Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Differenzierte Bewertung von Energiepflanzen im Rahmen der EEG-Diskussion erforderlich

13.12.2013
In der aktuellen Diskussion zur Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird sich die Zukunft der energetischen Verwertung von Biomasse entscheiden.

Zentrale Punkte sind die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen für die Energiebereitstellung, der Beitrag von Bioenergie zum neuen Energiesystem und die Kosten der Bioenergie. Die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen unter nachhaltigen Bedingungen ist weiterhin notwendig, um den erreichten Entwicklungsstand zu sichern und den Anlagenbestand für zukünftige Herausforderungen fit zu machen, kommentiert das DBFZ.

Der am 27. November 2013 veröffentlichte Koalitionsvertrag sieht vor, den Zubau von Biomasse für die Verwendung in Biogasanlagen im Zuge der Novellierung des EEG ab Sommer 2014 überwiegend auf Abfall- und Reststoffe wie bspw. Gülle, Stroh und kommunale organische Bioabfälle zu begrenzen. Die Grundlagen für diese Entwicklung wurden bereits im EEG 2012 u.a. durch die Deckelung des Einsatzes von Mais und die Verbesserung der Bedingungen für den Einsatz von Abfällen und Reststoffen gelegt. Die durchschnittlichen Vergütungssätze wurden in der Novelle 2012 abgesenkt, so dass der Anlagenzubau in den Jahren 2012 und 2013 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückging. So verringerte sich die Anzahl der neugebauten Biogas- und Biomethananlagen nach der letzten Novellierung des EEG von ca. 1350 (2011) auf ca. 340 (2012) bzw. 220 (2013).

Maßvolle Weiterentwicklung im Biogasbereich ist notwendig

Prof. Dr. Daniela Thrän vom DBFZ und Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) sieht das EEG 2012 damit als ein erfolgreiches Steuerungsinstrument, das ein maßvolles, nachhaltiges Wachstum zulässt: "Die Novellierung des EEG 2012 hat die gesteckten Ziele weitgehend erreicht und bereits zu einer stärkeren Nutzung von Rest- und Abfallstoffen geführt. Wenn wir Herausforderungen wie der Anlagenflexibilisierung begegnen wollen, brauchen wir technische Weiterentwicklung und einen moderaten Zubau bei Biogasanlagen, um nicht alles aufs Spiel zu setzen, was wir an Know-how, Technikentwicklung und Optimierungskonzepten auf den Weg gebracht haben. Entsprechende Konzepte lassen sich insbesondere im Biogasbereich oft nur zusammen mit Energiepflanzen sinnvoll umsetzen", so Thrän auf der kürzlich veranstalteten 5. Statuskonferenz des BMU-Förderprogrammes "Energetische Biomassenutzung" in Leipzig.

Abfall- und Reststoffe bereits verstärkt ausgebaut, aber allein nicht erfolgsversprechend

Für maßvolle Kontinuität in Hinsicht auf den weiteren Einsatz von Energiepflanzen plädiert auch Prof. Dr. mont. Michael Nelles (wiss. Geschäftsführer am Deutschen Biomasseforschungszentrum in Leipzig und Inhaber des Lehrstuhls für Abfall- und Stoffstromwirtschaft an der Universität Rostock). Er verweist auf die begrenzten Potenziale und die vorhandenen Risiken im Abfall- und Reststoffsektor: "Die Potenziale an Abfällen und Reststoffen allein sind relativ gering und können Energiepflanzen nicht ersetzen. Wir befürworten alle Ansätze, die eine energetische Verwertung von organischen Abfällen und Reststoffen dort weiter ausbauen, wo bisher noch ungenutzte Potenziale vorhanden sind. Als Beispiel kann hier der Einsatz von Gülle und Festmist genannt werden, der in den letzten Jahren bereits kontinuierlich ausgebaut wurde. Auch die energetische Verwertung kommunaler Bioabfälle wird zunehmend nachgefragt, wenngleich hier eher nicht-technische Hemmnisse einer sinnvollen energetischen Nutzung entgegenstehen. Insgesamt sollten für eine verbesserte Abfallnutzung Regelungen außerhalb des EEG, wie z.B. das Kreislaufwirtschaftsgesetz in Zukunft so gestaltet werden, dass eine energetische Nutzung von organischen Abfällen unter Beibehaltung der Nährstoffkreisläufe attraktiver wird."

Auch mit Blick auf die verfügbaren Anbauflächen gilt es zu differenzieren: "Energiemais ist eine der flächeneffizientesten Energiepflanzen. Bei einem maßvollen Ausbau ist der Einsatz von Mais in den meisten Regionen Deutschlands nach wie vor nachhaltig möglich. Es ist allerdings richtig, dass für die wenigen Landkreise, in denen ein sehr hoher Viehbestand zu starken Konflikten und einem hohen Maisanteil führt, schnell Lösungen gefunden werden müssen. Hier bietet sich ein differenzierter regionaler Zubaustopp an, wenn eine nachhaltige Bewirtschaftung der Flächen nicht mehr möglich ist. Grundsätzlich ist für die Biogaserzeugung ein weites Spektrum an Pflanzen verwendbar. So haben bspw. die Ergebnisse der Wildpflanzenversuche, der durchwachsenen Silphie und einiger Gräser wie das Klee-, Luzerne- oder Riesenweizengras gezeigt, dass Diversität in Biogasanlagen der richtige Weg ist", so Nelles weiter.

Paul Trainer | idw
Weitere Informationen:
http://www.dbfz.de
http://www.dbfz.de/web/presse/pressemitteilungen-2013/differenzierte-bewertung-von-energiepflanzen-im-rahmen-der-eeg-diskussion-erforde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Schlaflos wegen Handy? Neue Displays könnten Abhilfe schaffen
21.06.2018 | Universität Basel

nachricht Sensoren auf Gummibärchen: Team druckt Mikroelektroden-Arrays auf weiche Materialien
21.06.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics