Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Empa-Know-how bei erster Phase von "Venture 2008" ausgezeichnet: Geschäftsideen, die einen Preis wert sind

17.01.2008
Am 17. Januar wurden die besten Geschäftsideen des Business-Wettbewerbs "Venture 2008" prämiert. Unter den zehn mit je 2'500 Franken ausgezeichneten Gewinnern befinden sich gleich zwei Projekte, an denen die Empa massgeblich beteiligt ist.

Die Start-up-Firma Unico swiss tex GmbH in Alpnachstad produziert aus an der Empa entwickelten Materialien ultraleichte Kühlkleidung für Menschen, die an Multipler Sklerose (MS) leiden. Und die aus der ETH hervorgegangene Spin-off-Firma Optotune, die Anfang Jahr im neuen Business Incubator der Empa in Dübendorf Einzug hielt, entwickelt gemeinsam mit der Empa aktive optische Elemente, die mit Hilfe elektroaktiver Polymere - "künstlicher Muskeln" - ihre Brennweite stufenlos variieren können, ähnlich wie die Linse des menschlichen Auges.

Alle zwei Jahre kürt die 1996 von der ETH Zürich und der Beratungsfirma McKinsey & Company ins Leben gerufene Venture-Initiative viel versprechende Geschäftsideen und Businesspläne. Dadurch sollen Jungunternehmen gefördert und die Innovationskraft der Schweiz gesteigert werden. Ziele also, der sich auch die Empa verschrieben hat. "Daher freut es mich besonders, dass dieses Jahr gleich zwei Projekte mit Empa-Beteiligung ausgezeichnet wurden", sagt Empa-Direktor Louis Schlapbach. Zumal die Konkurrenz mit mehr als 220 eingereichten Businessideen beträchtlich war.

Empa-Materialien sorgen für sanfte, energiefreie Kühlung bei MS

... mehr zu:
»Businessplan »ETH

Bei Multipler Sklerose (MS), einer entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems, zerstören körpereigene Abwehrzellen die "Isolation" der Nervenzellen, die so genannte Myelinschicht. Dadurch vermindert sich die Leitfähigkeit der Nervenbahnen, was zu den für MS typischen Symptomen wie Kribbeln, Spasmen, Lähmungen, schnelle Ermüdungserscheinungen oder Sehstörungen führt. Weltweit sind etwa 2.5 Millionen Menschen von der Autoimmunerkrankung betroffen; bei einem Grossteil der Erkrankten wirkt eine Abkühlung des Körpers symptom- und schmerzlindernd und hält die Betroffenen länger beweglich.

Aus wasserdichten, atmungsaktiven Membranen entwickelten Empa-ForscherInnen um Markus Rothmaier ein tragbares "Kühlsystem" mit einem zwar einfachen, doch sehr wirkungsvollen Funktionsprinzip: Die aus mehreren Schichten bestehende Kühlkleidung wird mit Wasser gefüllt, das auf der Aussenseite verdunstet, während sich innen ein angenehm sanfter Kühleffekt einstellt. Mit 50 bis 100 Milliliter Wasser lässt sich beispielsweise die Hauttemperatur der Oberschenkel für bis zu zwei Stunden um 4 Grad oder mehr senken - und das ohne Energieverbrauch. "Ein weiterer Vorteil der Empa-Entwicklung ist das geringe Gewicht von lediglich 150 Gramm - mit Wasserfüllung - sowie der aussergewöhnliche Tragekomfort der Kleidungsstücke", so Markus Hess, Gründer der Unico swiss tex GmbH, die Ende 2006 von der Empa das Patent für die Technologie erworben hat und die Kühlkleidung seit April letzten Jahres via Internet vertreibt. Die Kühlhosen und -shirts würden sich kaum von moderner Sportfunktionsunterwäsche unterscheiden, so Hess, und die TrägerInnen würden auch keine heftige Kühlung verspüren, was ein deutlicher Vorteil gegenüber bereits bestehenden Kühlsystemen für MS-PatientInnen sei.

Für Empa-Forscher Rothmaier ist die nun prämierte Geschäftsidee von Markus Hess ein gelungener Abschluss des Entwicklungszyklus "Marke Empa", der mit innovativer Materialforschung begann und über eine erfolgreiche Industriepartnerschaft nun zu einem marktreifen Produkt geführt hat. "Ein Paradebeispiel für die anwendungsorientierten, industrienahen F&E-Aktivitäten der Empa", zeigt sich Rothmaier zufrieden.

Stufenloses, kompaktes Zoom dank "künstlicher Muskeln"

Optische Geräte wie Mikroskope oder Photo- und Videokameras beherbergen meist ein kompliziertes System aus mehreren Linsen mit jeweils fixer Lichtbrechung. Um die Vergrösserung zu wechseln - zu zoomen - sind komplizierte und daher teure Mechanismen notwendig. Forscher um Manuel Aschwanden entwickelten in der Nanotechnology Group der ETH Zürich unter Leitung von Andreas Stemmer eine Linse, die ihre Brechkraft stufenlos variieren kann. Der Trick dabei: Durch Anlegen einer elektrischen Spannung lässt sich die Krümmung - und dadurch die Brechkraft - der Linse variieren. Dies ermöglichen elektroaktive Polymere (EAP), die ihre Form unter dem Einfluss eines elektrischen Felds ändern können.

Anfang 2008 sind Aschwanden und seine Kollegen mit ihrer Spin-off-Firma Optotune in den neuen Business Incubator der Empa umgezogen, wo sie zusammen mit dem Team von Giovanni Terrasi, Leiter der Abteilung "Mechanical Systems Engineering", die EAP-Technologie für optische Systeme weiterentwickeln. Einen ersten Erfolg erzielten die Forscher Anfang Dezember 2007; ihr Projekt zur Abklärung der technischen und kommerziellen Machbarkeit wird seit Anfang 2008 von der Förderagentur für Innovation KTI finanziell unterstützt. "Die neuen Aktivitäten auf dem Gebiet der aktiven optischen Systeme sind eine hervorragende Ergänzung zu unseren bereits laufenden Projekten über den Einsatz von EAP-Aktoren im biomedizinischen Bereich - also tatsächlich als künstliche Muskeln - und als innovative Antriebstechnologie", erklärt Terrasi.

Anwendungen für die innovative Steuerung optischer Systeme gäbe es freilich zur Genüge. "Stellen Sie sich etwa ein ultradünnes Handy vor, welches über ein eingebautes 5faches optisches Zoom-Objektiv verfügt", sagt Aschwanden. Oder Mikroskope mit nur einem einzigen, dafür aber variablen Objektiv. Und auch Photo- und Videokameras bzw. Projektoren liessen sich durch die neue Technologie deutlich kompakter - und erst noch kostengünstiger - herstellen, so Aschwanden. Am Businessplan für ihre neue Firma arbeiten die Venture-Gewinner bereits - und sind somit gerüstet für die nächste Phase des Wettbewerbs. An ehrgeizigen Zielen mangelt es ihnen nicht; ihr Ziel sei es, "den Markt für optische Systeme zu revolutionieren", lassen die Jungunternehmer auf ihrer Homepage verlauten.

Venture - Von der Geschäftsidee über den Businessplan zur Firmengründung

Der von der ETH Zürich und McKinsey & Company initiierte und von zahlreichen Schweizer Unternehmen getragene Wettbewerb wird 2008 bereits zum sechsten Mal durchgeführt. Angehende Jungunternehmen müssen dabei eine Jury aus rund 80 Personen - bestehend aus Unternehmern und Risikokapitalgebern ("Venture Capitalists") - von ihren Geschäftsideen und Businessplänen überzeugen. Das Preisgeld beträgt insgesamt 150'000 Franken, wobei die zehn besten Geschäftsideen in einer ersten, nun abgeschlossenen Phase jeweils mit 2'500 Franken und der beste Businessplan in der zweiten Phase (bis zum 2. April 2008) mit 60'000 Franken ausgezeichnet werden. Insgesamt sind seit 1998 mehr als 170 Firmenneugründungen mit rund 1700 Arbeitsplätzen aus dem Businesswettbewerb hervorgegangen. Weitere Informationen unter: www.venture.ch

Weitere Informationen
Markus Hess, Unico swiss tex GmbH, Alpnachstad, Tel. +41 41 671 00 71, info@hess-sattlerei.ch (Kühlkleidung)
Dr. Markus Rothmaier, Empa, Schutz und Physiologie, Tel. +41 71 274 72 44, markus.rothmaier@empa.ch (Kühlkleidung)
Dr. Manuel Aschwanden, Empa, Mechanical Systems Engineering, Tel. +41 44 823 43 25, manuel.aschwanden@empa.ch (Optotune)
Dr. Giovanni Terrasi, Empa, Mechanical Systems Engineering, Tel. +41 44 823 41 17, giovanni.terrasi@empa.ch (EAP-Technologie)

Dominik Bonderer, Venture 2008, Tel. + 41 41 768 99 40, d.bonderer@knobel.ch (Venture-Wettbewerb)

Sabine Voser | idw
Weitere Informationen:
http://www.empa.ch

Weitere Berichte zu: Businessplan ETH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Rechenzentrum in Windenergieanlage ausgezeichnet
25.04.2019 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht ESJET-Drucktechnologie für großflächige Displays ausgezeichnet
11.04.2019 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Volle Fahrt voraus für SmartEEs auf der Automotive Interiors Expo 2019

Flexible, organische und gedruckte Elektronik erobert den Alltag. Die Wachstumsprognosen verheißen wachsende Märkte und Chancen für die Industrie. In Europa beschäftigen sich Top-Einrichtungen und Unternehmen mit der Forschung und Weiterentwicklung dieser Technologien für die Märkte und Anwendungen von Morgen. Der Zugang seitens der KMUs ist dennoch schwer. Das europäische Projekt SmartEEs - Smart Emerging Electronics Servicing arbeitet an der Etablierung eines europäischen Innovationsnetzwerks, das sowohl den Zugang zu Kompetenzen als auch die Unterstützung der Unternehmen bei der Übernahme von Innovationen und das Voranschreiten bis zur Kommerzialisierung unterstützt.

Sie umgibt uns und begleitet uns fast unbewusst durch den Alltag – gedruckte Elektronik. Sie beginnt bei smarten Labels oder RFID-Tags in der Kleidung,...

Im Focus: Full speed ahead for SmartEEs at Automotive Interiors Expo 2019

Flexible, organic and printed electronics conquer everyday life. The forecasts for growth promise increasing markets and opportunities for the industry. In Europe, top institutions and companies are engaged in research and further development of these technologies for tomorrow's markets and applications. However, access by SMEs is difficult. The European project SmartEEs - Smart Emerging Electronics Servicing works on the establishment of a European innovation network, which supports both the access to competences as well as the support of the enterprises with the assumption of innovations and the progress up to the commercialization.

It surrounds us and almost unconsciously accompanies us through everyday life - printed electronics. It starts with smart labels or RFID tags in clothing, we...

Im Focus: Neuer LED-Leuchtstoff spart Energie

Das menschliche Auge ist für Grün besonders empfindlich, für Blau und Rot hingegen weniger. Chemiker um Hubert Huppertz von der Universität Innsbruck haben nun einen neuen roten Leuchtstoff entwickelt, dessen Licht vom Auge gut wahrgenommen wird. Damit lässt sich die Lichtausbeute von weißen LEDs um rund ein Sechstel steigern, was die Energieeffizienz von Beleuchtungssystemen deutlich verbessern kann.

Leuchtdioden oder LEDs können nur Licht einer bestimmten Farbe erzeugen. Mit unterschiedlichen Verfahren zur Farbmischung lässt sich aber auch weißes Licht...

Im Focus: Münchner Lichtquanten-Destillerie

Garchinger Physiker entwickeln eine Technik, um reine einzelne Photonen zu extrahieren

Das Destillieren von Spirituosen steigert den Gehalt von Alkohol relativ zum Wasseranteil. Ähnlich wirkt eine Methode auf Lichtquanten, Photonen, die ein Team...

Im Focus: Energy-saving new LED phosphor

The human eye is particularly sensitive to green, but less sensitive to blue and red. Chemists led by Hubert Huppertz at the University of Innsbruck have now developed a new red phosphor whose light is well perceived by the eye. This increases the light yield of white LEDs by around one sixth, which can significantly improve the energy efficiency of lighting systems.

Light emitting diodes or LEDs are only able to produce light of a certain colour. However, white light can be created using different colour mixing processes.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie sieht das Essen der Zukunft aus?

25.04.2019 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

UKP-Laser erobern Makrobearbeitung

25.04.2019 | Verfahrenstechnologie

Kraftwerk ohne DNA

25.04.2019 | Biowissenschaften Chemie

Chemische Reaktionen per Licht antreiben

25.04.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics