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Ausgezeichneter Forschernachwuchs

14.03.2008
DFG vergibt Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2008 an sechs junge Wissenschaftler

Die neuen Träger des wichtigsten Preises für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland stehen fest. Zwei junge Wissenschaftlerinnen und vier junge Wissenschaftler erhalten den diesjährigen Heinz Maier-Leibnitz-Preis. Dies beschloss das Präsidium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn in seiner März-Sitzung. Die sechs Preisträgerinnen und Preisträger waren zuvor vom zuständigen Auswahlgremium unter 76 Kandidatinnen und Kandidaten nominiert worden.

Der nach dem früheren DFG-Präsidenten und Münchner Atomphysiker Professor Heinz Maier-Leibnitz benannte Preis geht 2008 an:

- Dr. Nicole Deitelhoff, Politikwissenschaften, Technische Universität Darmstadt
- Dr. André Fischer, Neurobiologie, Universität Göttingen
- Dr. Torsten Granzow, Werkstoffwissenschaften, Technische Universität Darmstadt
- Dr. Michael Huber, Diskrete Mathematik, Universität Tübingen
- Dr. Christine Silberhorn, Quantenoptik, Universität Erlangen-Nürnberg
- Dr. Oliver Trapp, Analytische Chemie, Max-Planck-Institut für Kohleforschung Mülheim/Ruhr

"Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist für die DFG nicht nur eine Satzungsaufgabe, sondern ein ganz besonderes Anliegen", betonte DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner anlässlich der Entscheidung. "Die Preisträgerinnen und -träger dieses Jahres zeigen einmal mehr, wie Nachwuchsforscher schon in jungen Jahren mit exzellenten Forschungsarbeiten ein beeindruckendes eigenständiges Profil entwickeln können."

Zur weiteren Förderung dieses eigenständigen wissenschaftlichen Profils wird der Heinz Maier-Leibnitz-Preis seit 1977 jährlich an herausragende Nachwuchsforscherinnen und -forscher vergeben. Die Auszeichnung ist aus Sicht der DFG Anerkennung und zugleich Ansporn, die wissenschaftliche Laufbahn geradlinig weiterzuverfolgen. Solchermaßen genießt sie hohes Ansehen in der gesamten wissenschaftlichen Welt: In einer Umfrage des Magazins "bild der wissenschaft" wählten die wichtigsten Forschungseinrichtungen in Deutschland den Heinz-Maier-Leibnitz-Preis zum drittwichtigsten Wissenschaftspreis hierzulande - nach dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG und dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten. Der Preis ist mit jeweils 16 000 Euro dotiert, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Verfügung gestellt werden.

Die diesjährigen Heinz Maier-Leibnitz-Preise werden am 2. Juni, ab 16 Uhr, im Auditorium Friedrichstraße (Quartier 110), Friedrichstraße 180-183, 10117 Berlin, verliehen. Medienvertreter sind hierzu herzlich eingeladen.

Die Trägerinnen und Träger des Heinz Maier-Leibnitz-Preises 2008 im Kurzporträt:

Dr. Nicole Deitelhoff (33), Politikwissenschaften, Technische Universität Darmstadt

Nicole Deitelhoff gilt als eine der herausragendsten jungen Politikwissenschaftlerinnen in Deutschland, deren Arbeiten sich durch besonders originelle und innovative Ansätze und Erkenntnisse auszeichnen. Vor allem mit ihrer bereits mehrfach preisgekrönten Dissertation "Überzeugungen in der Politik. Grundzüge einer Diskurstheorie internationalen Regierens" verband Deitelhoff Grundfragen der politischen Theorie mit den Herausforderungen der Vergleichenden Politikwissenschaft und anderer angrenzender Gebiete. Ausgehend von Jürgen Habermas und dessen "Diskurstheorie" untersuchte die Politologin darin, welche Bedeutung "Überzeugungen" in der Politik und Politik-Analyse im Allgemeinen und in internationalen Beziehungen im Speziellen haben. Ihre Erkenntnisse sind in allen Politikbereichen von Bedeutung, in denen kein durchsetzungsfähiges Recht existiert und deshalb Konflikte durch "weichere" Formen der Regulierung und Ordnungsbildung gelöst werden müssen. Konkret könnte die von Deitelhoff entwickelte Policy-Diskursethik etwa in der globalen Klimapolitik dazu beitragen, zu neuen, zeitgemäßen Formen internationaler Beziehungen zu kommen. Promoviert an der Technischen Universität Darmstadt und mit vielfältigen internationalen Erfahrungen ausgestattet, leitet die Politikwissenschaftlerin inzwischen zwei Projekte der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und hat sich darüber hinaus als Autorin, Redakteurin und Mitherausgeberin wissenschaftlicher Zeitschriften und Buchreihen sowie in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft hervorgetan; als "principal investigator" ist die Nachwuchsforscherin auch an dem Exzellenzcluster "Formation of Normative Orders" beteiligt, das im Oktober 2007 im Rahmen der Exzellenzinitiative bewilligt wurde.

Dr. André Fischer (33), Neurobiologie, Universität Göttingen
Die Grundlagen des Lernens und des Gedächtnisses sind das Arbeitsgebiet, auf dem André Fischer bereits als Doktorand und Postdoc herausragende Ergebnisse erzielen konnte. Den jungen Neurobiologen interessieren besonders die Mechanismen, die zu Erkrankungen des Gehirns wie Alzheimer, Altersdemenz oder Posttraumatischer Belastungsstörung führen können. In seiner Göttinger Dissertation identifizierte er eine Reihe neuer Gene, die für Lernvorgänge im Gehirn essenziell sind. Von besonderer Bedeutung sind Fischers Arbeiten zur Proteinkinase Cdk5 und zum Aktivatorprotein p25, die er als Postdoktorand an der Harvard Medical School und am Massachusetts Institute of Technology (MIT), beide in Boston/USA, fortsetzte. So konnte er zeigen, wie Cdk5 und p25 über kürzere Zeiträume die Lernfähigkeit erhöhen, über längere Zeiträume aber zur Neurodegeneration führen können. Auch zur Wiederherstellung von Gedächtnisinhalten lieferte der Neurobiologe wertvolle Erkenntnisse. Für seine Arbeiten erhielt Fischer 2007 bereits den renommierten European Young Investigator (EUYRI) Award; aus dem damit verbundenen Preisgeld baute er eine eigene Nachwuchsgruppe am European Neuroscience Institute (ENI) in Göttingen auf - und gab damit nicht zuletzt einer wissenschaftlichen Karriere in Deutschland den Vorzug vor mehreren attraktiven Angeboten in den USA und in der internationalen Pharmaindustrie.
Dr. Torsten Granzow (33), Werkstoffwissenschaften, Technische Universität Darmstadt

Gleich auf mehreren Teilgebieten der Festkörperphysik hat Torsten Granzow schon als Nachwuchswissenschaftler auf sich aufmerksam gemacht. Herausragend sind vor allem seine Arbeiten zu modernen keramischen Funktionsmaterialien, und hier wiederum zu den ferroelektrischen Relaxormaterialien. Granzow gelang es als erstem Wissenschaftler, in diesen Materialien Zufallsfelder, sogenannte Nanodomänen, nachzuweisen und in ihrer Struktur und Dynamik zu beschreiben. Diese Zufallsfelder verursachen einen umfassenden Ermüdungsprozess, der die Einsatzmöglichkeit ferroelektrischer Relaxormaterialien erheblich beeinflusst. Granzows Erkenntnisse sind von enormer Bedeutung für die Entwicklung neuer Technologien, etwa für die Steuerung von Verbrennungsprozessen in emissionsminimierten Motoren oder von hochempfindlichen Detektoren für die medizinische Diagnostik. Ebenso bedeutsam und originell sind seine Arbeiten zur Entwicklung eines neuen optischen Untersuchungsverfahrens auf der Basis der holographischen Streuung. Auch hier verknüpft Granzow naturwissenschaftliche Grundlagenforschung und technische Anwendung, was ihm international hohe Beachtung eingebracht hat.

Dr. Michael Huber (35), Diskrete Mathematik, Universität Tübingen
Michael Huber zählt bereits jetzt zu den international führenden Experten auf dem Gebiet der Kombinatorischen Designtheorie, einem Teilgebiet der Diskreten Mathematik mit zahlreichen Anwendungen in der Informatik, den Naturwissenschaften sowie den Wirtschafts- und Lebenswissenschaften. Der Nachwuchsforscher, der neben Mathematik auch Germanistik studiert hat, konnte in seinen bisherigen Arbeiten eine ganze Serie wichtiger und äußerst schwieriger mathematischer Probleme vollständig lösen, die seit mehr als 40 Jahren offen waren. Bei der Betrachtung der sogenannten fahnentransitiven Steiner-t-Designs gelang es Huber sogar, alle vier noch ausstehenden Fälle zu lösen - dabei wäre schon die Lösung jedes einzelnen Falles für sich ein Meilenstein in der Forschung der Designtheorie gewesen. Diese Arbeiten wurden in der internationalen Fachwelt ebenso enthusiastisch aufgenommen wie Hubers Habilitationsschrift. In seiner aktuellen Forschung widmet er sich den Komplexitätsfragen, der Kombinatorischen Zahlentheorie sowie der Frage nach einem geometrischen Verständnis der endlichen einfachen Gruppen. Hubers hohes Ansehen zeigt sich nicht zuletzt in zahlreichen Einladungen zu Vorträgen in Harvard, am MIT oder am Einstein-Institut für Mathematik der Hebrew University in Jerusalem. Seit 2007 untersucht Huber mit einem Heisenberg-Stipendium der DFG weitere Probleme aus der Diskreten Mathematik. An der Technischen Universität Berlin hat er momentan eine einjährige Gastprofessur inne.
Dr. Christine Silberhorn (33), Quantenoptik, Universität Erlangen-Nürnberg
Äußerst breit angelegte Interessen und Themen sowie vielfältige internationale Erfahrungen zeichnen die bisherige Forschungsarbeit von Christine Silberhorn aus, die auf dem Gebiet der experimentellen Quantenoptik innerhalb weniger Jahre hohes Renommee errungen hat. Während des Studiums etwa befasste sie sich mit hochabstrakten Themen aus der Topologie, ihre Dissertation behandelte dann bereits ein gänzliches anderes Gebiet, die Quantenkryptographie. Vor allem auf dem schnell voranschreitenden und wissenschaftlich entsprechend hart umkämpften Gebiet der Quanteninformationsverarbeitung konnte sich Christine Silberhorn herausragend positionieren. Dabei galt ihr besonderes Interesse der Frage, wie sich Quanteninformationen auch mit Licht verarbeiten und übertragen lassen, was für jedes mögliche künftige Quantencomputing von zentraler Bedeutung ist. Statt der hier üblicherweise verwendeten diskreten Variablen setzte Silberhorn sogenannte "kontinuierliche" Variablen ein und entwickelte damit eine weithin beachtete Alternative. Diese Arbeiten setzt Silberhorn inzwischen als Leiterin einer selbstständigen Max-Planck-Nachwuchsgruppe fort, in der sie, selbst noch Nachwuchswissenschaftlerin, ihre erfolgreiche Forschungstätigkeit mit der Ausbildung junger Forscherinnen und Forscher verbindet.
Dr. Oliver Trapp (34), Analytische Chemie, Max-Planck-Institut für Kohleforschung Mülheim/Ruhr

Oliver Trapp hat sich vor allem durch die Synthese unterschiedlicher Forschungsbereiche und Forschungsansätze einen Namen gemacht. Der Chemiker arbeitet auf dem Gebiet der Gaschromatographie und verbindet hier chemische Analytik und Informationstechnologie. Trapps Ziel ist die Entwicklung einer sogenannten Hochdurchsatz-Multiplexing-Gaschromatographie, mit der völlig neue Katalysatoren gefunden und besonders schnell präzise kinetische Daten gewonnen werden sollen. Dieses Verfahren könnte für die Gaschromatographie geradezu revolutionäre Bedeutung erlangen und auch auf andere chromatographische Techniken übertragen werden. Besonderes Geschick zeigt Trapp immer wieder in der organischen Synthese und bei der Konstruktion von Apparaten für die chemische Analytik. Seit 2005 leitet er im Rahmen des Emmy Noether-Programms der DFG eine Nachwuchsgruppe; mit einer Vorlesung und anderen Lehrveranstaltungen ist er zudem in der Ausbildung des studentischen Nachwuchses aktiv.

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de

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