Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auszeichnung für Kognitionsforschung an Bienen

19.03.2008
Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin und dem Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience wird mit dem internationalen Preis der Fondation Fyssen für seine Forschung zu den kognitiven Fähigkeiten der Honigbiene ausgezeichnet

Randolf Menzel, Professor für Neurobiologie an der Freien Universität Berlin und am Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience, wird für seine herausragenden Arbeiten zu den kognitiven Fähigkeiten von Honigbienen mit dem internationalen Forschungspreis der Fondation Fyssen ausgezeichnet.

Die Fondation Fyssen unterstützt Forschungsarbeiten zu neuronalen Grundlagen kognitiver Mechanismen wie Denken, Lernen oder Fühlen. Der Preis wird am 27.März 2008 mit einem Festakt in Paris von dem Präsidenten der Fyssen Stiftung Prof. Philippe Descola in Gegenwart des französischen Ministers für Forschung, dem deutschen Botschafter und weiteren hochkarätigen Persönlichkeiten aus Politik und Forschung übergeben.

Mit raffiniert angelegten Experimenten und modernen Technologien haben Menzel und seine Mitarbeiter eine Wende in der Betrachtungsweise der kognitiven Fähigkeiten kleiner Gehirne herbeigeführt. "Weil die Bienen so kleine Gehirn haben, hat man lange geglaubt, dass sich ihr Verhalten durch eine begrenzte Zahl sehr einfacher Operationen erklären lässt", sagt Menzel. "Wir konnten zeigen, dass ein solch elementarer Erklärungsansatz nicht ausreicht, um das komplexe Sozialverhalten, die Navigation und das Lernverhalten der Bienen zu erklären. Vielmehr haben die Tiere ganz erstaunliche kognitive Fähigkeiten".

... mehr zu:
»Biene »Honigbiene »Neurobiologie

Trotz ihres recht kleinen Nervensystems lernen Bienen sehr schnell. Sie prägen sich Merkmale in der Landschaft ein, um sich in ihrer Umgebung zu orientieren, sie kommunizieren und lernen voneinander. Ihr "Schwänzeltanz", mit dem sie sich die Lage neuer Futterquellen mitteilen, ist wohl die fortgeschrittenste Kommunikationsform, die wir unterhalb der Affen und Menschen kennen.

Was aber geht in den Gehirnen der Bienen genau vor, bei ihren Navigationsleistungen, bei der Futtersuche und während sie Informationen aus dem Tanz aufnehmen? Wie Menzel zeigen konnte, haben Bienen eine komplexe geometrische Karte im Kopf, in die sie Richtungs- und Entfernungsinformation aus dem Schwänzeltanz einordnen. So finden sie den Weg zur angezeigten Futterquelle nicht nur von ihrem Bienenstock aus, wo sie den Tanz beobachtet haben, sie fliegen auch Umwege zu bekannten Stellen oder nehmen Abkürzungen. Darüber hinaus treffen Bienen Entscheidungen: Sie vergleichen neue Informationen mit bereits Bekanntem und probieren in ihren Suchflügen verschiedene Optionen aus. In neueren Experimenten suchen Menzel und seine Kollegen nach den neuronalen Korrelaten für Lern- und Entscheidungsvorgänge. "Die Biene ist sehr kooperativ und eignet sich gut für solche Experimente. Sie zeigt auch unter Laborbedingungen komplexe Lernformen, die wir nun physiologisch untersuchen können", erklärt Menzel.

Randolf Menzel hat in Tübingen und Frankfurt am Main Biologie, Chemie und Physik studiert. 1972 wurde er Professor am Zoologischen Institut der TH Darmstadt, bevor er 1976 einen Ruf an das Institut für Neurobiologie an der FU Berlin annahm. Für seine Arbeiten zu den kognitiven Leistungen der Honigbiene wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er im Jahre 1991 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, im Jahre 2000 den Körberpreis für die Europäische Wissenschaft und 2004 die Karl-Ritter von Frisch-Medaille der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. Im Jahre 2007 wurde Menzel die Ehrendoktorwürde der Universität Toulouse verliehen. Menzel ist zudem Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Weitere Informationen erhalten Sie von:
Prof. Dr. Dr. h.c. Randolf Menzel
Institut für Biologie, Königin-Luise-Str. 28/30, 14195 Berlin-Dahlem, Tel.: 030/-838-53930, E-Mail: menzel@neurobiologie.fu-berlin.de

Katrin Weigmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.neurobiologie.fu-berlin.de
http://www.bernstein-zentren.de

Weitere Berichte zu: Biene Honigbiene Neurobiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Weniger Tierversuche absehbar: Multiorgan-Chip ausgezeichnet
18.10.2018 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Ein Roboter, der Schienenbrüche erkennt: Auszeichnung für Projekt „Railcheck“
12.10.2018 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus

22.10.2018 | Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus

22.10.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Hansdampf im Katalyselabor: LIKAT-Chemiker vereinfachen die Amin-Synthese

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weniger Pestizide, mehr Bildung: 9-Punkte-Plan gegen das Insektensterben

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics