Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Treibstoff aus der grünen Suppe

20.09.2013
Algen als Lieferant von Biokraftstoff zu nutzen ist das Ziel der Forschungsarbeiten des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der Technischen Universität Hamburg gemeinsam mit E.ON Hanse AG, den Universitäten Hamburg, Erlangen und Busan/Südkorea.

Mit weiteren zwei Millionen Euro wird das seit 2007 laufende Mikroalgenprojekt nun deutlich ausgeweitet. Das Ziel ist, neue Verfahren zu entwickeln, um die bislang teure Herstellung von Kraftstoffen aus Algen durch kombinierte Wertstoffgewinnung und möglichst vollständiger Verwertung der Biomasse signifikant zu erhöhen. Damit wächst die Aussicht auf absehbare Zeit marktfähige Kraftstoffe aus regenerativen Verfahren zu entwickeln.


Energieversorgung der Zukunft: Algen als Energieträger für Biokraftstoffe
Foto: TUHH/IuE

Algen schlucken Kohlendioxid und liefern Biokraftstoff. Daran forscht intensiv das Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der Technischen Universität Hamburg in enger Zusammenarbeit mit E.ON Hanse AG sowie den Universitäten Hamburg, Erlangen und Busan/Südkorea. Durch die Einwerbung von zwei Millionen Euro wird das seit 2007 laufende Mikroalgenprojekt nun deutlich ausgeweitet. "Ziel des neuen Projekts ist es, mit einem Bioraffinerie-Konzept auch die Nebenprodukte, die bei der Kultivierung und Nutzung von Algen anfallen, weiter zu verwerten, so dass die Gewinnung von Algenkraftstoff wirtschaftlich wird", sagte Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kuchta anlässlich einer Pressekonferenz im TUHH-Institut. All das geschieht derzeit auf der E.ON Hanse-Pilotanlage in Hamburg-Reitbrook.

Vorgestellt wurden die Pläne seitens der E.ON Hanse von Projektleiter Thomas Brauer und Udo Bottländer, Personalvorstand des norddeutschen Energiedienstleisters. TUHH-Forschungsreferent Dr. Johannes Harpenau lobte die Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft im Bereich des TUHH-Kompetenzfeldes Green Technologies: "Diese Kooperation ist ein Musterbeispiel dafür, wie intensiv die TUHH mit der Wirtschaft kooperiert."

Was Algen aus Sicht des Klimaschutzes so attraktiv macht, ist die Fähigkeit CO2 zu binden und ihn wesentlich schneller als Bäume und Energiepflanzen in Biomasse umzuwandeln. Gelingt es, diese Biomasse energetisch zu nutzen - als Biogas oder Biodiesel -, dann trägt dies zu einer Energieversorgung bei, die das Klima nicht weiter aufheizt; gilt doch Biomasse bei der Verbrennung als CO2-Neutral. Zudem seien Algen keine Konkurrenz zu Lebensmitteln, so Projektleiter Bauer. Ihre Inhaltsstoffe Lipide und Stärke können zu Biogas und Ethanol umgewandelt werden. Prof. Kuchta: "Zusätzlich zur Energie bieten die Algen nachhaltige Potenziale für die Bereiche Pharma - Algen können antivirale Substanzen bilden -, Lebensmitteltechnologie oder Recycling von Seltenen Erden." Das Algen-Bioraffinerie-Konzept sei damit ein hervorragender Baustein im Kompetenzfeld "Green Technologies" der TU Hamburg.

Udo Bottländer: "Die Erforschung der Gewinnung von Kraftstoffen aus Algen ist sehr wichtig für die Energieversorgung der Zukunft. Wer diese Option erschließen will, muss schon heute tätig sein. Deshalb fördern wir die Ausweitung der Forschungsaktivitäten in unserer Pilotanlage in Hamburg-Reitbrook." Möglich wird dies durch die eingeworbenen Gelder. Eine Million Euro stellt das Bundesforschungsministerium zur Verfügung, die zweite Million bringt der Industriepartner E.ON Hanse ein und auch das TUHH-Institut ist durch den Einsatz seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter daran beteiligt. "Das Unternehmen funktioniert nur, weil junge TUHH-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler in den Laboren und in unserer Pilotanlage forschen", sagte Bottländer.

Das Projekt stößt auch national auf Interesse. "Hamburg ist Vorreiter in der Mikroalgenforschung", bestätigte Kuchta. "Die Zusammenarbeit mit der E.ON Hanse hat sich bewährt und die Anlage hat Referenzen. Wir sind auf allen wichtigen Kongressen vertreten und alle schauen darauf, was aus Hamburg kommt."

Info:

Bisher gilt die Herstellung von Kraftstoffen aus Algen als relativ teuer. Für die zukunftsorientierte Algenbiotechnologie, insbesondere im Hinblick auf die Herstellung von Hochwertprodukten und Energieträgern, ist es aus ökonomischen Gründen notwendig, Verfahren zu entwickeln, welche die Wertschöpfung des Rohmaterials durch kombinierte Wertstoffgewinnung und möglichst vollständiger Verwertung der Biomasse signifikant erhöhen. Die Herstellung von Energieträgern aus Algenbiomasse weißt ein signifikant hohes Potenzial auf, ist derzeit aber nicht wirtschaftlich durchführbar. Dies kann jedoch durch die zusätzliche Nutzung hochpreisiger Nebenprodukte im Sinne eines Bioraffineriekonzepts potenziell realisiert werden. Da die verschiedenen Anwendungen und Systeme bisher unzureichend untersucht sind, ist es zwingend notwendig, mögliche Prozessketten zur Umsetzung einer Algen-Bioraffinerie zu analysieren.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kuchta, M.Sc. Nils Wieczorek
TUHH - Technische Universität Hamburg
Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft
Abfallressourcenwirtschaft
Harburger Schlossstr. 36
21079 Hamburg
Tel.: + 49 40 42878 3054
Mail: Kuchta@tuhh.de
TUHH - Pressestelle
Martina Brinkmann
E-Mail: m.brinkmann@tuhh.de
Tel.: +49 40 428 78 3558
Fax: +49 40 428 78 2366

Rüdiger Bendlin | idw
Weitere Informationen:
http://www.tuhh.de/iue/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Auf dem Weg zu neuen Leistungstransistoren
11.07.2018 | Paul Scherrer Institut (PSI)

nachricht Erneuerbarer Kraftstoff aus der Kläranlage
10.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics