Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3.3 Millionen Franken EU-Gelder für Zellbiologin und Tierschutz-Professor

16.11.2012
Der Tierschutz-Professor Hanno Würbel und die Zellbiologin Emi Nagoshi werden vom Europäischen Forschungsrat (ERC) mit je einen «ERC Grant» ausgezeichnet: Hanno Würbel erhält einen «Advanced Grant» für seine Untersuchungen zu Haltungsbedingungen von Versuchstieren, Emi Nagoshi einen «Starting Grant» für ihre Forschung zu Parkinson. Zusammen beträgt die Preissumme rund 3.3 Millionen Franken.

Wie Tierversuche verbessert werden können

Tierversuche sind eine tragende Säule biologischer Grundlagenforschung und medizinischen Fortschritts. Aus Verantwortung für die Tiere ist jedoch sicherzustellen, dass diese nicht unnötig leiden und dass die Ergebnisse wertvolle Erkenntnisse liefern.

Dabei spielen die Haltungsbedingungen der Versuchstiere eine entscheidende Rolle. Diese wurden bislang für Tierversuche standardisiert, um möglichst präzise und gut reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen.

Das vom ERC geförderte Projekt von Hanno Würbel geht nun davon aus, dass die Standardisierung von Tierversuchen auf einem doppelten Fehlschluss beruht. Vereinfachte Haltungsbedingungen überfordern häufig die Anpassungsfähigkeit der Tiere und beeinträchtigen damit ihr Wohlergehen. Zudem können vereinheitlichte Haltungsbedingungen die Aussagekraft der Ergebnisse und damit den Erkenntniswert der Versuche vermindern.

Im Verlauf des Projekts soll am Beispiel von Mäusen mittels verhaltensbiologischer Experimente sowie Computersimulationen untersucht werden, wie sich verschiedene Aspekte der Haltungsbedingungen auf das Wohlergehen der Versuchstiere und auf die Präzision und Aussagekraft der Ergebnisse aus Tierversuchen auswirken.

Hanno Würbel verspricht sich von den Erkenntnissen objektive wissenschaftliche Grundlagen für ein wirksames «Refinement» von Tierversuchen, also Verbesserungen, die einerseits die Belastungen der Tiere minimieren und andererseits den Erkenntnisgewinn aus Tierversuchen maximieren.

Hanno Würbel (49) leitet die Abteilung Tierschutz am Institut für Veterinary Public Health der Vetsuisse Fakultät an der Universität Bern. Er studierte Biologie an der Universität Bern und doktorierte an der ETH Zürich. Nach Forschungsaufenthalten an der Universität Bristol, UK, und an der ETH Zürich wurde er 2002 als Professor für Tierschutz und Ethologie an die Universität Giessen, Deutschland, berufen, von wo er 2011 auf die neu geschaffene Professur für Tierschutz in Bern wechselte. Würbel ist Preisträger des Hessischen Tierschutz-Forschungspreises und des Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreises.

Dem Ausbruch von Parkinson auf der Spur

Die Parkinson-Krankheit ist eine der weltweit häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Weltweit leiden darunter rund 4.1 Millionen Menschen. Die Krankheit wird hauptsächlich durch das Absterben von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Mittelhirn verursacht. Dopamin (DA) ist ein Botenstoff, der unter anderem die Motorik des Körpers beeinflusst, weshalb es zum typischen Parkinson-Symptom des Muskelzitterns kommt.

Obwohl die Forschung zu den genetischen Ursachen von Parkinson erste Erkenntnisse gewinnen konnte, ist nach wie vor unbekannt, warum die Dopamin-prouduzierenden Nervenzellen absterben – und warum dieses Absterben fortschreitet.

Das Ziel von Emi Nagoshis ausgezeichnetem Projekt ist es nun, die genetischen Mechanismen zu erforschen, die dem Absterben der DA-produzierenden Nervenzellen bei Parkinson zugrunde liegen. Sie untersucht diese Mechanismen an Fruchtfliegen mit einer bestimmten Mutation, die als Modell für die Parkinson-Krankheit dienen. Bei diesen Fruchtfliegen sterben die DA-produzierenden Nervenzellen fortschreitend ab, was zu schwerwiegenden motorischen Störungen und einer verkürzten Lebensspanne führt.

Nagoshi vermutet, dass hinter dem Absterben der Nervenzellen ein zweistufiger Prozess liegt, was nun überprüft werden soll. Von den Erkenntnissen versprechen sich die Zellbiologin und ihr Team ein neues Verständnis der Entstehung von Parkinson – und erhoffen sich dadurch auch die Entwicklung von therapeutischen Ansätzen gegen die bislang unheilbare Krankheit.

Emi Nagoshi (41) leitet die Forschungsgruppe «Molecular and behavioural neuroscience» am Institut für Zellbiologie der Universität Bern. Sie studierte und dissertierte an der Osaka University (JP). Nach weiteren Stationen in Genf und den USA kam sie 2009 nach Bern. Nagoshi ist unter anderem Preisträgerin des mit einer Million Franken dotierten «PRESTO Research Grants» von der Japan Science and Technology Agency, dem japanischen Pendant des Schweizerischen Nationalfonds.

Die ERC Grants aus Brüssel
Der von der Europäischen Union 2007 gegründete «European Research Council» (ERC) ist die erste gesamteuropäische Förderagentur für Spitzen-Grundlagenforschung. Die Aufgabe und der Anspruch des ERC ist die Förderung der freien Forschung der besten Forschenden Europas. Berner Forschende wurden bisher zehnmal mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Die ausgezeichneten Projekte werden über eine Laufzeit von fünf Jahren mit insgesamt rund CHF 3.3 Millionen unterstützt.

Nathalie Matter | Universität Bern
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Schönheit der organischen Form in 3D
12.07.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?
06.07.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics