Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eiskern-Bohrprojekt erhält Descartes-Preis

12.03.2008
Das "European Project for Ice Coring in Antarctica" (EPICA) mit Berner Beteiligung ist einer der diesjährigen Gewinner des Descartes Wissenschaftspreises der Europäischen Union. Der mit 2.18 Millionen Franken dotierte Descartes Preis wird jedes Jahr an bis zu vier europäische Teams für das beste transnationale Forschungsprojekt vergeben.

Mit dem EPICA-Projekt gelang es 12 Partnern aus 10 europäischen Ländern, bahnbrechende Klimadaten der Vergangenheit aus zwei Eiskernen der Antarktis zu gewinnen, die für die Diskussion des derzeitigen Klimawandels von grösster Bedeutung sind.

Das Physikalische Institut und das "Oeschger Centre für Klimaforschung" der Universität Bern waren massgeblich an diesem Projekt beteiligt. Anhand eines EPICA-Eisbohrkerns konnten erstmals Temperaturen und die Zusammensetzung der Atmosphäre über die letzten 800'000 Jahre rekonstruiert werden, zweimal weiter zurück als in früheren Untersuchungen. "Dank unseren Messungen an EPICA-Eis wissen wir, dass die heutige Konzentration von CO2 rund 28 Prozent höher ist und etwa 100 Mal schneller ansteigt als je zuvor in den letzten 650'000 Jahren. Diese Resultate haben im neusten UNO-Klimabericht sowie im Klimafilm von Al Gore Eingang gefunden", sagt Prof. Thomas Stocker von der Abteilung für Klima- und Umweltphysik der Universität Bern. Am zweiten EPICA-Eisbohrkern konnte darüber hinaus bewiesen werden, dass Temperaturänderungen in der letzten Eiszeit eng mit abrupten Klimaschwankungen im Nordatlantikraum verknüpft waren.

Klimageschichte im ewigen Eis

... mehr zu:
»EPICA »Umweltphysik

Die Ergebnisse des EPICA-Projekts fassen die über 10-jährigen Arbeiten der EPICA-Wissenschaftler aus 10 europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, Italien, die Niederlande, Norwegen, Schweden und die Schweiz) auf verschiedensten Gebieten der Eisbohrkernforschung und der Glaziologie zusammen.

Anhand der EPICA-Eisbohrkerne konnte die Konzentration der drei wichtigsten Treibhausgase der Luft, die Temperatur- und Niederschlagsrate, die Aerosolzusammensetzung der Atmosphäre, die Aktivität der Sonne sowie der Fluss von extraterrestrischem Staub auf die Erde in der Vergangenheit gemessen werden. Dazu mussten über mehrere Jahre zwei tiefe Eisbohrungen durch den über 3'000 Meter dicke ostantarktischen Eisschild gebohrt werden. Im Anschluss wurden die Eiskerne und Proben in gefrorenem Zustand nach Europa verschifft und in den verschiedenen europäischen Labors untersucht.

Universität Bern ist langjährige Partnerin

"EPICA war für unsere Abteilung das wichtigste langfristige Projekt der letzten 10 Jahre", sagt Prof. Thomas Stocker von der Abteilung für Klima- und Umweltphysik und vom "Oeschger Centre für Klimaforschung der Universität Bern". Nur in enger Zusammenarbeit aller europäischen Eisbohrkern-Arbeitsgruppen sei es überhaupt möglich gewesen, solch ein Grossprojekt erfolgreich zu meistern, erklärt Dr. Hubertus Fischer vom Alfred Wegener Institut in Bremerhaven, der den EPICA-Antrag für den Descartes Preis koordinierte; im Mai 2008 wird Fischer die neue Professur für Experimentelle Klimaphysik an der Universität Bern antreten. "Mit dem Descartes Preis können wir diese Vernetzung und europäische Zusammenarbeit noch weiter ausbauen", freut sich Fischer.

Eisbohrkernforschung an der Universität Bern

Die Abteilung für Klima- und Umweltphysik des Physikalischen Instituts der Universität Bern nimmt seit Beginn eine Schlüsselstellung im Projekt EPICA ein. Die schweizerische Beteiligung an EPICA wurde durch Beiträge des Schweizerischen Nationalfonds und des Kantons Bern ermöglicht. Der schweizerische Beitrag an EPICA wurde von Prof. em. Bernhard Stauffer aufgebaut und steht heute unter der Leitung von Prof. Thomas Stocker und Dr. Jakob Schwander. Die vielfältigen wissenschaftlichen, mechanischen und logistischen Aufgaben werden vom ganzen Berner Team durchgeführt. Tiefbohrungen in Grönland und der Antarktis gehören seit Mitte der 60er Jahre, als Prof. Hans Oeschger (1927-1998) die Abteilung für Klima- und Umweltphysik gründete, zu den Spezialitäten des Physikalischen Instituts. Das "Oeschger Centre für Klimaforschung" ist das Kompetenzzentrum der Universität Bern für Klimaforschung. Es forscht disziplinär und interdisziplinär und bildet junge Forschende aus. An der "Graduate School of Climate Sciences" wird ein spezialisierter, international ausgerichteter, Master-Studiengang in Klimawissenschaften angeboten.

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.climate.unibe.ch/?L1=research&L2=rice

Weitere Berichte zu: EPICA Umweltphysik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Acht Millionen Euro für die Forschung: Smarte Implantate sollen Knochen besser heilen
10.12.2019 | Universität des Saarlandes

nachricht German Design Award 2020 für Sensorschleuse Argus von dormakaba
09.12.2019 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das feine Gesicht der Antarktis

Eine neue Karte zeigt die unter dem Eis verborgenen Geländeformen so genau wie nie zuvor. Das erlaubt bessere Prognosen über die Zukunft der Gletscher und den Anstieg des Meeresspiegels

Wenn der Klimawandel die Gletscher der Antarktis immer rascher Richtung Meer fließen lässt, ist das keine gute Nachricht. Denn dadurch verlieren die gefrorenen...

Im Focus: Virenvermehrung in 3D

Vaccinia-Viren dienen als Impfstoff gegen menschliche Pockenerkrankungen und als Basis neuer Krebstherapien. Zwei Studien liefern jetzt faszinierende Einblicke in deren ungewöhnliche Vermehrungsstrategie auf atomarer Ebene.

Damit Viren sich vermehren können, benötigen sie in der Regel die Unterstützung der von ihnen befallenen Zellen. Nur in deren Zellkern finden sie die...

Im Focus: Virus multiplication in 3D

Vaccinia viruses serve as a vaccine against human smallpox and as the basis of new cancer therapies. Two studies now provide fascinating insights into their unusual propagation strategy at the atomic level.

For viruses to multiply, they usually need the support of the cells they infect. In many cases, only in their host’s nucleus can they find the machines,...

Im Focus: Cheers! Maxwell's electromagnetism extended to smaller scales

More than one hundred and fifty years have passed since the publication of James Clerk Maxwell's "A Dynamical Theory of the Electromagnetic Field" (1865). What would our lives be without this publication?

It is difficult to imagine, as this treatise revolutionized our fundamental understanding of electric fields, magnetic fields, and light. The twenty original...

Im Focus: Hochgeladenes Ion bahnt den Weg zu neuer Physik

In einer experimentell-theoretischen Gemeinschaftsarbeit hat am Heidelberger MPI für Kernphysik ein internationales Physiker-Team erstmals eine Orbitalkreuzung im hochgeladenen Ion Pr9+ nachgewiesen. Mittels einer Elektronenstrahl-Ionenfalle haben sie optische Spektren aufgenommen und anhand von Atomstrukturrechnungen analysiert. Ein hierfür erwarteter Übergang von nHz-Breite wurde identifiziert und seine Energie mit hoher Präzision bestimmt. Die Theorie sagt für diese „Uhrenlinie“ eine sehr große Empfindlichkeit auf neue Physik und zugleich eine extrem geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störungen voraus, was sie zu einem einzigartigen Kandidaten zukünftiger Präzisionsstudien macht.

Laserspektroskopie neutraler Atome und einfach geladener Ionen hat während der vergangenen Jahrzehnte Dank einer Serie technologischer Fortschritte eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Titin in Echtzeit verfolgen

13.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

LogiMAT 2020: Automatisierungslösungen für die Logistik

13.12.2019 | Messenachrichten

Das feine Gesicht der Antarktis

13.12.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics