Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antennen gegen Blutkrebs

16.03.2016

Mit rund 650.000 Euro fördert die Europäische Union ein Forschungsprojekt zur zellbasierten Krebstherapie unter der Leitung von Prof. Dr. Toni Cathomen, Direktor des Instituts für Zell- und Gentherapie am Universitätsklinikum Freiburg. Grundlage ist die Weiterentwicklung der sogenannten CAR-T-Zell-Technologie. Dabei werden Immunzellen mit zellulären Antennen ausgestattet, die krebstypische Merkmale entarteter Zellen erkennen. In der Folge werden die Krebszellen zerstört. Innerhalb von vier Jahren soll das neuartige Verfahren gegen Blutkrebs großflächig einsatzfähig sein.

Die Freiburger Forscher entwickeln dafür effiziente und sichere Genscheren, mit denen der Bauplan der zellulären Antennen ins Erbgut der Immunzellen eingeschleust wird.


Mit der CAR-T-Zell-Technologie werden speziell auf den Krebstyp angepasste Rezeptoren (mit rotem Bereich) in die Immunzellen eingeschleust. So erkennen die Zellen den Krebs und können ihn zerstören.

Grafik: CARAT Consortium

Außerdem suchen sie nach Wegen, wie das Verfahren auch gegen solide Tumore, wie beispielsweise Prostatakrebs, genutzt werden kann. Das Freiburger Projekt ist Teil des mit sechs Millionen Euro geförderten EU-Programms CARAT, dessen Ziel die Weiterentwicklung der bislang sehr aufwändigen CAR-T-Technologie ist.

CAR steht für ‚Chimeric Antigen Receptor‘. Für jede Krebsart werden spezifische Rezeptoren hergestellt, die die Merkmale des jeweiligen Krebses erkennen. Die Freiburger Forscher entwickeln für das Gesamtkonsortium die Genscheren, die auf der CRISPR-Cas-Methode basieren. Mithilfe der Genscheren wird der Bauplan der CAR in das Erbgut der T-Zellen eingebaut.

Dann produzieren die T-Zellen die Rezeptoren und platzieren sie auf der Zelloberfläche. Kommt eine Immunzelle in Kontakt mit einer Krebszelle, erkennt sie diese und zerstört sie. „Unsere CAR-T-Zellen sollen nicht nur hochselektiv Krebszellen erkennen, sondern sich jederzeit bei Bedarf abschalten lassen“, sagt Prof. Cathomen. Damit soll die Sicherheit der Methode weiter erhöht werden.

Außerdem arbeiten die Freiburger Forscher an Wegen, die CAR-T-Technologie auch bei soliden Tumoren einzusetzen. Hier standen die Forscher bislang vor dem Problem, dass das Tumorgewebe Faktoren produziert, welche die T-Zell-vermittelte Immunantwort hemmen.

Die Freiburger Forscher um Prof. Cathomen versuchen darum, diese Hemmung durch gezielte genetische Veränderungen der CAR-T-Zellen zu überwinden. Entsprechende Laborstudien laufen bereits.

Neben der Entwicklung der Genscheren und der Erweiterung auf solide Tumoren ist die Automatisierung der Herstellung der CAR-T-Zellen ein wichtiger Bestandteil des Großprojekts. „In Zukunft soll jedes Klinikum mit einem entsprechenden Reinraum die benötigten CAR-T-Zellen vor Ort selbst herstellen können“, sagt Prof. Cathomen.

Erste klinische Studien mit Erwachsenen und Kindern, die an einer sehr aggressiven Form der Akuten Lymphatischen Leukämie litten, geben Anlass zu großen Hoffnungen. Eine Studie der Universität von Pennsylvania berichtet von 89 Prozent geheilter Personen nach der Anwendung der CAR-T-Zellen.

Die amerikanische Aufsichtsbehörde ‚Food and Drug Administration‘ sieht dies als Durchbruch in der Therapie von bisher behandlungsresistenten Leukämieformen.

Kontakt:
Prof. Dr. Toni Cathomen
Direktor
Zentrum für Zell- und Gentherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-34800
toni.cathomen@uniklinik-freiburg.de

Johannes Faber
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-84610
johannes.faber@uniklinik-freiburg.de

Weitere Informationen:

http://www.uniklinik-freiburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detailansicht/pres... Pressemitteilung: Auszeichnung für Genforscher
http://www.uniklinik-freiburg.de/izg.html Institut für Zell- und Gentherapie
http://www.carat-horizon2020.eu Website des Carat Consortiums

Benjamin Waschow | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Wie ein infizierter Knochen besser heilt
16.10.2019 | Klinikum der Ruhr-Universität Bochum - Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH

nachricht Sensorschleuse Argus von dormakaba mit ICONIC Award 2019 ausgezeichnet
15.10.2019 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Event News

International Symposium on Functional Materials for Electrolysis, Fuel Cells and Metal-Air Batteries

02.10.2019 | Event News

NEXUS 2020: Relationships Between Architecture and Mathematics

02.10.2019 | Event News

Optical Technologies: International Symposium „Future Optics“ in Hannover

19.09.2019 | Event News

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics