Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektromobilität: Strom ist der Sprit der Zukunft

09.03.2010
Eine Million Elektroautos sollen in zehn Jahren auf Deutschlands Straßen fahren. So plant es zumindest die Bundesregierung. Wie dieses ehrgeizige Ziel erreicht werden kann, haben Juristen der Universität Würzburg untersucht. Ihre Empfehlungen liegen jetzt vor.

Die Erdölreserven schwinden, der Spritpreis steigt und der Ausstoß des Klima schädigenden Treibhausgases CO2 muss verringert werden: Gründe, warum der Verkehr der Zukunft auf Strom als Antriebsquelle setzen sollte, gibt es mehr als genug. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und deshalb den "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" ins Leben gerufen. Der sieht unter anderem vor, dass bis zum Jahr 2020 mindestens eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren sollen.

Weil es mit der reinen Willensbekundung nicht getan ist, hat die Regierung untersuchen lassen, wie dieses Ziel erreicht werden kann. An der Studie mit dem Titel "Erneuerbare Elektromobilität - Förderbedarf für die Elektromobilität und ihre intelligente Systemintegration" waren unter anderem auch Juristen der Universität Würzburg beteiligt. Genauer gesagt: die Mitarbeiter der Forschungsstelle Umweltenergierecht.

Auch Elektrofahrzeuge können Klimakiller sein

Eine Million Fahrzeuge, die sich emissionsfrei mit Strom auf der Straße bewegen: Das klingt zunächst einmal sehr umweltfreundlich. Muss es aber nicht sein: "Je nachdem, woher diese Fahrzeuge ihren Strom beziehen, kann die Umweltbilanz sogar schlechter ausfallen als bei einem reinen Verbrennungsmotor", sagt Thorsten Müller, Leiter der Forschungsstelle. Beispielsweise dann, wenn der Strom in einem Kohlekraftwerk erzeugt wurde.

"Es muss deshalb gewährleistet sein, dass diese Fahrzeuge zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgt werden, damit die Klimabilanz positiv ausfällt", ergänzt Frank Sailer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle Umweltenergierecht. Und natürlich muss dieser Strom zusätzlich zu dem schon heute vorhandenen produziert werden. "Sonst wäre die Förderung der Elektromobilität ein klimapolitisches Nullsummenspiel: Den positiven Effekte durch die Nutzung der Erneuerbaren Energien im Verkehrssektor stünden im selben Umfang negative Auswirkungen in den anderen Verbrauchsbereichen gegenüber", so Müller.

Aus Sicht der Technik ist das kein Problem: Eine Million Elektrofahrzeuge verbrauchen nach aktuellen Berechnungen knapp zwei Terawattstunden Strom. Klingt gewaltig, hält sich tatsächlich aber in Grenzen: "Allein die Steigerung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien im Jahr 2008 gegenüber 2007 lag mit rund 4,3 Terawattstunden mehr als doppelt so hoch wie dieser prognostizierte Verbrauch", sagt Frank Sailer.

Unter diesem Aspekt steht dem Einstieg in die Elektromobilität also nichts entgegen. Das Problem liegt auf einer anderen Seite: "Momentan kostet ein Elektrofahrzeug nach den Berechnungen der Ökonomen rund 20.000 Euro mehr als ein konventionell betriebener Pkw", sagt Thorsten Müller. Um potenziellen Käufern den Umstieg schmackhaft zu machen, muss der Gesetzgeber also Anreize schaffen - und da sind die Juristen gefragt.

Elektroautos von der Mehrwertsteuer zu befreien, würde die Käufer spürbar entlasten. Das ist aber mit dem Europarecht nicht zu vereinbaren, sagen die Spezialisten für Umweltenergierecht. Einzig ein reduzierter Steuersatz, wie gerade für Hotelübernachtungen eingeführt, wäre möglich.

Weitere Ideen, wie man den Kauf eines Elektroautos schmackhaft machen könnte, gibt es viele: Freie Fahrt auf Busspuren für strombetriebene Fahrzeuge, kostenloses Parken in den Innenstädten, Ladestationen in großer Zahl, einen Zuschuss beim Kauf - quasi das Gegenteil der Abwrackprämie. Damit ließe sich die Millionengrenze innerhalb von zehn Jahren möglicherweise knacken.

Handlungsempfehlungen der Juristen

Den stärksten Anreiz bildet nach Ansicht der Juristen und ihrer Forschungspartner die direkte finanzielle Unterstützung der Käufer solcher Fahrzeuge. In ihren Handlungsempfehlungen schlagen sie deshalb an erster Stelle vor, die derzeit im Nationalen Entwicklungsplan vorgesehene Fördersumme von 500 Millionen Euro deutlich aufzustocken und damit ein "Marktanreizprogramm für den Fahrzeugkauf gestaffelt nach den unterschiedlichen Fahrzeugklassen" einzurichten, so Frank Sailer.

Weiter empfehlen sie, dass öffentliche Einrichtungen ihren Fuhrpark auf Elektroautos umstellen, und dass der Gesetzgeber einen einheitlichen technischen Standard für die Lade-Stationen vorschreibt, damit die Suche nach einer geeigneten "Tankstelle" nicht den Spaß am emissionsfreien Fahren stört.

Emissionsfreies Fahren ist ein wichtiger Hebel, wenn es darum geht, den Klimawandel in den Griff zu kriegen. Dennoch: "Elektromobilität ist nur ein Baustein von vielen", sagt Thorsten Müller. Erst wenn es gelinge, diese Bausteine aufeinander abzustimmen, könne - wie bei einem Mosaik - ein schönes Bild entstehen. Die Juristen tragen ihr Teil dazu bei.

Kontakt

Thorsten Müller, Forschungsstelle Umweltenergierecht, T: (0931) 79 40 77-0; E-Mail: thorsten.mueller@jura.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Leistung effizient erzeugen – bei hohen Frequenzen, hohen Spannungen und mit kurzen Schaltzeiten
17.09.2019 | Forschungsverbund Berlin e.V.

nachricht Eine OLED-Pilotlinie stellt sich vor: Von PI-SCALE zu LYTEUS
12.09.2019 | Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nervenzellen feuern Hirntumorzellen zum Wachstum an

Heidelberger Wissenschaftler und Ärzte beschreiben aktuell im Fachjournal „Nature“, wie Nervenzellen des Gehirns mit aggressiven Glioblastomen in Verbindung treten und so das Tumorwachstum fördern / Mechanismus der Tumor-Aktivierung liefert Ansatzpunkte für klinische Studien

Nervenzellen geben ihre Signale über Synapsen – feine Zellausläufer mit Kontaktknöpfchen, die der nächsten Nervenzelle aufliegen – untereinander weiter....

Im Focus: Stevens team closes in on 'holy grail' of room temperature quantum computing chips

Photons interact on chip-based system with unprecedented efficiency

To process information, photons must interact. However, these tiny packets of light want nothing to do with each other, each passing by without altering the...

Im Focus: Happy hour für die zeitaufgelöste Kristallographie

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD), der Universität Hamburg und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) hat eine neue Methode entwickelt, um Biomoleküle bei der Arbeit zu beobachten. Sie macht es bedeutend einfacher, enzymatische Reaktionen auszulösen, da hierzu ein Cocktail aus kleinen Flüssigkeitsmengen und Proteinkristallen angewandt wird. Ab dem Zeitpunkt des Mischens werden die Proteinstrukturen in definierten Abständen bestimmt. Mit der dadurch entstehenden Zeitraffersequenz können nun die Bewegungen der biologischen Moleküle abgebildet werden.

Die Funktionen von Biomolekülen werden nicht nur durch ihre molekularen Strukturen, sondern auch durch deren Veränderungen bestimmt. Mittels der...

Im Focus: Happy hour for time-resolved crystallography

Researchers from the Department of Atomically Resolved Dynamics of the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter (MPSD) at the Center for Free-Electron Laser Science in Hamburg, the University of Hamburg and the European Molecular Biology Laboratory (EMBL) outstation in the city have developed a new method to watch biomolecules at work. This method dramatically simplifies starting enzymatic reactions by mixing a cocktail of small amounts of liquids with protein crystals. Determination of the protein structures at different times after mixing can be assembled into a time-lapse sequence that shows the molecular foundations of biology.

The functions of biomolecules are determined by their motions and structural changes. Yet it is a formidable challenge to understand these dynamic motions.

Im Focus: Modulare OLED-Leuchtstreifen

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP, ein Anbieter von Forschung und Entwicklungsdienstleistungen auf dem Gebiet der organischen Elektronik, stellt auf dem International Symposium on Automotive Lighting 2019 (ISAL), vom 23. bis 25. September 2019, in Darmstadt, am Stand Nr. 37 erstmals OLED-Leuchtstreifen beliebiger Länge mit Zusatzfunktionalitäten vor.

Leuchtstreifen für das Innenraumdesign kennt inzwischen nahezu jeder. LED-Streifen sind als Meterware im Baumarkt um die Ecke erhältlich und ebenso oft als...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Woher kommt der Nordsee-Plastikmüll

18.09.2019 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - November 2019

18.09.2019 | Veranstaltungen

Sichere Schnittstellen: API-Security

18.09.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln "Landkarte" für Krebswachstum

19.09.2019 | Medizin Gesundheit

Nervenzellen feuern Hirntumorzellen zum Wachstum an

19.09.2019 | Biowissenschaften Chemie

Räume voller Möglichkeiten für Innovationen

19.09.2019 | Interdisziplinäre Forschung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics