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Winter naht - Gewächshaus wärmt Wohnsiedlung

01.10.2012
3,5 ha Tomate wärmen 300 Wohnungen / Weitere 600 Wohnungen folgen

Mit 28 Prozent des primären Energieverbrauchs haben Gebäudeheizung und Warmwasserbereitung den größten Anteil am individuellen Energieverbrauch in Deutschland (dena).* In den benachbarten Niederlanden liegt dieser Anteil mit weniger als 20 Prozent deutlich niedriger (ecn)** - dennoch forschen Ingenieure seit Jahrzehnten nach energieeffizienten Methoden, um die Wärme dort abzufangen, wo sie überschüssig ist, und dahin zu führen, wo sie fehlt.

Mit Hilfe der Wärme-Kälte-Speicherung (WKSP) nutzen die Niederländer neuerdings auch die überschüssige Wärme, die im Gewächshaus entsteht, und speichern sie in Grundwasserleitern, sogenannten Aquifern: Wenn die Bewohner der Häuser im benachbarten Neubaugebiet frösteln und die Heizung anmachen, wird einzig und allein das mit Hilfe der überschüssigen Wärme aus dem Gewächshaus erwärmte Wasser aus diesen Grundwasserreservoirs genutzt, um den Wohnraum auf die gewünschte Temperatur zu bringen. Die überschüssige Wärme entsteht ausschließlich durch Einstrahlung der Sonne, fossile Brennstoffe kommen dazu nicht zum Einsatz.

Hoogeland - 3,5 ha Tomate erlauben ungewöhnliches Energiekonzept

Mit der Neubausiedlung Hoogeland am Standort Naaldwijk haben die Gärtnerorganisation Prominent, die Gemeinde Westland und die Wohnungsbaugesellschaft Vestia Westland ein außergewöhnliches Projekt realisiert: Dort generieren Gewächshäuser mit 3,5 ha Tomate genügend Sonnenwärme für die Heizung und Warmwasserversorgung von derzeit 320 Wohnhäusern. Insgesamt 900 Häuser sollen angeschlossen werden.

Stark vereinfacht funktioniert die zugrunde liegende Wärme-Kälte-Speicherung (WKSP) wie folgt: Im Westland befinden sich in ca. 80 m Tiefe Grundwasserleiter. Diese wurden durch jeweils zwei Bohrungen erschlossen. Im Sommer wird das aus der kalten Bohrung entnommene Wasser mit Hilfe der Überschusswärme auf etwa 20-30° Celsius gebracht und in die warme Bohrung injiziert. Im Winter liefert dieses warme Wasser Fernwärme für die Häuser in der Siedlung.

Dabei bringen in die einzelnen Wohnungen integrierte Wärmepumpen die Grundwassertemperatur auf die in den Wohnungen benötigen Temperaturen. Bis zu 75 Prozent der gespeicherten Sonnenwärme kann bis ans Ende des Winters bewahrt werden.

Energiekostenersparnis von bis zu 15 Prozent für die Bewohner

Für die Bewohner der nutznießenden Neubausiedlung Hoogeland bedeutet die Fernwärme aus dem Gewächshaus eine Energiekostenersparnis von bis zu 15 Prozent. "Wir haben uns bewusst für eine Wohnung in Hoogeland entschieden", so Niels van den Ende, Bewohner, "Gut für die Umwelt, und wir werden auch noch Energiekosten sparen!" "Mit dem insgesamt nachhaltigen Energiekonzept ist der CO2-Ausstoß der Siedlung 40 Prozent geringer als beim konventionellen Bau", so Tinka van Rood, Geschäftsführerin Vestia Westland, und fast zusammen: "Hoogeland deckt ihren Energiebedarf aus der Restwärme, die in den Gewächshäusern im Westland entsteht. Das macht sie zum ersten CO2-armen Wohnviertel im Westland. Ein echter Impuls für das Klima und für die Region."***

Mit 4.000 ha beheimatet das Westland eines der größten Cluster an Gewächshäusern in den Niederlanden. "Etwa 81 Prozent des Energieverbrauchs im Westland geht aufs Konto der Gewächshäuser", so Jeroen Straver, zuständiger Mitarbeiter der Gemeinde Westland. "So gut wie jeder Betreiber nutzt eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (KWK) und speist den damit generierten überschüssigen Strom ins Stromnetz ein, was der Gesamtenergiebilanz der Niederlande spürbar zugute kommt. Jetzt liefern Gewächshäuser auch noch Fernwärme! WKSP ist eine bewährte Technologie - bahnbrechend ist das Tomaten-Projekt aber, da es das Gewächshaus als Sonnenkollektor benutzt, welches die Energie in Form von Sonnenwärme verstärkt und mit Hilfe des Mediums Wasser in der Erde speichert - um sie dann wieder zur Verfügung zu stellen."

Flora und Fauna in keiner Weise beeinträchtigt

Das System benutzt das im Aquifer bereits vorhandene Grundwasser - so dass keine Wasserreserven angezapft werden müssen, die nicht bereits vorhanden sind. Das im Kreislauf befindliche Wasser wird weder weniger noch mehr, sondern bleibt erhalten. In dieser Tiefe hat das Grundwasser in den Niederlanden normalerweise eine Temperatur von 12° Celsius, der mittleren Jahrestemperatur. Veränderungen der Temperatur beeinträchtigen Flora und Fauna über der Erde in keiner Weise.

Quellen

*Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena), www.dena.de
**Stichting Energieonderzoek Centrum Nederland (ecn), www.ecn.nl ***http://www.ve stia.nl/Westland/OverVestia/ActiviteitenEnProjecten/Pages/

HoogelandeersteCO2armewijkvanNederland.aspx

Pressekontakt:
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