für Biochemie und Biotechnologie der TU stand ein Gen, das in der Maus an der Entstehung des Immunsystems und des Verdauungstraktes beteiligt ist. Pabst arbeitete dazu mit transgenen Mäusen, in denen so genannten NKX-Gene ausgeschaltet sind. Die Tiere sind wichtige Modellorganismen, um Krankheiten und ihre Ursachen genau zu analysieren.

Dr. Stefan Hüttelmaier hat sich in seiner Dissertation mit den molekularen Eigenschaften von Kontaktstellen tierischer und menschlicher Zellen beschäftigt. Zellkontakte sind Orte der Kommunikation zwischen Zellen, die für die lebenslange Organfunktion sowie für die Gewebebildung während der Embryogenese und der Wundheilung unentbehrlich ist. Sie bestehen aus einer Vielzahl verschiedener Proteine. Hüttelmaier hat einige dieser Komponenten auf molekularer Basis charakterisiert. Seine Arbeit liefert wichtige neue Aspekte zu einem besseren Verständnis des Aufbaus und der Funktion normaler Zellkontakte, und erweitert die bisherigen Kenntnisse über pathologische Vorgänge bei verschiedenen erworbenen und erblichen Krankheiten (Tumorbildung, Muskelerkrankungen).

Neben den Förderpreisen wird auch der mit 1.000 Mark dotierte Fritz-Wagner-Preis zur Förderung der Biotechnologie vergeben. Preisträger ist in diesem Jahr Jan Henrik Enß vom Institut für Bioverfahrenstechnik der TU. Enß hat in seiner Diplomarbeit Methoden untersucht, mit denen sich Biofilme auf metallischen Oberflächen analysieren und zerstören lassen. Biofilme sind Ansammlungen von Mikroorganismen, die die Leistungsfähigkeit von verfahrenstechnischen Geräten (z. B. Wärmetauschern) mindern können. Ihre Beseitigung ist sehr aufwändig, da Biofilme sehr widerstandsfähig sind und die Geräte nicht beschädigt werden dürfen.

Dipl.-Biol./Dipl.-Journ. Thomas Gazlig |

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