Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

1,5 Millionen Euro für die Heidelberger Malariaforschung

02.03.2018

Erfolg der Medizinischen Fakultät Heidelberg bei den ERC Starting Grants/ Projekt der Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Silvia Portugal vom Zentrum für Infektiologie, Abteilung Parasitologie wird vom Europäischen Forschungsrat mit 1,5 Millionen Euro gefördert/ Internationales Team untersucht, wie der Malaria-Erreger die Trockenzeit überwindet

Ohne ausreichend Wasser gibt es keine Anopheles-Mücken – und ohne Mücken keine neuen Malaria-Infektionen des Menschen. Wie übersteht der Malaria-Erreger Plasmodium falciparum also die Trockenzeit in seinen Verbreitungsgebieten, in der es kaum Wasserflächen zur Entwicklung der Mückenlarven gibt?


Die Malariaforscherin Dr. Silvia Portugal untersucht, wie der Malaria-Erreger die Trockenzeit überwindet.

Universitätsklinikum Heidelberg

Diese Frage wird Dr. Silvia Portugal, Nachwuchsgruppenleiterin in der Abteilung Parasitologie am Zentrum für Infektiologie, Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg, in den kommenden fünf Jahren erforschen. Ihre Arbeit wird durch einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrates (European Research Council - ERC) in Höhe von 1,5 Millionen Euro unterstützt. Der ERC Starting Grant ist eine hochdotierte Forschungsförderung der Europäischen Union, mit deren Hilfe Spitzenwissenschaftler Grundlagenforschung und visionäre Projekte vorantreiben sollen.

„Frau Dr. Portugal ist eine unserer herausragenden jungen Wissenschaftlerinnen“, sagt Prof. Dr. Michael Lanzer, Leiter der Abteilung Parasitologie. „Wir sind besonders stolz darauf, dass sie sich entschieden hat, ihre jetzt auch mit dem ERC Starting Grant geförderte Forschung am Universitätsklinikum Heidelberg fortzuführen und nicht an einer anderen Spitzenuniversität.“

Versteckspiel in der Trockenzeit

Die Regenzeit ist in tropischen Ländern auch die Zeit der Malaria-Ausbrüche, denn nur wenn genug Wasser da ist, können die den Erreger übertragenden Anopheles-Mücken sich explosionsartig vermehren. „Die Trockenzeit, in der es nur wenige Mücken gibt, stellt eine Herausforderung für den Malaria-Erreger Plasmodium falciparum dar“, fasst Dr. Silvia Portugal zusammen. Fest steht: Infizierte, aber nicht erkrankte Menschen sind ein wichtiges Übertragungsreservoir für den Parasiten, denn es gelingt ihm, sich während der Trockenzeit so zu verändern, dass die Malaria-Infektion keine Beschwerden verursacht.

Das erfolgreiche Versteckspiel des Erregers scheint genetische Ursachen zu haben: „Unsere vorläufigen Daten geben Hinweise darauf, dass P. falciparum das Ablesen seiner Gene – die Transkription – in der Trockenzeit verändert, während das Immunsystem des Wirts kaum auf den Krankheitserreger reagiert. Dies deutet darauf hin, dass der Parasit sich sehr gut an Zeiträume anpassen kann, in denen keine Mücken zur Übertragung auf neue Wirte zur Verfügung stehen“, sagt Dr. Silvia Portugal.

Wie entzieht sich der Parasit dem menschlichen Immunsystem?

Die Parasitologin möchte in den kommenden fünf Jahren die Mechanismen herausfinden, mit denen der Parasit für das Immunsystem unerkannt bleibt, solange keine Mücken unterwegs sind – und wie er in der folgenden Regenzeit seine Übertragung wieder in Gang setzt. Neben der Erforschung von Signalwegen und Stoffwechselprofilen des Parasiten interessiert sie sich besonders für das sogenannte PfEMP1-Eiweiß: Dieses in verschiedenen Varianten vorkommende Eiweiß sorgt dafür, dass mit P. falciparum infizierte Blutzellen an der inneren Wand von Blutgefäßen festhaften. Sie gelangen somit nicht zur Milz, wo normalerweise kranke und überalterte Zellen aussortiert werden. „Wir möchten untersuchen, welche PfEMP1-Varianten der Parasit während der Trockenzeit exprimiert und wie effektiv diese vom Immunsystem erkannt werden“, so Dr. Silvia Portugal.

Stationen einer Karriere: Porto – Lissabon – São Paulo – Bethesda – Heidelberg

Silvia Portugal, geboren 1980 in Póvoa de Varzim in Portugal, studierte Biologie an der Universität von Porto, promovierte an der Universität von Lissabon und forschte anschließend an der Universität von São Paulo in Brasilien sowie anschließend fünf Jahre lang am National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda, USA. Im Jahr 2016 wurde sie für die Leitung einer vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) geförderten Nachwuchsgruppe am Heidelberger Zentrum für Infektiologie, Abteilung Parasitologie unter Leitung von Prof. Dr. Michael Lanzer ausgewählt. Ihre Forschung wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem im Jahr 2012 mit einem EMBO-Fellowship, 2013 vom „Burroughs Wellcome Fund“ und 2014 bis 2015 mit dem „Fellows Award for Research Excellence“ der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) der USA

Fakten zur Malaria

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten im Jahr 2015 rund 210 Millionen Menschen an Malaria, circa 430.000 starben daran. Betroffen sind vor allem Länder der Tropen und Subtropen, insbesondere afrikanische Staaten südlich der Sahara. Die Erreger, einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium, werden von Stechmücken übertragen und befallen als erstes Leberzellen. Dort entwickeln sie sich zu einer aggressiven Form weiter, die in rote Blutzellen eindringt, sich dort massenhaft vermehrt und die Blutzellen zerstört. Dies verursacht die häufig lebensgefährlichen Symptome der Malaria: Fieber und Blutarmut bis hin zu Organversagen. Es wurden inzwischen zahlreiche Medikamente zur Bekämpfung der Parasiten im Körper entwickelt, gegen die sich jedoch meistens früher oder später Resistenzen entwickeln. Impfstoffe sind in der Entwicklung, zurzeit aber noch nicht auf dem Markt.

Weiter Informationen:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Malaria-6-Portugal.141030.0.html

Kontakt:
Dr. Silvia Portugal
Zentrum für Infektiologie, Parasitologie
Universitätsklinikum Heidelberg
E-Mail: Silvia.Portugal@med.uni-heidelberg.de

Julia Bird | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Ultraschall verbindet
13.11.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht DFG fördert 15 neue Graduiertenkollegs 11/2018
12.11.2018 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mikroplastik in Kosmetik

16.11.2018 | Studien Analysen

Neue Materialien – Wie Polymerpelze selbstorganisiert wachsen

16.11.2018 | Materialwissenschaften

Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren

16.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics