Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Iserlohner Student nimmt über 100 Jahre alte technische Erfindung unter die Lupe

22.09.2010
Tesla-Turbine wurde an der FH nachgebaut und getestet

Erfunden wurde sie bereits in den Jahren 1900 bis 1906, eine industrielle Anwendung erfuhr sie jedoch nie. Die Rede ist von der Tesla-Turbine, entwickelt von dem genialen Erfinder und Elektroingenieur Nikola Tesla. Ihm verdanken wir zahlreiche Erfindungen auf dem Gebiet der elektromagnetischen Energieübertragung wie den Wechselstrom, den ersten Radiosender oder die erste Fernsteuerung.

Andreas Welschhoff, Student der Mechatronik an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn hat im Rahmen seiner Diplomarbeit das technische Konzept der Tesla-Turbine wieder aufgegriffen, sie nachgebaut und getestet. „Prof. Dr. Heinrich Reents brachte mich auf die Idee. Mich interessierte, warum eine Technik, die es bereits seit über 100 Jahren gibt und die theoretisch enorme Vorteile gegenüber heute verwendeten Turbinen hat, sich industriell nicht durchgesetzt hat“, berichtet Welschhoff. Tatkräftig unterstützt wurde er dabei von seinen Betreuern Prof. Reents. Prof. Dr. Peter Langbein und Dipl.-Ing. Wolf Schneider.

„Bei der Tesla-Turbine handelt es sich um eine schaufellose Turbine. Sie besteht aus mehreren glatten, runden Scheiben, die über eine Welle verbunden sind. Diese Scheiben haben einen festgelegten Abstand zueinander, durch die Gase oder Flüssigkeiten (Fluide) strömen und die Turbine antreiben“, erklärt Welschhoff.

Den, laut Theorie, hohen Wirkungsgrad der Turbine konnte Welschhoff in seinen Versuchen nicht erreichen. Aufgrund ihrer einfachen Konstruktion und der fehlenden Schaufeln kann die Turbine auch als Pumpe eingesetzt werden, allerdings wurden auch bei diesem Einsatz im FH-Versuch keine hohen Wirkungsgrade erzielt. Auch zu Nikola Teslas Zeit kam seine Turbine nicht zum industriellen Einsatz. Die damalige Industrie setzte stattdessen auf Dampfturbinen und Dampfmaschinen. Die Erfindung geriet in Vergessenheit.

Aus Sicht von Welschhoff ein Fehler, denn aufgrund der besonders einfachen Konstruktion ist die Turbine deutlich weniger störanfällig und bei flüssigen Fluiden, wie beispielweise Wasser, kann diese Turbine, anders als bei den Schaufeln der sonst üblichen Turbinen, praktisch nicht zerstört werden. „Dies macht die Turbine interessant für den Bereich der Energierückgewinnung“, ist Welschhoff überzeugt und führt als Beispiel das Auto an, bei dem ein Großteil der Wärmeenergie ungenutzt durch den Auspuff verloren geht und nicht für die Elektronik im Fahrzeug genutzt wird.

Nach Abschluss seiner Versuche steht für ihn fest, dass die Turbine, wie Nikola Tesla sie erdacht hat, nicht die erhoffte Leistung erbringen kann. „Wir haben an der Fachhochschule aber herausgefunden, auf welche Faktoren geachtet werden muss, um die Leistung zu erhöhen. Wenn diese Kriterien angewendet werden, kann die Turbine mit dem Wissensstand von heute, verbessert werden“, stellt Welschhoff fest. „Mit weiteren konstruktiven Verbesserungen ist es möglich, die Turbine allein mit Wasserdampf zu betreiben. Damit könnte sie beispielweise bei der Energierückgewinnung in der Industrie eine entscheidende Rolle spielen.“

Das Thema Energie spielt auch weiterhin eine Rolle im Leben von Andreas Welschoff. Jetzt, nach Abschluss seines Studiums, sucht er eine berufliche Tätigkeit im Bereich Energietechnik.

Birgit Geile-Hänßel | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-swf.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Auf dem Weg zu neuen Leistungstransistoren
11.07.2018 | Paul Scherrer Institut (PSI)

nachricht Erneuerbarer Kraftstoff aus der Kläranlage
10.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics