Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Stromfressern“ auf der Spur: TU Graz misst Standby-Verluste von Elektrogeräten

17.06.2010
Projekt SELINA erhebt Standby- und Off-Mode-Verluste von europaweit 6.000 Geräten

Die Kaffeemaschine von heute braucht nicht nur beim Mahlen von Kaffeebohnen Energie – das Warmhalten des Wassers, die Uhrzeitanzeige und farblich leuchtende Warnmeldungen fressen ebenfalls Strom.

Diese Funktionen werden im so genannten Standby-Modus ausgeführt, der genauso wie der Off-Modus, in dem sich zum Beispiel ein lose angestecktes Handyladegerät befindet, große Energiesparpotentiale aufweisen.

Im Projekt „Standby and Off-Mode Energie Losses in New Appliances“ – kurz SELINA – werden die Standby- und Off-Mode-Verluste von insgesamt 6000 Haushalts- und Bürogeräten in zwölf EU-Ländern im praktischen Einsatz gemessen und analysiert, wobei die TU Graz für repräsentative 500 österreichische Messungen zuständig ist. Langfristiges Ziel ist die Verringerung der Standby- und Off-Mode-Verluste durch Information und Sensibilisierung von Produktion, Handel, Käuferschaft und Politik.

Egal ob man die Zeitanzeige der Mikrowelle, die Bedienbarkeit von Fernsehern durch Fernbedienungen oder das Warmhalten von Wasser in der Kaffeemaschine betrachtet – moderne Elektrogeräte haben immer mehr Zusatzfunktionen, die unbemerkt zum Energieverbrauch beitragen. Aber auch Geräte, die zwar abgeschaltet, aber nicht von der Stromquelle getrennt sind, fallen ins Gewicht, wie zum Beispiel Computer-Lautsprecher. Die Europäische Union will diesen unnötigen Stromverbrauch reduzieren und hat Grenzwerte für den Standby- und Off-Mode-Verbrauch vorgeschrieben. Um die Auswirkungen dieser Richtlinien zu überwachen und einen Überblick über die aktuelle Marktsituation zu bekommen und in weiterer Folge zu einer Einschränkung des Verbrauches beizutragen, wurde das Projekt „SELINA“ ins Leben gerufen: In zwölf EU-Ländern werden die Standby- und Off-Mode-Verluste von insgesamt 6000 Elektrogeräten gemessen. „Die Messungen in Österreich haben gezeigt, dass bereits im Vorjahr ein Großteil der Elektrogeräte die Grenzwerte eingehalten hat. Das ist sehr erfreulich, aber noch immer gibt es einige Produktgruppen, die noch nicht von der EU-Richtlinie erfasst werden und erhöhten Standby-Verbrauch aufweisen. Diese sollen in diesem Projekt identifiziert werden“, meint Ernst Schmautzer vom Institut für Elektrische Anlagen. Insgesamt haben die europäischen Wissenschafter bisher etwa die Hälfte der Messungen durchgeführt. Die von Portugal koordinierten Untersuchungen sollen plangemäß bis Sommer 2010 abgeschlossen sein.

Geldbörsel und Klima profitieren von Einsparmaßnahmen

Als die wahren „Stromfresser“ haben sich bisher vor allem Computer-Lautsprecher, Stereoanlagen, WLAN-Modems und Satellitenreceiver entpuppt. „Wir können davon ausgehen, dass die Standby- und Off-Mode-Verluste künftig steigen werden, denn einerseits haben immer mehr Geräte Zusatzfunktionen wie einen Netzwerkanschluss und andererseits gibt es laufend neue Produkte am Markt, die verschieden kombinierbare Zusatzfunktionen ausführen können“, erklärt Ernst Schmautzer. Ziel von „SELINA“ ist daher die Aufbereitung der erhobenen Messdaten und deren Integration in eine internationale Gesamtdatenbank sowie die gezielte Weitergabe der Resultate durch nationale und internationale Workshops und Informationsmaterialien an die Konsumenten. „Es handelt sich hier um einen Energieverbrauch, der schlicht und einfach nicht notwendig ist. Wenn die Hersteller ihre Produkte mit einfachen und preiswerten Maßnahmen optimieren, haben alle etwas davon. Nicht zuletzt Geldbörsel und Klima“, schließt Schmautzer.

Weitere Informationen zum Projekt SELINA:
http://www.selina-project.eu
Rückfragen:
Dipl.-Ing. Dr. Ernst Schmautzer
Institut für Elektrische Anlagen
E-Mail: schmautzer@tugraz.at
Tel.: +43 (0) 316 873 7555

Alice Senarclens de Grancy | idw
Weitere Informationen:
http://www.selina-project.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Mikro-Überlebenskünstler: Archaeen bewältigen biologische Methanisierung trotz Asche und Teer
27.02.2020 | Deutsches Biomasseforschungszentrum

nachricht Besser klettern mit virtuellem Mentor
25.02.2020 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten aktuellen Stand der Anwendung des Maschinenlernens bei Forschung an aktiven Materialien

Verfahren des Maschinenlernens haben durch die Verfügbarkeit von enormen Datenmengen in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an Anwendungen in vielen Gebieten erfahren: vom Klassifizieren von Objekten, über die Analyse von Zeitreihen bis hin zur Kontrolle von Computerspielen und Fahrzeugen. In einem aktuellen Review in der Zeitschrift „Nature Machine Intelligence“ beleuchten Autoren der Universitäten Leipzig und Göteborg den aktuellen Stand der Anwendung und Anwendungsmöglichkeiten des Maschinenlernens im Bereich der Forschung an aktiven Materialien.

Als aktive Materialien bezeichnet man Systeme, die durch die Umwandlung von Energie angetrieben werden. Bestes Beispiel für aktive Materialien sind biologische...

Im Focus: Computersimulationen stellen bildlich dar, wie DNA erkannt wird, um Zellen in Stammzellen umzuwandeln

Forscher des Hubrecht-Instituts (KNAW - Niederlande) und des Max-Planck-Instituts in Münster haben entdeckt, wie ein essentielles Protein bei der Umwandlung von normalen adulten humanen Zellen in Stammzellen zur Aktivierung der genomischen DNA beiträgt. Ihre Ergebnisse werden im „Biophysical Journal“ veröffentlicht.

Die Identität einer Zelle wird dadurch bestimmt, ob die DNA zu einem beliebigen Zeitpunkt „gelesen“ oder „nicht gelesen“ wird. Die Signalisierung in der Zelle,...

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Im Focus: High-pressure scientists in Bayreuth discover promising material for information technology

Researchers at the University of Bayreuth have discovered an unusual material: When cooled down to two degrees Celsius, its crystal structure and electronic properties change abruptly and significantly. In this new state, the distances between iron atoms can be tailored with the help of light beams. This opens up intriguing possibilities for application in the field of information technology. The scientists have presented their discovery in the journal "Angewandte Chemie - International Edition". The new findings are the result of close cooperation with partnering facilities in Augsburg, Dresden, Hamburg, and Moscow.

The material is an unusual form of iron oxide with the formula Fe₅O₆. The researchers produced it at a pressure of 15 gigapascals in a high-pressure laboratory...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

Genomforschung für den Artenschutz - Internationale Fachtagung in Frankfurt

25.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Riesiger 3D-Drucker soll tonnenschwere Getriebeteile aus Stahl fertigen

27.02.2020 | Maschinenbau

Immunologie - Rachenmandeln als Test-Labor

27.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Pestizide erhöhen Risiko für Tropenkrankheit Schistosomiasis / Belastete Gewässer fördern Zwischenwirt des Erregers

27.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics