Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökostrom auf Wachstumskurs

10.11.2008
Verein EnergieVision: Marktanteil des ok-power Labels steigt weiter an / Öko-Institut, Verbraucherzentrale NRW und WWF zeichnen empfehlenswerte Angebote aus

Der Absatz an Ökostrom in Deutschland ist im Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahr erheblich gewachsen, so lautet das Ergebnis von Berechnungen des Vereins EnergieVision auf der Grundlage einer aktuellen Markterhebung der Fachzeitschrift "Energie & Management".

Noch stärker ist die Dynamik im laufenden Jahr 2008. Betrug der Ökostromabsatz im Bereich von Haushaltskunden im Jahr 2007 rund 2,8 Milliarden Kilowattstunden, ist für das Jahr 2008 mit mehr als einer Verdopplung des Absatzes auf rund 6,1 Milliarden Kilowattstunden zu rechnen. Zum Vergleich: Alle deutschen Privathaushalte verbrauchen pro Jahr etwa 140 Milliarden Kilowattstunden. "Nach Jahren der Stagnation beginnt der Ökostrommarkt aus dem Nischendasein herauszutreten und zu einem relevanten Wettbewerbsfaktor zu werden", sagt Helmfried Meinel, Vorstandsmitglied des EnergieVision e.V.. Der Verein wird gemeinsam vom Öko-Institut, der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und der Umweltstiftung WWF Deutschland getragen.

Seit dem Jahr 2001 vergibt EnergieVision e.V. das Gütesiegel "ok-power". Derzeit sind 17 Produkte von 14 Anbietern mit diesem Label ausgezeichnet. Sie alle tragen zum Ausbau der erneuerbaren Energien bei und sind uneingeschränkt empfehlenswert. Erfreulich: Der Marktanteil von Ökostrom mit dem ok-power-Standard ist auf Basis eigener Berechnungen bei Privathaushalten von 26 Prozent im Jahr 2006 auf etwa 33 Prozent im Jahr 2007 gestiegen. Nach Abschätzungen des Energie-Vision e.V. aufgrund der im Jahr 2008 zertifizierten Strommenge und aufgrund der Marktbeobachtung wird der Ökostrom-Anteil in ok-power-Qualität im Jahr 2008 auf etwa 40 Prozent anwachsen, obwohl in diesem Jahr einige Stadtwerke ihre Kunden standardmäßig auf Ökostrom aus alter Wasserkraft und ohne Umweltnutzen umgestellt haben. Es zeigt sich offenbar, dass die Anbieter glaubwürdiger Ökostromprodukte deutlich größere Marktchancen haben als Trittbrettfahrer, die das gute Image des Ökostroms ausnutzen, die Verbrauchererwartungen jedoch letztlich enttäuschen.

Denn: Das positive Bild hat sich in den vergangenen Monaten getrübt und Ökostrom in Misskredit gebracht. Zahlreiche Stromversorgungsunternehmen bieten Ökostrom an, der aus alten, längst bestehenden und abgeschriebenen Wasserkraftanlagen stammt. Die Standorte solcher alter Anlagen befinden sich in Deutschland, aber auch in europäischen Ländern mit hohen Wasserkraftanteilen wie Österreich, Schweiz oder Norwegen. Bezieht ein Kunde diesen Strom, leistet er derzeit keinen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien, da damit kein Impuls für den Bau neuer Kraftwerke verbunden ist. Ein solches Vorgehen ist in der Öffentlichkeit zu Recht als "Grünstromwäsche" in Verruf gekommen. "Grünstromwäsche", also die reine Umverteilung bestehender erneuerbarer Stromerzeugung zu Lasten uninformierter Verbraucher, wird dann zu einem besonderen Problem, wenn Stadtwerke ihre Bestandskunden auf derart konzipierten Ökostrom umstellen, ihnen dabei jedoch suggerieren, etwas für den Ausbau der erneuerbaren Energien zu tun.

Nach Ansicht des Energie-Vision e.V. tragen nur solche Ökostromangebote wirksam zum Ausbau der erneuerbaren Energien bei, die in einem ausreichenden Umfang Strom aus neuen Anlagen verwenden, nachzuweisen über die externe Überwachung der Einhaltung von extern formulierten Mindeststandards. Dies ist beim ok-power-Standard des Energie-Vision e.V. gegeben. "Zu empfehlen sind nur solche Stromangebote, die den Bau neuer Kraftwerke zur Nutzung erneuerbarer Energien und der umweltfreundlichen Kraft-Wärme-Kopplung wirksam fördern", betont Helmfried Meinel. Durch die neuen Anlagen wird fossile und atomare Stromerzeugung verdrängt und somit ein Beitrag zu Klimaschutz und Versorgungssicherheit geleistet. Andere Produkte, bei denen Kunden lediglich aus bereits bestehenden Anlagen beliefert werden, haben dagegen keinen Nutzen für die Umwelt und stehen im Widerspruch zu den Erwartungen vieler Verbraucher. Helmfried Meinel: "Verbraucher wollen einen eigenen Beitrag zum klimafreundlichen Umbau der Stromerzeugung leisten, indem sie einen von Nachfrage und Marktkräften getriebenen Ausbau der erneuerbaren Energieträger voranbringen."

Nach Ansicht der Energieexperten ist es verstärkt erforderlich, "guten Ökostrom", der einen dezidierten Beitrag zum marktgetriebenen Ausbau der erneuerbaren Energien anhand fest vorgegebener Kriterien leistet, von "schlechtem Ökostrom" abzugrenzen, dessen Bezug zu einer reinen Umverteilung ohnehin bestehender Kapazitäten führt. In diesem Zusammenhang begrüßt es der EnergieVision e.V., dass das Umweltbundesamt einen erneuten Anlauf unternimmt, einen "Blauen Engel Ökostrom" ins Leben zu rufen. Dieser macht allerdings nur dann einen Sinn, wenn er anspruchsvolle Kriterien hinsichtlich Ausbauwirkung und ökologischer Anforderungen formuliert und wenn damit eine zuverlässige, jährliche Bilanzierung und Kontrolle der Einhaltung der Vergabevorschriften implementiert wird.

Ansprechpartner:

Helmfried Meinel, Verbraucherzentrale NRW, Vorstandsmitglied EnergieVision e.V., Telefon 0211/3809-166, E-Mail helmfried.meinel(at)vz-nrw.de

Veit Bürger, Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg, Vorstandsmitglied EnergieVision e.V., Telefon 0761/452 95-25, E-Mail v.buerger(at)oeko.de

Christiane Rathmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.oeko.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck
18.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

nachricht Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie
17.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics