Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher verwandeln industrielle Reststoffe in wertvolles Biogas

23.07.2008
E.ON Bayern Umweltpreis 2008 geht an Wissenschaftler der Technischen Universität München.

Großer Erfolg für die Technische Universität München: Ein Forscherteam ihres Wissenschaftszentrums Weihenstephan hat gestern den E.ON Bayern Umweltpreis 2008 bekommen. Mit 50.000 Euro ausgezeichnet wurde ihr innovatives Verfahren, Reststoffe der Getränke- und Lebensmittelindustrie umweltschonend in Energie umzuwandeln. Die Entwicklung der TU-Forscher ist somit ein doppelter Gewinn - für die Natur wie für die Wirtschaft.

Ein Forscherteam der Technischen Universität München (TUM) darf feiern: Der bayerische Umweltminister Dr. Otmar Bernhard zeichnete es heute Abend zusammen mit E.ON-Vorstandsmitglied Dr. Stefan Vogg mit dem E.ON Bayern Umweltpreis 2008 aus. Der Hauptpreis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird den TUM-Forschern in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz verliehen.

Entgegengenommen wurde er durch Professor Karl Sommer und Dr. Jens Voigt vom Lehrstuhl für Maschinen- und Apparatekunde in Weihenstephan sowie von Professor Martin Faulstich und Dr. Doris Schieder vom Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie in Straubing. Der E.ON Bayern Umweltpreis gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen für ökologisches Handeln in Deutschland und fördert mit einer jährlichen Gesamtsumme von 250.000 Euro energiesparende und umweltschonende Projekte.

... mehr zu:
»Biogas »Umweltpreis

Das Team, das in Weihenstephan und Straubing an der TU München forscht, überzeugte die Jury mit einer bestechenden Idee: Aus Brauereirückständen, Mälzerei- und Mühlenabfällen saubere Bioenergie erzeugen. Auf diese Weise kann die Lebensmittel- und Getränkeindustrie ihre biogenen Reststoffe wie Körnerspelzen, Biertreber und Malzreste in Zukunft gewinnbringend verwerten, anstatt sie wie bisher aufwändig als eher unbeliebtes Rinderfutter zu entsorgen. Gleichzeitig profitiert die Umwelt: Denn mit dem neuen Verfahren kann Bioenergie erzeugt werden, ohne dass dafür Energiepflanzen angebaut werden, die Feldfläche für Nahrungsmittel in Anspruch nehmen.

Die TUM-Forscher haben zunächst auf ein bewährtes Verfahren zurückgegriffen: die Biogasherstellung. Normalerweise werden dabei extra angebaute Pflanzen in einem Gärbehälter durch die dort vorhandenen Mikroorganismen in Fäulnisgase umgewandelt. Wenn man in bisherige Anlagen Biertreber, Malzreste und Körnerspelzen einfüllt, können die Bakterien diese Rohstoffe nicht - oder nur viel zu langsam - verarbeiten. Die findigen Wissenschaftler gingen dieses Problem auf zwei Wegen an: Der Straubinger Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie entwickelte ganz gezielt einen Mix an Mikroorganismen, der biogene Reststoffe aus Brauerei und Mühle besonders gut "verdaut".

Die Weihenstephaner Kollegen vom Lehrstuhl für Maschinen- und Apparatekunde schauten sich in der Zwischenzeit die verarbeitende Mechanik beim Pflanzenfresser Rind ab. "Die Kuh kaut ihr Futter vor dem Verdauen und käut dann noch einmal wieder," erläutert Dr. Jens Voigt, einer der Projektleiter. "Also dachten wir: Auch wir müssen das verwendete Substrat zerkleinern und in mehreren Stufen arbeiten, damit der Gärprozess intensiver wird." Die Verfahrenstechniker haben die industriellen Reststoffe in Spezialmühlen auf eine Größe von 10 mm zermahlen, ein einzelnes Körnchen ist damit nur noch ein hundertstel Millimeter groß. Durch diese Aufbereitung beschleunigt sich - im Zusammenspiel mit den Straubinger Spezialbakterien - der gesamte Gärprozess.

Das Ergebnis dieser standortübergreifenden Zusammenarbeit an der TUM: Eine deutlich schnellere Erzeugung von Biogas als bisher - und dabei gleichzeitig eine verbesserte Methanausbeute. Das erzeugte Biogas kann als Brennstoff direkt im Kessel oder in einem Blockheizkraftwerk eingesetzt werden, mit den Überbleibseln der vergorenen Reststoffe könnte man sogar noch die Felder düngen. Diese elegante Methode zur Verwertung biogener industrieller Reststoffe funktioniert bisher allerdings nur in der Pilotanlage, die 100 Liter fasst. Bevor das Verfahren in Serie gehen kann, möchten die Forscher noch den Wirkungsgrad verbessern, auch die Auslegungsparameter für großtechnische Anlagen mit kurzer Verweilzeit fehlen noch. Die Industrie hat aber bereits großes Interesse signalisiert - und wartet auf den ersten großen Prototypen.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Karl Sommer / Dr. Jens Voigt
Technische Universität München, Lehrstuhl für Maschinen- und Apparatekunde
85354 Freising-Weihenstephan
Tel. 08161 / 71-3179
j.voigt@lrz.tum.de
Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich / Dr. Doris Schieder
Technische Universität München, Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie
94315 Straubing
Tel. 09421 / 187 108
doris.schieder@wzw.tum.de
Hintergrund:
Das Projekt wurde durch die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) und den Forschungskreis Ernährungsindustrie (FEI) unter der Projektnummer 14498 gefördert. Im Projekt begleitenden Ausschuss finden sich namhafte Vertreter der beteiligten Industrieverbände Wissenschaftsförderung der Deutschen Brauwirtschaft (Wifö), des Deutschen Mälzerbundes und des Deutschen Mühlenverbandes.

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-muenchen.de/
http://www.rohstofftechnologie.de
http://www.wzw.tum.de/blm/mak/mak/voigt.html

Weitere Berichte zu: Biogas Umweltpreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics