Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wasserstoff-Forschungszentrum an der BTU Cottbus

05.06.2012
4. Juni 2012: Eröffnung des ersten brandenburgischen Wasserstoff-Forschungszentrums an der BTU Cottbus

Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft. Dabei ist Wasserstoff selbst kein Energielieferant sondern nur ein Energiespeicher. Mit Hilfe von regenerativ gewonnener Energie (durch Sonnen- oder Windkraft) wird bei der Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten.

Wasserstoff und Sauerstoff können in Tanks flüssig oder gasförmig, gelagert und dann später in der Brennstoffzelle wieder in Energie umgewandelt werden. Im Vergleich zu anderen Verfahren entstehen bei diesem Prozess keine Schadstoffe.

Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wurde am heutigen Montag, den 4. Juni 2012 im Rahmen der Energiewoche an der BTU Cottbus die Inbetriebnahme der Druckelektrolyseanlage gefeiert.

Prof. Hans Joachim Krautz, Lehrstuhl Kraftwerkstechnik und Initiator des Wasserstoff-Forschungszentrums sagt hierzu: „Deutschlandweit sind wir in Brandenburg mit unseren Forschungsarbeiten Vorreiter.“
Für Prof. Zimmerli ist die BTU-Cottbus längst eine Energie-Universität: „Es ist so wie das Bundesforschungsministerium schon 2010 sagte: ‚ Mit ihrem technikübergreifenden Ansatz hat sich die kleine BTU auf dem Forschungsfeld Umwelt/Energie zu einer der stärksten Stimmen im deutschsprachigen Raum entwickelt‘.“

Werner Diwald vom Vorstand der ENERTRAG AG äußerte sich folgendermaßen: „Wir brauchen einen starken Partner in der Nähe, den wir mit der BTU Cottbus gefunden haben. Die bisher schon erbrachte hohe effiziente Zusammenarbeit, wird uns weiter voran bringen. Die Cottbuser sind genau die Richtigen!“
Mit der neuen Wasserstoff-Technologie kann regenerativ erzeugte Energie so gespeichert werden kann, dass sie genau zu dem Zeitpunkt abgerufen werden kann, wenn der Strom benötigt wird. Daher forschen weltweit Wissenschaftler an verschiedensten Möglichkeiten, Erneuerbare Energien speicherbar zu machen und somit in eine stabile ökologische Energieversorgung integrieren zu können. So auch an der BTU in Cottbus: Mit der Inbetriebnahme der alkalischen Druckelektrolyseanlage (maximale Produktionskapazität: 30 Nm3/h Wasserstoff) startet die Erprobungsphase einer wesentlichen Komponente des neuen Kraftwerkstyps „Hybridkraftwerk“, wie es weltweit erstmalig in Prenzlau in der Uckermark im letzten Jahr ans Netz gegangen ist. Hierzu arbeitet der Lehrstuhl Kraftwerkstechnik mit Wirtschaftspartnern, wie der ENERTRAG AG und TOTAL Deutschland GmbH zusammen. Im Cottbuser Wasserstoff-Forschungszentrum versuchen die BTU-Wissenschaftler das Verfahren der alkalischen Druckelektrolyse entscheidend zu optimieren. Des Weiteren werden Fragen zur Speicherung, zum Transport und zur Verstromung von Wasserstoff untersucht. ENERTRAG lieferte das Herzstück, den Elektrolyseur.

Hintergrund
Im Hybridkraftwerk der ENERTRAG AG wird die überschüssige Energie bei starkem Wind nicht mehr ins Stromnetz abgegeben, sondern dient dem Betrieb eines konventionellen Elektrolyseurs, welcher bei annäherndem Umgebungsdruck von 1 bar Wasserstoff herstellt. Im Cottbuser Wasserstoff-Forschungszentrum erfolgt nun die Erprobung einer Versuchsanlage, bei der Wasserstoff mittels Druckelektrolyse von bis zu 60 bar und optimaler Anpassung an die Stromeinspeisung aus Windkraftanlagen erzeugt wird (Zum Vergleich: 60 bar, das ist das Dreißigfache des Drucks in einem herkömmlichen Autoreifen). Der Vorgang der Elektrolyse ist nichts anderes als ein elektrochemisches Verfahren, bei welchem eine Substanz, die sich zwischen zwei an einen Stromkreis angeschlossenen Elektroden befindet, aufgespalten wird. Das Forscherteam der BTU Cottbus verwendet simples gereinigtes Wasser und spaltet dieses mittels eines Gleichstromes in die hochreinen Produktgase Wasserstoff und Sauerstoff. In der Industrie ist dies ein seit mehr als 100 Jahren bewährtes Verfahren und Stand der Technik. Technologisch neuartig ist jedoch der Ansatz, einen unter hohem Druck arbeitenden Elektrolyseur durch einen angeschlossenen Windpark speisen zu lassen. Die bisher verwendeten Elektrolyse-Anlagen sind nur bedingt in der Lage, optimale Produktionsbedingungen bei Anlegen einer schwankenden Stromeinspeisung zu erreichen. Hier sind weitergehende Forschungsarbeiten und Verfahrensoptimierungen unerlässlich, um die Effizienz und damit die Wasserstoffausbeute steigern zu können. Haben die Wissenschaftler der BTU Cottbus Erfolg, so kann der getestete und optimierte Prototyp der Elektrolyseanlage mit Hilfe der gewonnenen Ergebnisse aus dem Projekt, sinnvoll in ein Hybridkraftwerk eingebunden werden. Die Vorteile der Druckelektrolyse liegen klar auf der Hand: Durch hohen Druck werden die produzierten Gasmengen schon innerhalb des Produktionsprozesses komprimiert, also verdichtet. Dieser Vorgang spart den energieintensiven Zwischenschritt der Gasverdichtung durch einen Kompressor, um den Wasserstoff in einem Gastank unter Druck speichern zu können. Zudem wird durch das komprimierte Produktgas eine kompaktere Bauweise möglich, welche im Bereich der Anlagentechnik und des Rohrleitungsbaus für deutliche Materialeinsparungen sorgt. Bei großen Industrieanlagen ist dies ein nicht zu vernachlässigender Faktor und kann die Investitionskosten senken, womit die Markteinführung erleichtert wird. Durch die zunehmende Einbindung derartiger Hybridkraftwerke – mit Speichermöglichkeit – können regenerative Energien verstärkt grundlastdeckend eingesetzt werden und damit klimaneutral die Energieversorgung sicherstellen. Die Grundsteinlegung des zweieinhalbgeschossigen Baus mit der rund 250 m2 großen Halle erfolgte am 16. September 2010. Im Herzen der Halle steht auf einer Fläche von etwa 90 m2 der Druckelektrolyseur im Maßstab einer kleinen Industrieanlage. Das Forschungszentrum wird mit rund sechs Mio. € von Bund und Land gefördert.

Weitere Informationen:

BTU Cottbus
Lehrstuhl Kraftwerkstechnik, Prof. Hans-Joachim Krautz
Tel.: 0355/69-4600
Projektleiterin Christine Tillmann
Tel.: 0355/69-5038

ENERTRAG AG
Robert Döring, Leiter Public Affairs
ENERTRAG Aktiengesellschaft
Gut Dauerthal
17291 Dauerthal
Fon +49 (39854) 6459-368
Funk +49 (172) 3920762
Fax +49 (39854) 6459-420
robert.doering@enertrag.com
ENERTRAG erzeugt Strom aus Wind und anderen erneuerbaren Energien. Die Unternehmergruppe, gegründet 1998, mit über 430 Mitarbeitern und Standorten in fünf Ländern plant, errichtet und betreibt Anlagen, entwickelt Technologien sowie Finanzprodukte und verfügt über ein umfangreiches Servicenetzwerk für Windenergieanlagen in Deutschland und Frankreich. Bisher wurden bereits 460 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 760 Megawatt errichtet und in Betrieb genommen.Mehr Informationen unter: http://www.enertrag.com.

Iris Mrosk | idw
Weitere Informationen:
http://www.enertrag.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Gleichstrom für die Fabrik der Zukunft
06.12.2019 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus
05.12.2019 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RNA-Modifikation - Umbau unter Druck

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Der Versteppung vorbeugen

06.12.2019 | Geowissenschaften

Verstopfung in Abwehrzellen löst Entzündung aus

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics