Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

1,5 Millionen Euro Fördergelder zur Erforschung des Faktors Mensch in sicheren Computernetzen

06.01.2016

Professor Matthew Smith vom Institut für Informatik 4 an der Universität Bonn und vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE in Bonn und Wachtberg erhält 1,5 Mio. € Forschungsförderung vom Europäischen Forschungsrat, um IT-Sicherheit benutzbarer zu machen.

IT-Sicherheit, die sich dem Menschen anpasst


Prof. Matthew Smith

Fraunhofer FKIE

Professor Matthew Smith, von der Universität Bonn beschäftigt sich mit „Usable Security“ – der Bedienbarkeit von IT-Sicherheit. Um die Forschung in diesem Gebiet zu intensivieren, erhält Professor Smith über einen Zeitraum von fünf Jahren 1,5 Mio. Euro Forschungsgelder vom Europäischen Forschungsrat. „Mit diesem neuen Forschungsprojekt möchte ich die bestehenden Grenzen der Bedienbarkeit von Computersystemen erweitern“ erläutert Professor Smith das Ziel seiner Forschung.

„Im Fokus stehen dabei Entwickler und Administratoren, da diese Gruppe die katastrophalsten Sicherheitsvorfälle der letzten Zeit verursacht hat“, führt er weiter aus. Bisher stehen in der Forschung vor allem die Endanwender von Computersystemen im Fokus.

„Wenn man aber an die Angriffe auf Sony denkt, wodurch unbemerkt mehrere Terabyte an Daten gestohlen wurden, dann sind dafür Entwickler und Administratoren verantwortlich“, erklärt Smith die Problematik. „Bisherige Ansätze sahen immer eine technische Lösung vor, an die sich die Benutzer anpassen müssen“, beschreibt Smith den aktuellen Status.

Aus seiner Sicht muss jedoch gerade der umgekehrte Ansatz verfolgt werden: Die Technik soll sich dem Menschen anpassen. Dadurch sollen Fehler vermieden werden. „Ich möchte bei meiner Forschung die Entwickler und Administratoren mit einbeziehen, um Ihnen die Arbeit in Zukunft zu erleichtern und damit alle Nutzer besser zu schützen«, präzisiert Smith.

Lösungen gegen Cyberkriminalität am Standort Bonn

Laut einer Studie von McAfee und dem Center for Strategic and International Studies von 2014 belaufen sich die Schäden durch Cyberkriminelle weltweit auf ca. 370 Milliarden Euro. Die Ursachen für diese Zwischenfälle und vor allem die Probleme, denen die IT-Verantwortlichen begegnen, sind vielfältig. Daher wird Professor Smith in seinem Projekt zunächst Ursachenforschung unter enger Einbindung von Fachleuten betreiben, um dann Lösungen zu erarbeiten.

„Wir werden prüfen, ob Informatikstudenten und -studentinnen mit dem entsprechenden Fachwissen als Versuchsgruppe in Frage kommen“, beschreibt Professor Smith. Dann werden Probleme wie zum Beispiel die Handhabung von Passwörtern durch die Administratoren betrachtet. Viele Passwörter wurden in der Vergangenheit nicht durch die Nutzer, sondern durch nachlässige Experten veröffentlicht, weil diese nicht verschlüsselt abgespeichert wurden.

„Ich werde Interviews durchführen, um zu verstehen, warum Experten in diesem Bereich so oft Fehler machen“, erklärt Smith weiter. Durch die Forschungsförderung ist es möglich, dass insgesamt sieben verschiedene Fragestellungen bearbeitet werden können, um so am Forschungsstandort Bonn einen umfassenden Lösungsansatz für diese weltweite Problematik zu erarbeiten.

Europäische Spitzenförderung

Der Europäische Forschungsrat hat es sich zur Aufgabe gemacht, hochwertige Forschung in Europa durch attraktive Förderprogramme auszubauen. Das Ziel ist es, die europäische Spitzenposition in Forschung und Wissenschaft zu unterstützen und auszubauen. Forschungsgelder stehen dabei Wissenschaftlern aus allen Nationen zur Verfügung, sofern sie in der EU forschen. Dabei werden nur die besten Forscher für die Förderung in Betracht gezogen. Die ausgewählten Forschungsvorhaben sollen dazu dienen, die Grenzen unseres Wissens zu verschieben und zu erweitern.

„Usable Security“ als Schlüssel zur Netzwerksicherheit

Das Forschungsgebiet „Usable Security“ am Fraunhofer FKIE, unter der Leitung von Prof. Smith, befasst sich mit dem „Faktor Mensch“ und arbeitet daran für Nutzer Sicherheitsrelevante Informationen ergonomisch so darzustellen, damit die Handlungsfähigkeit und der Schutz im Cyber Space das höchstmögliche Niveau erreichen. Die aktuell am Markt etablierten SIEM (Security information and event management)-Lösungen sind sehr komplexe und umfangreiche Systeme, die sich aus mehreren Komponenten zusammensetzen und sehr unübersichtlich sind. Ein Hauptziel der Arbeit von Prof. Smith ist es, die Handlungsfähigkeit von Systemadministratoren zu erhöhen, indem die Daten, die jetzt schon vorhanden sind visuell aufzubereiten.

Wissenschaftlicher Werdegang von Professor Smith

Professor Smith forscht seit vielen Jahren im Spannungsfeld von komplexen verteilten Systemen – miteinander vernetzten Computern – und deren Sicherheit einerseits und einfacher Benutzbarkeit andererseits. In über einem Dutzend vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der EU geförderten Drittmittelprojekten hat er unter anderem Sicherheits- und Benutzbarkeitsprobleme bei mobilen Systemen, beim Cloud Computing, dem Social Web und in dem Bereich Big Data untersucht.

Prof. Matthew Smith, geboren 1978 in Lahn-Gießen, schloss sein Studium der Technischen Informatik im Jahr 2003 an der Universität Siegen mit Auszeichnung ab. An der Philipps-Universität Marburg verfasste er seine Promotion, die er 2008 ebenfalls mit Auszeichnung abschloss. 2009 wurde die Arbeit von der Gesellschaft zur Förderung des Forschungstransfers (GFFT e.V.) mit dem Dissertationspreis ausgezeichnet. Im Jahr 2014 wurde er von der Universität Bonn zum Professor am Institut für Informatik berufen. Vorher hatte er eine Professur an der Leibnitz Universität Hannover inne.

Redaktion
Timo Wirtz | Telefon +49 228 9435-103 | timo.wirtz@fkie.fraunhofer.de | Fraunhofer-Institut für Kommunikation,
Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE, Fraunhoferstraße 20, 53343 Wachtberg-Werthhoven | www.fkie.fraunhofer.de

Weitere Ansprechpartner
Prof. Dr. Matthew Smith | smith@cs.uni-bonn.de Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Friedrich-Ebert-Allee 144, 53113 Bonn | Tel: +49-228-73-54218

Weitere Informationen:

https://www.fkie.fraunhofer.de/de/presse.html

Presse Institute Kommunikation | Fraunhofer-Gesellschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Weniger Tierversuche absehbar: Multiorgan-Chip ausgezeichnet
18.10.2018 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Ein Roboter, der Schienenbrüche erkennt: Auszeichnung für Projekt „Railcheck“
12.10.2018 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics