Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschende der Universität Stuttgart entwickeln elektrotaktile Touch-Bedienoberflächen für ältere Menschen

06.05.2020

Die Nutzung von Touchscreens fällt gerade älteren Menschen oft schwer, da die Informationen vor allem mit dem Auge, nicht aber mit dem Tastsinn zu erfassen sind. Forschende am Institut für Konstruktionstechnik und Technisches Design der Universität Stuttgart entwickeln nun eine Technologie, mit der man die Informationen auf der Touch-Bedienoberfläche mithilfe elektrostatischer Felder „fühlen“ kann. Um die verschiedenen Feedback-Muster auszuprobieren, werden Testpersonen gesucht.

Ob Bordcomputer im Auto, Herd, Heizanlage oder Landmaschinen: Immer mehr Geräte im Konsum- und Investitionsgüterbereich werden nicht mehr mit Knöpfen und Schaltern, sondern über audiovisuelle Anzeigen, insbesondere über Touchscreens, bedient.


Gestaltung und Evaluation des elektrotaktilen Feedbacks im Rahmen einer Nutzerstudie zur Bedienung von medizinischen Geräten.

Universität Stuttgart/IKTD, Bader

Allerdings senden die meisten Displays ihre Informationen als Signale, die man sehen oder hören kann. Einer der grundlegendsten Sinne des Menschen, die haptische Wahrnehmung (Tastsinn), bleibt dagegen weitestgehend vernachlässigt.

Dies macht die Bedienung von Geräten komplexer, das Wahrnehmungs- und Informations-verarbeitungsvermögen des Menschen wird überlastet. In sicherheitsrelevanten Situationen kann es dann schnell gefährlich werden.

Menschen ab dem 60. Lebensjahr sind mit dieser Problematik in besonderem Maße konfrontiert, sei es zu Hause – Stichwort Smart Home – oder unterwegs, zum Beispiel im Auto oder am Fahrkartenautomat. Denn Seh- und Hörvermögen lassen mit zunehmendem Alter nach, dazu kommt eine Abnahme der kognitiven Leistung. Beides beschleunigt die Überlastung.

Vor diesem Hintergrund untersuchen die Stuttgarter Wissenschaftler*innen in einem Forschungsvorhaben mit dem Titel „Alternsgerechte adaptiv elektrotaktile Touch-Bedienoberflächen im translatorischen Anwendungsfall“, wie der haptische Wahrnehmungskanal genutzt werden kann, um die Menschen altersgerecht zu entlasten. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit insgesamt 180.000 Euro geförderte Projekt zielt auf die Gestaltung einer haptischen Mensch-Maschinen-Schnittstelle und setzt dabei auf eine elektrotaktile Touch-Bedienoberfläche.

Reibung zwischen Touchscreen und Finger

Hierbei wird der Touchscreen mit Hilfe elektrostatischer Felder kodiert, die eine Wechselwirkung mit den Wassermolekülen im Finger erzeugen. Streicht man nun mit dem Finger über die Touch-Bedienoberfläche, ändert sich die Reibung zwischen Touchscreen und Finger.

Um zu untersuchen, wie die Nutzer*innen die Felder wahrnehmen und darauf reagieren, wird auf einem Touch-Screen ein Slider implementiert und mit dem elektrotaktilen Feedback versehen. Untersucht wird dabei, ob die Proband*innen beispielsweise eine Zunahme oder Abnahme des Feedbacks, eine Markierung an einer bestimmten Sliderposition oder gar eine Skala durch elektrotaktile Kodierung wahrnehmen. Dazu wird die Position der elektrostatischen Felder, die Ausdehnung als auch die Intensität variiert.

Ziel ist die Gewinnung neuer Erkenntnisse, wie sich bestimmte Funktionen einer elektrotaktilen Touch-Bedienoberfläche codieren lassen, um den immer größer werdenden Informationsfluss zu bewältigen.

Dabei sollen multimodale Wege der Informationsübertragung den visuellen Wahrnehmungskanal insbesondere älterer Menschen durch unterstützende taktile Informationsübermittlung entlasten.

Zudem sollen altersbedingte sensomotorische Verluste, die bei Senioren oft auch die taktile Informationsverarbeitung beeinträchtigen, kompensiert werden, um eine komfortablere, effizientere und effektivere Mensch-Maschine-Interaktion zu gewährleisten.

Gesucht: Testpersonen verschiedener Altersgruppen

Um die verschiedenen taktilen Feedbackmuster zu prüfen, wollen die Forschenden im Frühsommer 2020 eine Nutzerstudie durchführen. Hierfür werden sowohl junge als auch ältere Menschen zur Teilnahme gesucht. Die Tests finden in den Laborräumen des Instituts für Konstruktionstechnik und Technisches Design, Pfaffenwaldring 9, in Stuttgart-Vaihingen statt. Informationen für Interessent*innen und Anmeldung bei Peter Schmid, peter.schmid@iktd.uni-stuttgart.de .

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Thomas Maier, Peter Schmid, Universität Stuttgart, Institut für Konstruktionstechnik und Technisches Design, Forschungs- und Lehrgebiet Technisches Design, Tel. 0711 / 685-66060, -66650, E-Mail thomas.maier@iktd.uni-stuttgart.de, peter.schmid@iktd.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht TU Graz entwickelt autonom fahrenden Elektro-Kompostwender
14.07.2020 | Technische Universität Graz

nachricht Gesucht: Die nächste Superbatterie
13.07.2020 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hammer-on – wie man Atome schneller schwingen lässt

Schwingungen von Atomen in einem Kristall des Halbleiters Galliumarsenid (GaAs) lassen sich durch einen optisch erzeugten Strom impulsiv zu höherer Frequenz verschieben. Die mit dem Strom verknüpfte Ladungsverschiebung zwischen Gallium- und Arsen-Atomen wirkt über elektrische Wechselwirkungen zurück auf die Schwingungen.

Hammer-on ist eine von vielen Rockmusikern benutzte Technik, um mit der Gitarre schnelle Tonfolgen zu spielen und zu verbinden. Dabei wird eine schwingende...

Im Focus: Kryoelektronenmikroskopie: Hochauflösende Bilder mit günstiger Technik

Mit einem Standard-Kryoelektronenmikroskop erzielen Biochemiker der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erstaunlich gute Aufnahmen, die mit denen weit teurerer Geräte mithalten können. Es ist ihnen gelungen, die Struktur eines Eisenspeicherproteins fast bis auf Atomebene aufzuklären. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "PLOS One" veröffentlicht.

Kryoelektronenmikroskopie hat in den vergangenen Jahren entscheidend an Bedeutung gewonnen, besonders um die Struktur von Proteinen aufzuklären. Die Entwickler...

Im Focus: Electron cryo-microscopy: Using inexpensive technology to produce high-resolution images

Biochemists at Martin Luther University Halle-Wittenberg (MLU) have used a standard electron cryo-microscope to achieve surprisingly good images that are on par with those taken by far more sophisticated equipment. They have succeeded in determining the structure of ferritin almost at the atomic level. Their results were published in the journal "PLOS ONE".

Electron cryo-microscopy has become increasingly important in recent years, especially in shedding light on protein structures. The developers of the new...

Im Focus: Neue Schlankheitstipps für Computerchips

Lange Zeit hat man in der Elektronik etwas Wichtiges vernachlässigt: Wenn man elektronische Bauteile immer kleiner machen will, braucht man dafür auch die passenden Isolator-Materialien.

Immer kleiner und immer kompakter – das ist die Richtung, in die sich Computerchips getrieben von der Industrie entwickeln. Daher gelten sogenannte...

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wind trägt Mikroplastik in die Arktis

14.07.2020 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Nanoelektronik lernt wie das Gehirn

14.07.2020 | Informationstechnologie

Anwendungslabor Industrie 4.0 der THD: Smarte Lösungen für die Unikatproduktion

14.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics