3.3 Millionen Franken EU-Gelder für Zellbiologin und Tierschutz-Professor

Wie Tierversuche verbessert werden können

Tierversuche sind eine tragende Säule biologischer Grundlagenforschung und medizinischen Fortschritts. Aus Verantwortung für die Tiere ist jedoch sicherzustellen, dass diese nicht unnötig leiden und dass die Ergebnisse wertvolle Erkenntnisse liefern.

Dabei spielen die Haltungsbedingungen der Versuchstiere eine entscheidende Rolle. Diese wurden bislang für Tierversuche standardisiert, um möglichst präzise und gut reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen.

Das vom ERC geförderte Projekt von Hanno Würbel geht nun davon aus, dass die Standardisierung von Tierversuchen auf einem doppelten Fehlschluss beruht. Vereinfachte Haltungsbedingungen überfordern häufig die Anpassungsfähigkeit der Tiere und beeinträchtigen damit ihr Wohlergehen. Zudem können vereinheitlichte Haltungsbedingungen die Aussagekraft der Ergebnisse und damit den Erkenntniswert der Versuche vermindern.

Im Verlauf des Projekts soll am Beispiel von Mäusen mittels verhaltensbiologischer Experimente sowie Computersimulationen untersucht werden, wie sich verschiedene Aspekte der Haltungsbedingungen auf das Wohlergehen der Versuchstiere und auf die Präzision und Aussagekraft der Ergebnisse aus Tierversuchen auswirken.

Hanno Würbel verspricht sich von den Erkenntnissen objektive wissenschaftliche Grundlagen für ein wirksames «Refinement» von Tierversuchen, also Verbesserungen, die einerseits die Belastungen der Tiere minimieren und andererseits den Erkenntnisgewinn aus Tierversuchen maximieren.

Hanno Würbel (49) leitet die Abteilung Tierschutz am Institut für Veterinary Public Health der Vetsuisse Fakultät an der Universität Bern. Er studierte Biologie an der Universität Bern und doktorierte an der ETH Zürich. Nach Forschungsaufenthalten an der Universität Bristol, UK, und an der ETH Zürich wurde er 2002 als Professor für Tierschutz und Ethologie an die Universität Giessen, Deutschland, berufen, von wo er 2011 auf die neu geschaffene Professur für Tierschutz in Bern wechselte. Würbel ist Preisträger des Hessischen Tierschutz-Forschungspreises und des Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreises.

Dem Ausbruch von Parkinson auf der Spur

Die Parkinson-Krankheit ist eine der weltweit häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Weltweit leiden darunter rund 4.1 Millionen Menschen. Die Krankheit wird hauptsächlich durch das Absterben von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Mittelhirn verursacht. Dopamin (DA) ist ein Botenstoff, der unter anderem die Motorik des Körpers beeinflusst, weshalb es zum typischen Parkinson-Symptom des Muskelzitterns kommt.

Obwohl die Forschung zu den genetischen Ursachen von Parkinson erste Erkenntnisse gewinnen konnte, ist nach wie vor unbekannt, warum die Dopamin-prouduzierenden Nervenzellen absterben – und warum dieses Absterben fortschreitet.

Das Ziel von Emi Nagoshis ausgezeichnetem Projekt ist es nun, die genetischen Mechanismen zu erforschen, die dem Absterben der DA-produzierenden Nervenzellen bei Parkinson zugrunde liegen. Sie untersucht diese Mechanismen an Fruchtfliegen mit einer bestimmten Mutation, die als Modell für die Parkinson-Krankheit dienen. Bei diesen Fruchtfliegen sterben die DA-produzierenden Nervenzellen fortschreitend ab, was zu schwerwiegenden motorischen Störungen und einer verkürzten Lebensspanne führt.

Nagoshi vermutet, dass hinter dem Absterben der Nervenzellen ein zweistufiger Prozess liegt, was nun überprüft werden soll. Von den Erkenntnissen versprechen sich die Zellbiologin und ihr Team ein neues Verständnis der Entstehung von Parkinson – und erhoffen sich dadurch auch die Entwicklung von therapeutischen Ansätzen gegen die bislang unheilbare Krankheit.

Emi Nagoshi (41) leitet die Forschungsgruppe «Molecular and behavioural neuroscience» am Institut für Zellbiologie der Universität Bern. Sie studierte und dissertierte an der Osaka University (JP). Nach weiteren Stationen in Genf und den USA kam sie 2009 nach Bern. Nagoshi ist unter anderem Preisträgerin des mit einer Million Franken dotierten «PRESTO Research Grants» von der Japan Science and Technology Agency, dem japanischen Pendant des Schweizerischen Nationalfonds.

Die ERC Grants aus Brüssel
Der von der Europäischen Union 2007 gegründete «European Research Council» (ERC) ist die erste gesamteuropäische Förderagentur für Spitzen-Grundlagenforschung. Die Aufgabe und der Anspruch des ERC ist die Förderung der freien Forschung der besten Forschenden Europas. Berner Forschende wurden bisher zehnmal mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Die ausgezeichneten Projekte werden über eine Laufzeit von fünf Jahren mit insgesamt rund CHF 3.3 Millionen unterstützt.

Media Contact

Nathalie Matter Universität Bern

Weitere Informationen:

http://www.unibe.ch

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